AH-64 Apache feuert die M230 ab
Apache Kampfhubschrauber bekommt neue Munition für seine Kinn-Kanone
Der AH-64 Apache lernt noch neue Tricks auf seine alten Tage. Seinen Erstflug hatte er als Model 77 1975, die Indienststellung erfolgte vor 40 Jahren.
Ursprünglich war er vorgesehen, um russische Panzer in Europa jagen, falls der Kalte Krieg heiß wird. Jetzt schlüpft er immer mehr in seine neue Rolle als Drohnen-Jäger. Ein Upgrade dafür kommt in der Form der XM1225 APEX.
Geschoss explodiert vor der Drohne
Dabei handelt es sich um Munition mit Annäherungszünder. Das heißt, die Geschosse explodieren nicht beim Aufschlag, sondern wenn sie sich einem Objekt nähern. Damit soll es vor allem einfacher werden, schnell fliegende und kleine Drohnen abzuschießen.
XM1225 APEX
© US Army
Die APEX explodiert ca. einen Meter vor der Drohne. Die Explosion schleudert Splitter in einer Trichterform nach vorne, ähnlich wie die Streuung einer Schrotladung. Durch diese gestreuten Splitter steigt die Trefferquote gewaltig.
XM1225 APEX: Test der US Army. Das Bild zeigt, wie das Projektil im Flug explodiert und Splitter gegen das Ziel schleudert.
© US Army
Ein ähnliches Prinzip nutzt sogenannte Air-Burst-Munition, wie etwa die AHEAD von Rheinmetall. Allerdings wird dabei die Entfernung zum Ziel gemessen und die Munition mit diesen Daten beim Abschuss programmiert.
Der Vorteil von Air Burst gegenüber einem Annäherungszünder ist, dass die Munition sicher explodiert. Schießt man mit der APEX aus einem hohen Winkel daneben, fliegt sie weiter Richtung Boden und würde dort kurz vor dem Aufschlag explodieren und womöglich zivile oder verbündete Ziele treffen.
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M230 Chain Gun
Verschossen wird die APEX mit der 30-mm-Kanone, die der AH-64 an der Unterseite montiert hat. Sie heißt M230 Chain Gun, wird aber auch gerne als Chin Cannon (Kinn-Kanone) bezeichnet, weil sie der Apache quasi unter seinem Kinn trägt.
Inspektion einer M230
© US Army
Die Maschinenkanone im Kaliber 30×113 mmB ist schwenkbar. Sie kann bei Bedarf mit dem Helm des Piloten oder Schützen verbunden werden und zielt dann automatisch in die Richtung, in die der Pilot oder Schütze schauen.
Der Apache kann, je nach Konfiguration, bis zu 1.200 Schuss für die M230 laden. Die Feuerrate beträgt bis zu 625 Schuss pro Minute. Weil die M230 aber nur luftgekühlt ist, gibt die Einsatzanweisung eine effektive Feuerrate von 300 Schuss pro Minute vor. Denn um Überhitzungen zu vermeiden, sollten maximal 50 Schuss am Stück, gefolgt von einer 5-sekündigen Pause, abgegeben werden. Nach 6 solcher Salven ist eine Abkühlphase von 10 Minuten vorgesehen.
AH-64 feuert M230 ab
© US Army
Geringe Präzision
Die maximale Reichweite der M230 beträgt 4 km, wobei die effektive Reichweite in Fachliteratur manchmal mit nur 300 Metern angegeben wird. Der Grund dafür ist die Ungenauigkeit der M230. Der Präzisionstest der US Army, den der Hersteller bestehen musste, fand deshalb etwa auf ein 50 x 50 Meter großes Ziel in 3 km Entfernung statt.
