Der Stromhunger der Zukunft
Zum Ressourcenverbrauch von KI-Chatbots kursieren Zahlen, die teils apokalyptisch klingen. Ob und wie man die Technologie dennoch verantwortungsvoll verwenden kann, diskutierten Sindre Wimberger, Innovationsmanager der Stadt Wien, Ivona Brandic, Professorin für High Performance Computing Systems an der TU Wien und Maria Scholl, Chefredakteurin der Austria Presse Agentur (APA), moderiert von KURIER futurezone Chefredakteur Thomas Prenner, auf dem KURIER SPEAK OUT Festival.
„Ein durchschnittliches Video, das mit generativer KI erzeugt wird, braucht so lange wie ein 3-stündiger Geschirrspülgang. Es wird erwartet, dass Rechenzentren bald 2 oder 3 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen“, bestätigt Brandic den astronomischen Energiebedarf der Technologie.
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Über KI berichten und KI verwenden
Die APA habe den Stromverbrauch der KI dank des hauseigenen Klima-Teams schon sehr früh in ihrer Berichterstattung abgedeckt, sagt Chefredakteurin Scholl. Bei Themen, die solch großen Hype erzeugen, sei es wichtig, den Hype-Cycle aus kritischer Distanz mitzumachen, um die Relevanz aufzuzeigen – immerhin sei die APA auch selbst KI-Anbieter. Die Presseagentur bietet ihren Geschäftskunden z. B. einen Text-Assistenten, der Artikel kürzen oder Social-Media-Postings erzeugen kann.
Maria Scholl, APA-Chefredakteurin
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„Wir wollen KI-Lösungen anbieten, die nicht nur vertrauenswürdig, sondern auch im Ressourcenverbrauch effizient sind“, meint Scholl. Mit einem LKW einen Reißnagel in die Wand zu treiben sei genauso wenig sinnvoll, wie ein sehr mächtiges KI-Werkzeug für schmale redaktionelle Aufgaben zu verwenden.
„Wir haben daher viele kleine Mini-Modelle trainiert. Unser Ansatz ist konkret, mit sehr engen Use Cases“, erklärt die APA-Chefredakteurin.
Gesellschaftliche Auswirkungen im Blick
Sie beschreibt KI als „doppelte Blackbox“. Einerseits sei die Funktionsweise in sich schon intransparent, andererseits fehle großen Teilen der Gesellschaft der Einblick und Verständnis der Technologie.
„Ich glaube, dass die politische Dimension der KI-Entwicklung massiv unterschätzt wird, zum Beispiel der Aufstieg der Oligarchie um diese Firmen in den USA oder der Einfluss großer Monopolisten auf unser aller Informationsverhalten im digitalen Raum“, sagt Scholl.
Kostenwahrheit und sinnvoller Einsatz
„KI ist in ganz vielen Facetten intransparent, beim Stromverbrauch, aber auch bei der Kostenwahrheit“, meint auch Wimberger. Bei der Stadt Wien fragt er als Innovationsmanager, wofür KI sinnvoll eingesetzt werden kann, ohne die menschliche Kontrolle zu verlieren.
Sindre Wimberger, Innovationsmanager der Stadt Wien
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Es gehe darum, abzuwägen, in welchen Fällen es uns wert ist, den Energieverbrauch und die Umweltauswirkungen von KI in Kauf zu nehmen. Wimberger vergleicht es mit der Baubranche, die ebenfalls viele Ressourcen verbrauchen. Weil aber gesellschaftlicher Konsens bestehe, dass man z. B. Straßen bauen wolle, entscheidet man sich dennoch dafür.
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Comeback der Atomkraft?
Um den erwarteten Bedarf zu decken, setzen vor allem US-Betreiber von Rechenzentren auf ein Revival von Atomkraft. „Ich glaube nicht, dass man das aus europäischer Perspektive braucht, weil unsere Stromnetze viel besser ausgebaut sind“, meint Wimberger. Ohnehin gebe es längst KI-Modelle, die auf einem Smartphone laufen können.
In den USA wette man auf die „Superintelligenz“, auf die man sämtliche verfügbaren Ressourcen verwende. „In Europa müssen wir uns fragen: Will man da mithalten oder nicht?“, sagt der Stadt-Wien-Innovationsmanager.
Chatbots sind nur der Anfang
TU-Professorin Brandic erwartet signifikante Effizienzgewinne: „Heute setzen Software-Hersteller die Hardware-Hersteller unter Druck, passgenaue Hardware zu produzieren.“ Was man landläufig unter KI verstehe – nämlich Chatbots – sei nur der Anfang. Der nächste Schritt der KI-Entwicklung betreffe physikalische Prozesse für die Industrie oder molekulare Prozesse in der Medizin.
KURIER-futurezone-Chefredakteur Thomas Prenner und TU-Professorin Ivona Brandic
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„Die Idee ist, dass die Kosten hier irgendwann niedriger sind als der Nutzen, vor allem für Medizin, Forschung und Automatisierung. Aber wir sind noch nicht dort“, sagt die TU-Professorin. Disruption könnte das ändern – so wie das Smartphone den Desktopcomputer abgelöst hat, könnte es Neuerungen in der Bauweise von Rechenzentren geben, die die ganze Branche verändern.
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Allerdings könne es in der Folge zu Rebound-Effekten kommen. Das heißt, je effizienter die Technologie wird, desto stärker wird sie genutzt. Und am Ende werden wieder keine Ressourcen gespart.
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