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Mobilfunk
09/17/2012

Österreich droht Rückstand bei LTE

Der schnelle Übertragungsstandard bleibt bis zur Vergabe neuer Frequenzen teuer und eingeschränkt verfügbar. Die bestehende Infrastruktur wird zwar ausgebaut, die große Hoffnung liegt aber auf dem 800 MHz Frequenzband. Doch dieses wird solange nicht versteigert, bis der Drei-Orange-Deal über die Bühne ist.

von David Kotrba

Die einstige Vorreiterrolle im Mobilfunkbereich hat Österreich  eingebüßt. War man bei der Einführung der mobilen Funktechnologie 3G noch ganz vorne dabei, ist man beim Nachfolger LTE (Long Term Evolution) zum Abwarten gezwungen. Nach jahrelangem harten Konkurrenzkampf ist die Investitionsfreudigkeit stark getrübt. Zusätzlich hemmt die Verzögerung bei der Vergabe neuer Frequenzen die flächendeckende Versorgung mit schnellerem mobilem Breitband. Indes bemüht man sich zumindest, die bereits vorhandene Infrastruktur aufzubessern.

A1 baut aus

So kündigte etwa A1 am Montag den Ausbau seines bestehenden LTE-Netzes an. In den neun Landeshauptstädten und einer handvoll weiterer Ballungsräume werden nun Sendemasten mit neuen Modulen ausgestattet. Bis Jahresende 2012 soll ein Viertel der Bevölkerung Zugang zum LTE-Netz haben – theoretisch.

Praktisch sieht es so aus, dass für den neuen Mobilfunk-Standard momentan nur das Frequenzband 2600 MHz zur Verfügung steht. Das bedeutet relativ kleine Empfangsradien pro Sender und eine recht lückenhafte Netzabdeckungskarte, die noch dazu von der Nutzung im Freien ausgeht. LTE in Innenräumen ist derzeit noch recht unbefriedigend umgesetzt.

Österreichs größter Mobilfunker will das ändern und hat ab sofort einen Huawei-Datenstick im Programm, der Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 150 Mbit pro Sekunde erlaubt. Für 59,90 Euro pro Monat sollen sich dann auch HD-Videos mühelos streamen lassen. Dazu sollen bis Jahresende alleine in Wien 400 Sendemasten mit LTE-Modulen ausgestattet sein. Derzeit sind es 250.Wie sich der Stick im echten Leben bewährt, wird die futurezone in den nächsten Tagen testen.

zeigten große Lücken auf.

Hoffnung auf neue Frequenzen
Eine wirkliche Verbesserung wird aber erst die Freigabe der Frequenzbereiche um 800, 900 und 1800 MHz bringen. Das Vergabeverfahren dafür wurde von der Telekom-Control-Kommission aber aufgrund der Übernahme von Orange durch Drei verschoben. Erst, wenn der Zusammenschluss über die Bühne ist, wird die Auktion wieder ausgeschrieben.

Auf dem 800-MHz-Band ruhen gesamteuropäische Hoffnungen. Die „Digitale Dividende“, also der Frequenzbereich, welcher durch die Abschaltung analoger Rundfunkdienste frei geworden ist, soll ab 2013 zum vereinheitlichten Spektrum für LTE-Mobilfunk werden. Damit sollte man sein LTE-fähiges Gerät auch jederzeit in anderen EU-Ländern nutzen können.

Verwirrung um Kompatibilität
Derzeit drohen Kunden den Überblick zu verlieren, welches  Gerät im eigenen Land  mit den verfügbaren LTE-Frequenzen kompatibel ist. Apples neues

etwa kann derzeit in Österreich nur mit  der langsameren 3G-Technologie genutzt werden. Diese bietet über den HSPA+-Standard immerhin bis zu 42 Mbit pro Sekunde, was für  herkömmliche Web-Dienste absolut ausreicht. Erst nach der Frequenzvergabe 2013 könnte sich die Lage verbessern. Bis dahin heißt es in Österreich: "LTE, bitte warten."

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