Amazon-Mitarbeiter in Deutschland kämpfen seit Langem um bessere Arbeitsbedingungen

© APA/EPA/UWE ZUCCHI

Deutschland
11/13/2014

Amazon-Mitarbeiter fordert Kollektivvertrag von Jeff Bezos

In einer Online-Petition richtet sich ein Angestellter direkt an Amazon-Boss Jeff Bezos. Mehr als 12.900 Personen unterstützen das Vorhaben bereits.

Ein deutscher Mitarbeiter des US-Versandhändlers Amazon hat eine Petition auf der Internetseite Change.org gestartet und fordert darin von Amazon-Chef Jeff Bezos einen Tarifvertrag für sich und seine Kollegen.

"Ich bin der Meinung, dass ein großer und erfolgreicher Arbeitgeber wie Amazon uns Mitarbeiter respektieren und mit uns auf Augenhöhe verhandeln sollte", heißt es in der Petition von Christian Krähling, der am Standort Bad Hersfeld beschäftigt ist. Amazon müsse das in Deutschland herrschende System der Mitbestimmung akzeptieren.

Die Petition unterzeichneten in wenigen Tagen bereits mehr als 12.900 Menschen. Ziel sind mehr als 50.000 Unterschriften bis Weihnachten.

Harter Job

Krähling ist nach eigenen Angaben 36 Jahre alt und Vater zweier kleiner Kinder. Angefangen hatte er vor fünf Jahren als Weihnachtsaushilfe bei der Einlagerung von Waren, mittlerweile bearbeitet er Kundenanfragen. Er arbeite gerne bei Amazon, versichert er. Der Job sei aber hart. Krähling berichtet in seiner Petition von einer hohen Krankenquote von teils 20 Prozent und darüber an manchen Tagen. "Ein großer Teil" der Kollegen sei befristet eingestellt, viele nur bis zu zwei Jahre. Sie könnten ihr Leben nicht planen. Jeder Arbeitsschritt werde überwacht, jeder solle "über dem Durchschnitt liegen, aber das ist mathematisch unmöglich!"

Recht auf Mitbestimmung

Für ihre gute Leistung hätten die Beschäftigten von Amazon "das Recht verdient", bei ihren Arbeitsbedingungen mitzubestimmen, schrieb Krähling. Einen echten Tarifvertrag hätten die Mitarbeiter aber nicht: "Meine Amazon-Kolleginnen und ich stehen damit dem weltgrößten Onlineversandhändler schutzlos gegenüber. Regelmäßige Lohnerhöhungen, Urlaubsansprüche, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Zuschläge, mehr Urlaubstage und eine Begrenzung der Befristungen auf ein vernünftiges Maß - das alles würde uns ein Tarifvertrag garantieren."

Vergebliche Streiks

ver.di-Chef Frank Bsirske erklärte, er unterstütze die Kampagne. Es sei das erste Mal in Deutschland, dass ein Amazon-Mitarbeiter eine Online-Petition an seinen Arbeitgeber richte. ver.di kämpfe mit den Beschäftigten für Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft ruft die Beschäftigten seit Frühjahr 2013 immer wieder zu Streiks auf, um diese Forderung durchzusetzen - bisher vergeblich.

Amazon hat in Deutschland insgesamt neun Logistikzentren an acht Standorten. Dort werden Warensendungen zusammengestellt und an Kunden verschickt. Der Konzern beschäftigt hierzulande nach eigenen Angaben über 9.000 festangestellte Mitarbeiter.

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