Kaan P2, P0 und P1
Türkei zeigt 2 neue Prototypen des Stealth-Fighters Kaan
Vor 2 Jahren hatte die Kaan ihren Erstflug. Um das zu feiern, hat der Hersteller TAI ein neues Video veröffentlicht. Darin sind die 3 bisher gebauten Prototypen des Stealth-Fighters nebeneinander zu sehen: P0, P1 und P2.
Kaan ist türkisch für Großkhan, ein Titel, der in etwa mit Kaiser vergleichbar ist. Inoffiziell wird Kaan auch „Trotz-Flieger“ genannt. Denn die Türkei wollte eigentlich die amerikanische F-35 kaufen, wurde aber Anfang 2020 aus dem F-35-Partnerprogramm ausgeschlossen, weil sie russische S-400 Flugabwehrsysteme kaufte. 6 bereits für die Türkei gebaute F-35, von einer Bestellung von 30 Stück, stehen seitdem in den USA im Hangar.
Die Entwicklung der Kaan wurde aber schon 2010 beschlossen, lange bevor sich abzeichnete, dass die USA sich nicht an den Kaufvertrag für die F-35 halten würden. Am 21. Februar 2024 hatte P0, der erste Prototyp der Kaan, seinen Erstflug.
P1 und P2 noch unlackiert
2025 wurde bekannt, dass TAI an 2 neuen Prototypen arbeitet, P1 und P2. Erstmals waren diese vor wenigen Tagen deutlich zu sehen, als Haluk Görgün, Präsident der SSB, der Organisation, die die türkische Verteidigungsindustrie vertritt, TAI besuchte.
Auch das aktuelle Video, das erst jetzt veröffentlicht wurde, ist im Rahmen des Besuchs entstanden, für den alle 3 Prototypen der Kaan gleichzeitig zu sehen waren. Darin ist P0 flankiert von P2 (links) und P1.
Kaan P2, P0 und P1
© TAI
Beide sind nur mit der Grundierung (Primer) lackiert. Bei P2 fehlen noch einige Elemente, wie Nase, das Seitenruder und die Triebwerke. P1 sieht hingegen schon weit vorangeschritten aus und erlaubt einen guten Vergleich mit P0.
Unterschiede zum ersten Prototyp
So wurden bei P1 die Lufteinlässe für die Triebwerke etwas nach hinten versetzt, relativ zum Cockpit-Glas gesehen. Auf der Nase ist ein IRST-System (infrarotbasiertes Such- und Zielsystem) zu erkennen, unter der Nase ein EOTS (elektrisch-optisches Zielsystem).
EOTS bei Kaan P1
© TAI
Das Mittelsegment des Rumpfs dürfte bei P1, soweit erkennbar, etwas breiter sein als P0. Dies deutet darauf hin, dass mehr Platz für Flugsysteme geschaffen wurde und/oder für eine bessere Kühlung der Triebwerke und/oder ein größerer Treibstofftank.
Kaan P0 (links) und P1
© TAI
Ebenfalls auffällig sind die neuen Querruder. Bei P0 waren diese unterschiedlich groß, bei P1 haben sie die gleiche Größe. Scheinbar stehen die Düsen der 2 Triebwerke bei P1 weiter hervor.
Deutlicher erkennbar sind die Änderungen am Seitenruder. Dieses hat jetzt eine zusätzliche Kante. Dadurch erinnert es mehr an das Seitenruder der amerikanischen F-22, während die Form bei P0 eher der F-35 ähnelte.
F-22 (links) und F-35
© US Air Force
P1 und P2 sollen Mitte des Jahres abheben
Laut Görgün werden die 2 neuen Prototypen für Testflüge eingesetzt werden, während P0 zukünftig für statische Tests am Boden bleiben soll. Die Tests mit P1 und P2 werden laut TAI zwischen April und August 2026 beginnen. Sie sollen weit häufiger und intensiver sein als mit P0. P0 hat bisher nur 2 Flüge absolviert.
Wenn die aktuelle Roadmap eingehalten wird, sollen insgesamt 6 Prototypen gebaut werden. Die nächsten 3 sollen schon dafür vorbereitet sein, das in der Türkei gebaute Triebwerk TF35000 zu nutzen. Die ersten 3 fliegen noch mit dem General Electric F110-GE-129E. Dieses kommt unter anderem bei aktuellen Varianten der US-Kampfjets F-15 und F-16 zum Einsatz.
Die ersten Kaan aus der Serienproduktion könnten ebenso noch mit dem F110 fliegen. Denn laut Zeitplan sollen im Laufe des Jahres 2028 insgesamt 20 Stück an die türkische Luftwaffe übergeben werden, danach sollen jeden Monat 2 weitere folgen. Erst nach 2030 werden laut Görgün die Kaans mit dem TF35000 fliegen.
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