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14.05.2013

Rakuten: "Wollen Amazon als Nummer 1 ablösen"

Nicht als weiterer Online-Händler, sondern als virtuelle „Shopping-City" für kleine, selbstständige Händler will der japanische eCommerce-Gigant Rakuten in Europa durchstarten. Am Montag erfolgte der Österreich-Start. Gründer und Konzernchef Hiroshi Mikitani verriet der futurezone seine weiteren Expansionspläne.

Rakuten wurde 1997 in Tokio von Hiroshi Mikitani gegründet und beschäftigt weltweit 10.000 Mitarbeiter. Mehr als 90.000 Produzenten und Händler aus Asien, Europa, Nord- und Südamerika sind auf der Verkaufsplattform aktiv, insgesamt zählt Rakuten mehr als 85 Millionen Kunden. Zuletzt expandierte der an der Tokioter Börse notierte Internetkonzern in die USA, Deutschland und Frankreich. In Deutschland kaufte Rakuten die eCommerce-Plattform Tradoria, in Frankreich den Online-Händler Priceminister und in den USA Buy.com.

futurezone: Rakuten ist weltweit die Nummer Drei nach Amazon und eBay. Welche Ziele verfolgen Sie in Europa?
Hiroshi Mikitani: Ganz klar. Wir wollen die Nummer Eins im eCommerce werden. In Asien sind wir es ja bereits.

Sie waren global auf Einkaufstour und haben zuletzt in Deutschland  und Frankreich Mitbewerber übernommen. Jetzt starten Sie

in Österreich
mit eigener Niederlassung. Was sind Ihre nächsten Pläne?
Wir haben jetzt sechs Standorte in Europa. Als nächstes kommt Spanien, unser Europa-Headquarter wird in Luxemburg sein.  Wir wollen in den meisten der großen Länder vertreten sein. Es ist uns klar, dass es in Europa wegen der Sprachvielfalt schwieriger ist, einen Online-Marktplatz auszurollen, aber zugleich ist es eine große Chance für die Händler.Unser Marktplatz  hat weltweit mehr als 85 Millionen Kunden. Weitere Übernahmen in Europa sind derzeit nicht geplant, aber man weiß ja nie.

Wie wollen Sie Hauptkonkurrent Amazon vom Thron stoßen?
Wir sind ganz anders als Amazon, konkurrieren wenn Sie so wollen gegen das US-amerikanische Geschäftsmodell des Online-Händlers. Unser Konzept: Wir stellen einen Marktplatz für individuelle Shops samt aller Dienstleistungen zur Verfügung. Konsumenten wollen nicht irgendwo im Internet einkaufen, sondern bei Menschen.  Rakuten verkauft selbst keine Produkte. Wir helfen den Händlern, wir verdrängen sie nicht. Viele Klein- und Mittelbetriebe leiden unter der Marktkonzentration im Handel. Wir helfen ihnen, einen Shop in Internet aufzubauen und ihre Waren über unseren Marktplatz weltweit zu vertreiben.

Der Name Rakuten ist in Europa noch weitgehend unbekannt. Wie wollen Sie das ändern?
Wir werden unsere Marketing-Aktivitäten in Europa verstärken, um viele Fans zu gewinnen. Wir nutzen auch Kundenbindungs-Tools wie etwa Treuepunkte, die in allen Shops am Marktplatz eingelöst werden können.

Wird es auch in Österreich Kooperationen mit Händlern wie Mediamarkt geben, die in Deutschland den E-Book-Reader von Rakuten verkaufen?
Das ist geplant. Wir verhandeln gerade.

eCommerce hat zunehmend den  Ruf als Jobkiller im stationären Handel, weil Shops zusperren müssen oder  Arbeitsplätze  abgebaut werden.
Das betrifft uns nicht, wir sind sehr Shop- und Job-freundlich. Wir unterstützen ja gerade die kleinen Händler, die unter den Großkonzernen leiden und geben ihnen eine Verkaufsplattform. Um als Händler überleben zu können, muss man  nicht groß sein, aber gut. Eine einzigartige Geschäftsidee kann weltweit Erfolg haben.

Rakuten ist in Japan auch ein starker Player im Bereich Reisen, Finanzdienstleistungen oder  Online-Marketing. Gibt es auch hier Expansionspläne?
Nein, derzeit nicht. Wir fokussieren bei der Expansion auf eCommerce.

Sie haben als erster japanischer Konzern Englisch als Konzernsprache eingeführt. Warum?
Englisch ist der globale Standard, vor allem internationale Web- und IT-Experten sprechen nur noch Englisch. Und als zunehmend globaler Konzern können wir auch viel vom Ausland lernen. Daher haben wir als japanisches Unternehmen Englisch als Konzernsprache eingeführt. Das hat in Japan für viel Aufsehen gesorgt.

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