Wegen der Eigenstreuung wird die M230 auch als Area Effect Weapon klassifiziert – also um Flächenschaden anzurichten. Für den damals gedachten Zweck war das ausreichend. Der Apache sollte etwa hinter einem Hügel auftauchen, eine russische Fahrzeugkolonne bei einem schnellen Überflug beschießen und wieder verschwinden. Die Standard-Munition M789 explodiert und erzeugt einen Metallpenetrator, der, je nach Distanz, 50 bis 100 mm Panzerstrahl durchschlagen kann.
Das reicht zwar nicht um Kampfpanzer oder Schützenpanzer zu zerstören, kann aber eventuell deren Ketten sprengen. Nicht gepanzerte Fahrzeuge, wie etwa Lkw zum Truppentransport, können mit der M789 problemlos gestoppt werden. Auch gegen größere Infanteriegruppen und Artilleriestellungen kann die M789 effizient genutzt werden – wenn der Apache nah genug dran ist, um sie treffen.
Apache kommt nahe ran
Bei der Drohnenjagd wird die mangelnde Präzision dadurch wettgemacht, dass der Apache ein Hubschrauber ist. Im Gegensatz zu Flugzeugen kann er auch langsam stabil fliegen, ohne einen Strömungsabriss fürchten zu müssen. Und die Höchstgeschwindigkeit von 293 km/h reicht locker, um mit Kamikazedrohnen im Stil einer Shahed-136 mithalten zu können. Die sind üblicherweise mit bis zu 185 km/h unterwegs.
Dadurch kann der Apache auf weniger als 100 Meter an die Drohnen herankommen. Die schwenkbare M230 erleichtert zudem das Anvisieren der Drohnen im Flug. Das hat auch die israelische Armee erkannt, die den AH-64 zur Jagd auf Hisbollah-Drohnen eingesetzt hat.
Billiger als Raketen
Die Vorteile: Die 30-mm-Munition der M230 ist deutlich günstiger als gelenkte Raketen – egal, ob die von Flugzeugen oder vom Boden aus gestartet werden. Eine Shahed-Drohne kommt auf etwa 30.000 US-Dollar. Bei Raketen, die eigentlich zur Abwehr von Flugzeugen und Hubschraubern gedacht sind, beginnen die Stückpreise im 6-stelligen Bereich und können weit über die Millionenmarke gehen.
Die APEX-Munition wird voraussichtlich etwas teurer als die normale M789 sein, aber mit geschätzt unter 500 US-Dollar pro Schuss immer noch weit günstiger als Raketen. Und weil die Trefferquote steigt, sind weniger Schuss damit nötig als mit der M789.
Kein Munitionswechsel möglich
Allerdings kann der Apache nicht Munitionssorten im Flug umschalten. Zwar hat der Hersteller Northrop Grumman 2024 mit der M230LF Dual Feed eine entsprechende Variante der Maschinenkanone vorgestellt. Die ist aber nur für Bodenfahrzeuge gedacht.
M230LF Dual Feed
© Northrop Grumman
Das heißt: Wenn der Apache mit APEX bewaffnet ist, hat er weniger Durchschlagskraft als mit der M789. Gegen Infanterie, ungepanzerte Fahrzeuge und (Kamikaze-)Boote wird APEX dennoch funktionieren, aber eben weniger gut gegen geschützte Stellungen und gepanzerte Fahrzeuge.
Eine mögliche Lösung könnte sein, die Munitionssorten zu mischen, also immer abwechselnd eine M789 und eine APEX laden. Das würde aber potenziell die Effizienz gegen Drohnen einschränken, bzw. den Munitionsverbrauch im Drohnen-Einsatz erhöhen.
Werden Kampfhubschrauber obsolet?
Vermutlich wird die Munitionsmischung nicht stattfinden. Denn Kampfhubschrauber sind heute nur noch auf Schlachtfeldern relevant, in denen zahlenmäßige und rüstungstechnologische Oberhand herrscht. Für die Bekämpfung der Taliban in Afghanistan hat der Apache etwa Sinn gemacht.
