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04/24/2013

Google und Cisco sind grünste IT-Firmen

Greenpeace hat sein aktuelles Ranking der klimafreundlichsten IT-Unternehmen veröffentlicht. Demnach liegen in diesem Jahr zwei Konzerne ex aequo an erster Stelle. Während vor allem im Bereich der eigenen Energieversorgung ein positiver Trend zu bemerken sei, hätten die Firmen in punkto politischem Engagement noch einigen Nachholbedarf, sagt Greenpeace-Sprecherin Claudia Sprinz im futurezone-Interview.

Im Cool IT Ranking - das die weltweit führenden IT- und Telekommunikations-Konzerne hinsichtlich Klimaschutz bewertet - gibt es in der sechsten Ausgabe, die heute von Greenpeace präsentiert wurde, gleich zwei erste Plätze. Google steht, wie auch im Vorjahr, an der Spitze, muss sich das Siegertreppchen diesmal aber mit Cisco teilen. Nachdem Google Cisco im Jahr 2012 vom ersten Platz der grünsten IT-Unternehmen verdrängt hatte, konnte sich das Unternehmen wieder um neun Punkte nach oben arbeiten. Somit halten sowohl der Internetriese aus Mountain View als auch Cisco im aktuellen Ranking bei 58 von 100 möglichen Punkten.

Auf Rang drei folgt Ericsson, das auch im Vorjahr diesen Platz einnahm. Dahinter kommen Fujitsu, Sprint (neu im Ranking), der indische Konzern Wipro - im letzten Bericht "Grüne Elektronik" übrigens auf Rang eins - sowie HP und Alcatel-Lucent. Schlusslichter im Ranking sind Hitachi und Toshiba mit jeweils nur 13 Punkten. Insgesamt werden in dem Bericht 21 der wichtigsten IT-Unternehmen weltweit bewertet. "Technologie-Giganten haben die Kompetenz, die Gesellschaft zu umweltfreundlicheren und intelligenteren Energiesystemen heran zu führen, wie Cisco und Google deutlich gezeigt haben", sagt Claudia Sprinz, Elektronik-Expertin von Greenpeace Österreich.

Drei wesentliche Kriterien
Das Cool IT Ranking richtet sich nach drei wesentlichen Eckpunkten: Entwicklung von IT-Lösungen für andere Wirtschaftszweige, Senkung der eigenen Treibhausgasemissionen sowie vermehrte Nutzung erneuerbarer Energiequellen sowie Engagement für Klimaschutz und Energieeffizienz in Politik und Öffentlichkeit. "Im Bereich der eigenen Energieversorgung sehen wir eigentlich durchwegs eine starke Verbesserung bei den Firmen", so Claudia Sprinz im Gespräch mit der futurezone. Viele würden sich hier wirklich "redlich bemühen".

Anders sieht es allerdings in Hinblick auf das Engagement in Politik und Öffentlichkeit aus. "Viele Unternehmen haben noch gar nicht begriffen, welche Macht sie diesbezüglich eigentlich haben", sagt Sprinz. Es fehle noch am Verständnis, dass man auch "positives Lobbying" betreiben könne. Viel zu selten würden strengere Gesetze eingefordert, die eine Verbesserung von Investitionen in intelligente Stromnetze sowie andere Lösungen im Bereich umweltfreundlicher Energieproduktion zur Folge hätten.

Geht es um das noch mangelhafte Engagement im öffentlichen und politischen Bereich, so sind die Ranking-Gewinner Google und Cisco aus Sicht von Sprinz jedenfalls als positive Beispiele zu nennen.

Firmen werden aktiver
Ein Beispiel dafür, dass Umweltschutz und Green IT auch bei den großen Konzernen stärker ins Bewusstsein gelangen, liefert auch der japanische IT-Riese Fujitsu. Das Unternehmen rangiert im Greenpeace-Ranking schon zum wiederholten Male relativ weit oben, wenngleich es diesmal ein paar Punkte eingebüßt hat. Im Rahmen eines konzernweiten Umweltschutzprogrammes definiert man bei Fujitsu ökologische Ziele für die kommenden Geschäftsjahre. Anfang der Woche wurde die bereits siebente Stufe dieses Programmes präsentiert. Die Umsetzung betrifft die Jahre 2013 bis 2015. "Der vorangegangene sechste Aktionsplan forderte die globale Reduzierung von GHG-Emissionen um 15 Millionenen Tonnen: Drei Millionen Tonnen CO2 in der IKT selbst („OF IT") und zwölf Millionen Tonnen CO2 durch den Einsatz von IKT", erläutert Bernd Kosch, Head of Environmental Technology bei Fujitsu Technology Solutions.

