Chinesisches U-Boot der Yuan-Klasse fährt an der Wasseroberfläche durch das Meer.

U-Boot der Yuan-Klasse

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Militärtechnik

China ist das erste Land mit Hyperschallraketen auf Diesel-U-Booten

Chinas U-Boot-Flotte ist um eine schlagkräftige Waffe reicher. Chinesische Staatsmedien zufolge wurde die YJ-19 für den Einsatz auf den U-Booten des Typ 039B zugelassen, berichtet Navalnews.

Damit ist China das erste Land der Welt, das Hyperschallraketen auf U-Booten mit konventionellem Antrieb nutzt. Typ 039B gehört zur Yuan-Klasse. Die Yuan-Klasse sind diesel-elektrische U-Boote mit außenluftunabhängiger Antriebsanlage (AIP). AIP ermöglicht längere Tauchfahrten, weil damit unter Wasser, ohne Schnorchel, die Dieselmotoren zum Aufladen der Akkus für den Elektroantrieb genutzt werden können.

Antischiffsrakete YJ-19

Die YJ-19 ist relativ neu in Chinas Arsenal. Die Antischiffsrakete wurde erstmals im September 2025 bei einer Militärparade in Peking der Öffentlichkeit präsentiert. Offizielle Leistungsdaten dazu gibt es nicht. Chinesische Medien sprechen von einer Hyperschallrakete, mit einer Geschwindigkeit bis zu Mach 8 (9.878 km/h) im Endanflug auf das Ziel.

Mehrere Militärfahrzeuge mit Raketen und ein Soldat in Uniform stehen vor einem großen Gebäude.

YJ-19

Einige internationale Experten zweifeln daran. Sie sagen, dass die YJ-19 zwar technische Merkmale aufweist, wie die Lufteinlassöffnung an der Vorderseite unter dem Gefechtskopf für den Scramjet-Antrieb, die eine theoretische Geschwindigkeit von bis zu Mach 10 (12.348 km/h) ermöglichen könnten. Allerdings würden andere Bauteile suggerieren, dass ein stabiler Flug nur mit Nahe-Hyperschallgeschwindigkeit möglich ist – also die Mach-5-Grenze (6.174 km/h) nicht überschritten wird.

Militärfahrzeug mit mehreren großen Raketen, auf denen YJ-19 steht, und ein Soldat in Uniform im Vordergrund.

YJ-19

Vorbild 3M22 Zirkon

Die vermuteten Leistungsdaten und auch das Aussehen der YJ-19 erinnern an Russlands 3M22 Zirkon. Diese Hyperschallrakete wurde 2023 bei der russischen Marine in Dienst gestellt. Genau wie die YJ-19 ist sie als Hyperschall-Marschflugkörper klassifiziert. Die Zirkon ist zwar auch als Antischiffsrakete gedacht, wird von Russland aber derzeit gegen Landziele in der Ukraine verwendet.

Die Zirkon hat mehrere Flugmodi. Im Tiefflug knapp über dem Meer, um Schiffe anzugreifen, beträgt die geschätzte Reichweite bis zu 500 km. Durch eine semi-ballistische Flugbahn sollen Ziele in einer Entfernung bis zu 1.000 km getroffen werden können. Dieser Modus ist u.a. gegen stationäre Landziele vorgesehen.

Die Maximalgeschwindigkeit soll bei Mach 8 liegen. Der Gefechtskopf wird auf 300 bis 400 kg geschätzt. Das würde knapp unterhalb der amerikanischen AGM-158C LRSAM (453,6 kg) liegen. Die setzt zum Selbstschutz nicht auf eine hohe Geschwindigkeit, sondern Tarnung. Die bisherigen Varianten der LRSAM fliegen nur mit Unterschallgeschwindigkeit, haben aber Stealth-Eigenschaften.

Aus dem Torpedorohr gestartet

Der große Vorteil der YJ-19 gegenüber der Zirkon: Sie ist kleiner. Die YJ-19 kann dadurch aus den Torpedorohren von U-Booten gestartet werden, während die Zirkon aus vertikalen Startrohren (VLS) abgefeuert wird. Russland nutzt die Zirkon aktuell nur auf Atom-U-Booten und Schiffen mit VLS.

Die Yuan-Klasse ist mit einer Verdrängung von 3.600 Tonnen (getaucht) und 80 Metern Länge weit kleiner als ein Atom-U-Boot und hat kein VLS. Sie war von Anfang an als Schiffsjäger konzipiert, um auch in flachen Gewässern operieren zu können, wie etwa der Meerenge zwischen China und Taiwan. VLS wurde hingegen traditionell bei U-Booten meist genutzt, um ballistische Raketen (konventionell und nuklear) oder weitreichende Marschflugkörper gegen Landziele einzusetzen.

Zum Abfeuern von Waffen hat die Yuan-Klasse 6 Torpedorohre. Schon vor der YJ-19 waren diese nicht nur für Torpedos gedacht, sondern auch für die YJ-18. Diese Antischiffsrakete ist das Vorgängermodell der YJ-19 und fliegt um Sprit zu sparen mit Unterschallgeschwindigkeit. Sie erreicht erst im Endanflug auf das Ziel bis zu Mach 3 (3.704 km/h). Zur Reichweite und Schlagkraft gibt es nur Schätzungen und keine offiziellen Angaben. Diese liegen bei 220 bis 500 km und einem Gefechtskopf mit 140 bis 300 kg.

