Digital Life
17.04.2015

Infineon entwickelte Turbo-Pass

Die Grazer Niederlassung von Infineon Technologies hat einen sicheren Chip für elektronische Reisepässe entwickelt, mit dem die Grenzkontrollen beschleunigt werden können.

Sechseinhalb Sekunden pro Person, multipliziert mit 20.000 Passagieren (so viele werden täglich am Flughafen Wien kontrolliert), macht etwas mehr als 36 Stunden. So lang dauerte das Auslesen von Reisepässen, die mit alten Sicherheitschips ausgestattet sind - 6,69 Sekunden dauerte es bis ins Jahr 2010, bis ein Grenzpolizist die Daten auf einen Pass auslesen konnte. Die Chip-Generation, die danach folgte, konnte bereits in 2,76 Sekunden ausgelesen werden, die neue, von Infineon entwickelte Sicherheitschips-Generation mit der Bezeichnung SLE78 zeigt die auf dem Chip gespeicherten Daten bereits nach 1,18 Sekunden auf dem Bildschirm des Grenzpolizisten an. Bei 20.000 Passagieren dauert das Datenaulesen mit der neuesten Chip-Generation statt 36 nur noch etwas mehr als sechseinhalb Stunden.

Der sicherste Reisepass-Chip

Die Grazer Niederlassung von Infineon Technologies hat mit dem SLE78 nicht nur den sichersten Chip für elektronische Reisepässe entwickelt, sondern auch den mit der schnellsten Übertragungsrate (6,8 Mbit/sec) und der höchsten Speicherdichte. „Der SLE78 mit Integrity Guard-Technologie bietet mehr als drei Mal so viel Platz wie bisherige Lösungen“, erklärt Stefan Rohringer, Geschäftsführer der Infineon Technologies Austria AG in Graz. „Auf dem Chip können in Zukunft zum einen persönliche und biometrische Daten sowie elektronischen Visa und Ein- und Ausreisestempeln gespeichert werden.“ Weltweit stellen mittlerweile mehr als 110 Staaten elektronische Reisedokumente aus – mit den jährlich größten Ausgabemengen in den USA und China. In rund der Hälfte aller Pässe und Ausweise weltweit befindet sich ein Infineon Sicherheitscontroller.

Sicher und schnell

Sicherheit ist aber ein Thema, Tempo ein anderes. In Zeiten, in denen der Flugverkehr ständig steigt, sollen Grenzkontrollen trotz steigender Datenmengen für Reisende und Flughafenbetreiber so reibungslos wie möglich abgewickelt werden.

Die österreichischen Reisepässe sind bereits mit dem SLE78 ausgestattet. Ob der Pass schnell oder langsam ausgelesen werden kann, hängt von den Auslesegeräten ab, die an den Grenzen eingesetzt werden. Der Chip made in Austria beschleunigt aber nicht nur die Grenzkontrollen an sich, sondern auch die Produktion der Pässe, weil die Daten auch rascher auf den Chip übertragen werden können. Ziel von Infineon ist der „Turbo-Pass“, der unter einer Sekunde ausgelesen werden kann und den Ablauf an der Grenze beschleunigt.

Vielflieger-Meilen im Pass

„Mittelfristig werden elektronische Reisepässe gemäß dem LDS 2.0 Standard der Internationalen Luftfahrtbehörde ICAO (International Civil Aviation Organization, Anm.) deutlich mehr Daten erfassen als heute üblich“, sagt Rohringer. Unsere Technologie, Solid Flash genannt, macht hohe Speicherdichten (700 KB) auf kleinster Fläche möglich. Neben den persönlichen und biometrischen Daten des Ausweisinhabers kann der SLE78 auch eine größere Anzahl elektronischer Visa, Hunderte elektronische Ein- und Ausreisestempel und sogar Bonuspunkte für Frequent-Traveller-Programme sicher speichern.

Derzeit sind auch noch Lösungen auf Basis der ROM-Technologie verbreitet, hier passen aber nur 144 KB auf den Chip. Da ein Großteil davon bereits für die eigentlichen Passdaten (Nationalität, Ausgabedatum, etc.) genutzt wird, stößt die ROM-Technologie bei den kommenden Generationen von elektronischen Reisepässen an ihre Grenzen. Die Zukunft können Flash-Chips sein.