So will Fujitsu etwa den Einsatz von ITK-Lösungen fördern, die die Treibhausgasemissionen um mehr als 26 Millionen Tonnen reduzieren sollen. Unter anderem wolle man sicherstellen, dass über 50 Prozent der neuentwickelten Produkte den höchsten Grad an Energieeffizenz erzielen und die Ressourceneffizienz im Vergleich zum Geschäftsjahr 2011 um 20 Prozent steigt.

Gleichzeitig bietet Fujitsu mit "Eco Track"eine cloudbasierte Software an, mit der Unternehmen ihre Umweltbilanz analysieren und optimieren können. Das Produkt ist seit 1. April 2013 in Deutsch, Englisch und Japanisch verfügbar. "Die Software erfasst alle relevanten Informationen, die für die Unterstützung des Prüfungsprozesses notwendig sind und gewährleistet so das Einhalten der EU-Richtlinien", so Kosch. Die Lösung unterstütze Unternehmen darüber hinaus dabei, generell kostenbewusst und ökologisch verantwortlich zu handeln.

"Beim Kriterium `IT-Lösungen für andere Wirtschaftszweige` nimmt Fujitsu mit 28 von maximal 40 möglichen Punkten im Vergleich zu seinen Mitbewerbern eine Vorreiter-Rolle ein und deren Aktivitäten sind grundsätzlich begrüßenswert", urteilt die Greenpeace-Expertin. Optimierungsbedarf gebe es vor allem bei den anderen zwei Kriterien des Rankings.

Microsoft holt stark auf
Positive Entwicklungen lassen sich auch bei Microsoft erkennen. Laut Greenpeace ist der Konzern jenes Unternehmen im Ranking, das sich am stärksten verbessert hat - "weil der Software-Gigant endlich seinen erheblichen Einfluss in Washington dazu nutzt, eine Ausweitung von Steuervergünstigungen für Windenergie in den USA zu unterstützen". Kritisiert wird Microsoft aber weiterhin dafür, dass es Mitglied bei ALEC ist. ALEC setze sich unter anderem dafür ein, die staatliche Energiepolitik in den USA abzuschaffen. Insgesamt erhielten sieben Unternehmen Abzugspunkte für die Mitgliedschaft in Gruppierungen, die in Sachen Negativlobbying für Klimaschutz aufgefallen sind.

Kritik an umweltverschmutzenden Energieversorgern
Heftige Kritik übt Greenpeace neuerlich an umweltverschmutzenden Energieversorgern, wie zum Beispiel Tepco in Japan oder Duke Energy in den USA. „Der Fortschritt der IT-Branche wird weiterhin von großen unökologischen Energieversorgern blockiert, solange nicht mehr Unternehmen ihre politische Macht dazu nützen, um sich für klimafreundliche dezentrale Energiepoltik einsetzen," sagt Sprinz. Solche Energieversorger haben oft noch eine Monopolstellung inne. Das Problem bestehe in vielen Ländern, die Menschen würden zwar gerne auf Ökostrom umsteigen, hätten aber oftmals gar keine Möglichkeit dazu, so Sprinz.

Daher seien gerade die großen IT-Konzerne gefragt, ihre Macht zu nutzen, sich zusammenzuschließen und die Energieversorger in die Pflicht zu nehmen. Ein Beispiel dafür sei North Carolina in den USA, wo sowohl AT&T, Cisco, Google, IBM als auch Wipro geschäftlich tätig sind. Diese Unternehmen sollten sich nach Wunsch von Greenpeace in Sachen Erneuerbarer Energieträger kooperieren und vom dortigen Energie-Monopolisten Duke Energy Erneuerbare Energieträger einfordern.

Fujitsu als japanisches Unternehmen wiederum könne sich beispielsweise mit anderen engagierten japanischen IT-Unternehmen wie Softbank zusammenschließen und dem japanischen Energieversorgungsunternehmen TEPCO und dem japanischen einflussreichen Industrieverband Keidanren die Stirn bieten, meint Sprinz. Keidanren fordere in Japan die Rückkehr zur Atomkraft und leiste heftigen Widerstand gegen einen Vorschlag der japanischen Regierung zur CO2-Besteuerung sowie einem Einspeisetarif für Erneuerbare Energie.

Apple, Facebook, Amazon nicht dabei
Wieder nicht im Cool IT Ranking erfasst sind bekannte Firmen wie Apple, Facebook oder Amazon. Das hat einen bestimmten Grund, wie Sprinz erklärt: Diese Unternehmen haben einen anderen Hauptfokus ihres Kerngeschäfts und seien daher mit den erfassten Konzernen nicht wirklich vergleichbar, für die IT-Lösungen für andere Wirtschaftszweige zur Reduktion des Klimawandels einen wesentlicher Teil ihres Geschäftsmodells darstelle. Apple, Facebook, Amazon und Co werden gesondert in der Greenpeace „Clean our Cloud"-Kampagne erfasst.

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