Digital Life
02.03.2017

Gegen Trolle: Norwegisches Medium prüft Wissen der Poster

NRKbeta, das Tech-Portal des norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, lässt seine Leser Wissensfragen beantworten, bevor sie Kommentare zu einem Thema abgeben dürfen.

NRKbeta testet seit einem Monat ein System, das die Zahl der Hasspostings minimieren soll. Bei einigen Artikeln müssen Leser drei Multiple-Choice-Fragen zum Inhalt der Geschichte beantworten, bevor sie kommentieren dürfen, wie niemanlab.org berichtet. So wird unter einem Artikel über digitale Überwachung etwa gefragt, wofür eine bestimmte im Text verwendete Abkürzung steht. Auf diese Weise will NRKbeta feststellen, ob die Verfasser von Postings begriffen haben, worum es in dem Artikel, zu dem sie sich äußern wollen, überhaupt geht.

Verlangsamung

Zudem soll durch die zusätzlich benötigte Zeit verhindert werden, dass im Affekt drastische Formulierungen verwendet werden. NRKbeta hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Postings gemacht. Die Stammklientel sei zwar zivilisiert, aber bei heiklen Themen nutzten immer wieder Besucher die Kommentarfunktion, die nur trollen wollten, sagt Redakteur Marius Arnesen. So gab es bei einer Geschichte über eine Online-Plattform, die Fotos minderjähriger Mädchen verbreitete, eine Vielzahl persönlicher Angriffe auf die Opfer.

Das Quiz war eine von mehreren vorgeschlagenen Möglichkeiten zur Einschränkung solcher ungewollter Anfeindungen. "Wir versuchen, eine gemeinsame Ebene für eine Diskussion zu schaffen. Wenn man diskutieren will, ist es wichtig zu wissen, worum es überhaupt geht. Sonst lästern die Leute nur ab", sagt Arnesen. Die Fragen, die von den Redakteuren geliefert werden, werden für jeden Nutzer mit Hilfe eines Zufallsgenerators ausgesucht und bereitgestellt. Das System kann durch Tricks einfach umgangen werden, es richtet sich laut Arnesen aber auch nicht an die technisch versierten Stammleser, sondern an Trolle, die nur Ärer machen wollen. Bislang sind die Fragen nur bei einer Handvoll Artikeln zum Einsatz gekommen. Wie erfolgreich es bei der Eindämmung von Hasspostings ist, muss sich also erst noch zeigen.