Aber der Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine hat gezeigt, wie gefährdet die Hubschrauber im Kampf gegen reguläre Kräfte sind.
Ukrainische Soldaten haben nicht nur etliche russische Hubschrauber mit schultergestützten Raketenwerfern (Manpads) abgeschossen, sondern sogar ein paar mit Kamikazedrohnen.
Ein Apache mit APEX wird also voraussichtlich in einer rein defensiven Rolle genutzt werden, um über sicherem Gebiet Drohnen abzuschießen. Da ist keine reguläre Bewaffnung mit der M789 nötig, weil dort nicht zufällig plötzlich ein russischer Convoy ums Eck biegen wird, der beschossen werden muss.
APKWS: Billige lasergelenkte Raketen
Schon vor APEX wurde der Apache in der jüngeren Vergangenheit zum Drohnen-Jäger getrimmt. 2025 hat die US Army begonnen eine modifizierte Variante der AGM-114 Hellfire gegen Drohnen einzusetzen. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Luft-Boden-Rakete. Mit einem Radarsuchkopf kann sie auch gegen langsam fliegende Drohnen genutzt werden. Der Stückpreis liegt bei über 150.000 US-Dollar.
Der Apache kann außerdem APKWS nutzen. Dabei handelt es sich um ein Upgrade der normalerweise ungelenkten Rakete Hydra 70. Mit APKWS erhalten sie einen Lasersuchkopf und eine Steuereinheit.
Grafische Darstellung von APKWS II. Oben die reguläre Hydra 70. Die WGU-59/B Guidance Unit wird zwischen Gefechtskopf und Raketenmotor eingefügt
© Vslv/Wikimedia Commons
Das System wird schon erfolgreich zur Drohnenjagd von den Kampfjets F-15 und F-16 genutzt. Die Ukraine hat es als bodengestützte Version bekommen, in der Form von Vampire.
➤ Mehr lesen: F-16 setzt erstmals billige lasergelenkte Raketen im Luftkampf ein
Die Reichweite von APKWS ist mit 5 km (vom Hubschrauber gestartet) zwar eher gering für eine Lenkrakete, dafür ist sie aber mit etwa 30.000 US-Dollar (22.000 US-Dollar im Jahr 2018 ohne Inflationsanpassung) besonders günstig. Hat man bereits Hydra-70-Raketen im Lager, reicht es den APKWS-Aufrüstsatz um etwa 20.000 US-Dollar (15.000 US-Dollar 2018) zu kaufen.
Neue Köpfe für APKWS
Der Lasersuchkopf ist zwar billig, aber nicht perfekt. Selbst auf langsame Zieldrohnen konnte der Apache bei einer großen US-Army-Übung im Vorjahr nur 3 der 4 Zieldrohnen treffen. Um die Trefferquote zu erhöhen, wird ein Annäherungszünder für APKWS entwickelt.
Ebenfalls in Arbeit ist ein Dual-Suchkopf für APKWS. Das Ziel muss nur beim Start der Rakete mit dem Laser markiert werden, danach übernimmt der Infrarot-Suchkopf. Dadurch wird eine schnellere Schussfolge möglich, weil die Drohne nicht bis zum Einschlag mit dem Laser des Flugzeugs oder Hubschraubers markiert werden muss. Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Drohnen, etwa in einer Schwarmformation, abgefangen werden sollen.
Der Dual-Suchkopf soll Ende 2026 zur Verfügung stehen, der Preis ist noch nicht bekannt. Eine APKWS dürfte aber selbst damit weit günstiger bleiben als eine übliche Lenkrakete.
Ab wann der AH-64 mit der XM1225 APEX in den Einsatz geht, ist ebenso noch nicht bekannt. Da die Tests bereits am Laufen sind und die US Army offen darüber berichtet, dürfte es nicht mehr allzu langen dauern, bis die XM1225 den experimentellen verliert und zur M1225 wird. Dies könnte schon in den nächsten Monaten der Fall sein.
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