Wirklich ein Flugzeugträger-Killer?

Da die YJ-19 schneller unterwegs ist, braucht sie für eine ähnliche Reichweite mehr Treibstoff, was auf Kosten der Sprengladung gehen könnte. Vermutet wird, dass der Gefechtskopf eher im Bereich der 140 bis 200 kg sein wird, statt bei 300 kg.

Das wirft die Frage auf: Warum wird die YJ-19 als Flugzeugträger-Killer bezeichnet? Die derzeit aktiven Flugzeugträger der USA, Nimitz- und Gerald-R.-Ford-Klasse, haben eine Verdrängung von über 100.000 Tonnen. 200 kg Sprengstoff wurden die Kolosse eher unbeeindruckt lassen. Mit Flugzeugträger-Killer ist aber nicht gemeint, dass eine YJ-19 die USS Gerald R. Ford sofort versenken würde, sondern sie überhaupt mal trifft.

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Dazu muss nämlich erst der Verteidigungsschirm durchbrochen werden. Das sind üblicherweise 4 Zerstörer, deren Hauptaufgabe ist, den Flugzeugträger vor Raketen und Drohnen zu schützen. Dazu nutzen sie etwa die Luftabwehrrakete SM-6, die bis zu 240 km Reichweite hat und bis zu Mach 3,5 (4.321 km/h) fliegt.


Die USS Gerald R. Ford hat außerdem noch eigene Verteidigungsmittel gegen Antischiffsraketen: RIM-162- und RIM-116-Raketen und 3 Phalanx CIWS als letzte Verteidigungslinie.

Geschwindigkeit als Trumpf

Wird die YJ-19 unbemerkt von einem U-Boot gestartet, sinkt die Reaktionszeit für Verteidigungsmanöver. Fliegt sie mit mindestens Mach 5, legt sie 1,7 km pro Sekunde zurück. Das sind 100 km in 58 Sekunden, was ebenso die Zeit um Ergreifen von Verteidigungsmaßnahmen einschränkt.

Der Endanflug mit Mach 8, also z.B. für die letzten 10 km zum Ziel, würde nur 3,64 Sekunden dauern. Die Abwehrsysteme müssen in dieser kurzen Zeit nicht nur schaffen, die YJ-19 korrekt zu erfassen, sondern auch sie zu treffen. Da die Systeme nicht in einer Zeit entwickelt wurden, in der es Hyperschallraketen gegeben hat, könnte es durchaus sein, dass die YJ-19 sie durch ihre schiere Geschwindigkeit aushebeln kann.

Chinesisches diesel-elektrisches U-Boot der Yuan-Klasse fährt an der Wasseroberfläche.

Yuan-Klasse

Glückstreffer nicht ausgeschlossen

Wie viel Schaden ein Treffer mit einer YJ-19 auf einem US-Flugzeugträger anrichtet, hängt von vielen Faktoren ab. Theoretisch könnte eine gut platzierte Rakete reichen, um einen technischen Kill zu erzielen – also ihn nicht zu versenken, aber seine Funktion stark einzuschränken. Das könnte etwa ein Treffer direkt auf der Brücke sein oder am Heck so knapp über der Wasseroberfläche, dass beide Ruder beschädigt werden und deshalb das Manövrieren nicht mehr möglich ist.

Genauso theoretisch ist ein Lucky Shot möglich, der Munitions- oder Treibstoffvorräte an Bord zündet und eine Kettenreaktion erzeugt. Die könnte ein riesiges Loch in den Rumpf reißen oder ein Feuer ausbrechen lassen, das nicht unter Kontrolle gebracht werden kann. Moderne Flugzeugträger sind allerdings genau gegen solche Fälle geschützt, was die Chance eines Lucky Shots senkt.

Flugzeugträger mit zahlreichen Kampfflugzeugen auf dem offenen Meer bei Tageslicht.

USS Gerald R. Ford

Im Kalten Krieg ging Russland noch davon aus, dass mindestens 12 Treffer mit Antischiffsraketen nötig sind, um einen US-Flugzeugträger tatsächlich zu versenken. Aktuell rechnet Russland eher mit 20+. Im Falle der YJ-19 bräuchte es also gleich mehrere Yuan-Klasse-U-Boote, die mehrere Salven auf den Flugzeugträger abfeuern würden.

Yuan-Klasse wird leiser

Auf die leichte Schulter nehmen sollte die US Navy die YJ-19 aber dennoch nicht. China könnte damit etwa die Zerstörer anvisieren und so den Verteidigungsring sprengen, um den Flugzeugträger danach mit anderen Waffen anzugreifen.

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Derzeit soll China 13 U-Boote des Typ 039B im Einsatz haben. Ob auch die älteren Varianten Typ 039A die YJ-19 bekommen werden, ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich ist, dass die U-Boote des kommenden Typ 039C die neue Antischiffsrakete erhalten. 3 Stück Typ 039C sind derzeit im Bau, mindestens eines davon wurde schon bei Testfahrten gesichtet. Typ 039C soll leiser als Typ 039B und dadurch schwieriger mit dem Sonar aufzuspüren sein.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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