Digital Life
07.05.2015

"Cyborg" Dancy: "Die Menschen selbst werden zum Internet"

Der ehemalige Software-Entwickler Chris Dancy vermisst seit 2008 sein Leben rund um die Uhr. Dieser Trend werde nun durch Salonwatches salonfähig, so Dancy.

So wie wir es kennen, soll es das Internet bald nicht mehr geben. "Es verschwindet. Wir selbst werden zum Internet", erklärte der US-Amerikaner Chris Dancy, der rund um die Uhr mittels digitaler Sensoren und Geräte mit dem Internet verbunden ist, bei der Veranstaltungsreihe "Digital Business Trends" der APA - Austria Presse Agentur und styria digital am Donnerstagvormittag in Wien.

Vorstufe Smartwatch

"Die Familie wird zum App, alles was wir tun, wird mit dem System verbunden sein", prognostizierte der selbst ernannte "Cyborg" (Mischwesen aus Mensch und Maschine, Anm.). Mit Smartwatches wie der Apple Watch sei die Verschiebung des Internets auf den Menschen bereits gestartet. "Heute ist unser Körper eine digitale Schnittstelle, nächstes Jahr wird es die Umwelt sein und in einigen Jahren wird es sogar möglich sein, ganze Identitäten downzuloaden", war sich Dancy sicher.

Der US-Amerikaner selbst lebt schon seit dem Jahr 2008 gewissermaßen als Schnittstelle. Als sein Arzt Probleme damit hatte, seine gesundheitlichen Daten abzuspeichern, schwor er sich, von nun an selbst Aufzeichnungen zu führen und nie wieder offline zu gehen. "Es war mir wichtig zu verstehen, was mein Körper tut und so habe ich alles digital organisiert." Seither trägt Dancy täglich und an 24 Stunden eine Auswahl von 700 Sensoren, Apps, Gadgets und Tracking-Services an seinem Körper. Damit werden Daten über seine Gesundheit, Essgewohnheiten und Lebensqualität aufgezeichnet. "Ich werde zum Übermenschen. Es stimmt, Sie können Wissenschafter fragen - sie überwachen mich", meinte der ehemalige Software-Entwickler.

Alles wird gemessen

Eine besonders wichtige Rolle in seinem Alltag nehme die Apple Watch ein. "Sie überwacht meine Fitness, verwandelt mich in ein soziales Netzwerk und macht das gesamte Leben bequemer", sagte er, tippte auf seine Uhr und schickte einer Freundin, die ebenfalls damit ausgestattet ist, seinen Herzschlag. "Sie kann mich jetzt gerade fühlen. Ich bin gerade zum sozialen Netzwerk geworden", so Dancy. Bei seinen Aufzeichnungen selbst gibt es nur ein einziges Tabu, nämlich erste Dates. "Durch den Blutsauerstoffwert würde ich ja auch wissen, ob mich mein Date gerne küssen will, also mache ich das nicht. Aber ansonsten habe ich alles gemessen, auch den Sex", erklärte er.

Darauf, ob er jemals ganz damit aufhören würde, sich selbst zu überwachen, wollte sich Dancy nicht festlegen. "Ich messe schon deutlich weniger als früher. Ich höre damit auf, wenn ich etwas kann. Zum Beispiel ist meine Haltung mittlerweile in Ordnung und ich tracke sie nicht mehr. Bei meiner Ernährung ist das anders, denn ich liebe es zu essen", so der "Cyborg".