Vier Soldaten in Tarnuniformen inspizieren ein Propellerflugzeug auf einem verschneiten Flugplatz.

U-28A Draco

© US Air Force
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U-28A Draco: Das steckt hinter den abgefangenen US-Flugzeugen über Österreich

Gleich 2-mal steigen Eurofighter Typhoon des Bundesheeres zu einem Alarmstart auf. Am Sonntag und Montag drangen Flugzeuge der US Air Force in den österreichischen Luftraum ein.

Während einige Medien in ihren Titeln aus den Flugzeugen „US-Jets“ machten, sprach das Bundesheer in beiden Fällen von 2 „PC12“. Hinter dieser zivilen Propellermaschine steckt aber eine weit interessantere Maschine: die U-28A Draco.

Ein graues U-28A Draco Aufklärungsflugzeug steht auf dem Rollfeld eines Flughafens.

U-28A Draco

Flugzeug für Spezialmissionen

Die Pilatus PC-12 ist eine zivile Schweizer Propellermaschine, die ihren Erstflug 1991 hatte. Sie kann als Mehrzweckflugzeug universell genutzt werden. So gibt es etwa Varianten als Business-Flieger, für Krankentransporte, Fracht oder einfach nur als kleine Passagiermaschine.

Bei der US Air Force hat sie einen anderen Zweck. Als U-28A Draco gehört sie zum Air Force Special Operations Command, das Spezialeinsätze durchführt und Spezialkräfte der anderen Truppengattungen der USA unterstützt.

Das U im Namen gibt bereits einen Hinweis, wofür sie genutzt wird. Diese Bezeichnung tragen Air-Force-Flugzeuge, die für Aufklärung, Überwachung und Spionage genutzt werden. Das U steht eigentlich für „Utility“, was auf eine Mehrzwecknutzung hindeuten würde. Diese Bezeichnung wurde im Kalten Krieg bewusst für die U-2 gewählt, um die Sowjetunion über den tatsächlichen Zweck des Spionageflugzeugs zu täuschen.

Kameras und Sensoren

Da die U-28A Draco für Spezialeinsätze genutzt wird, sind die offiziellen Infos dazu spärlich. Die Air Force sagt etwa nur, dass die Draco mit „verschiedenen Systemen ausgestattet ist“. Von früheren Informationen weiß man, dass sie mehrere Sensoren an Bord hat, inklusive einem optisch-elektronischen Überwachungssystem (Kamera und Infrarot), sowie SIGINT-Geräte, zum Aufspüren und Abfangen von Funksignalen und elektronischer Kommunikation.

Ein graues Flugzeug U-28A Draco steht am Rollfeld

U-28A Draco

Die Draco wurde, seit ihrer Indienststellung im Jahr 2006, mit weiteren Konfigurationen genutzt. So gibt es etwa U-28As, die mittels SIGINT die Quelle der Funksignale am Boden lokalisieren können und damit die Stellung des Feindes. Es gab auch Berichte, wonach es Dracos mit SAR (Synthetic Aperture Radar) gibt, um das Gelände bei nahezu allen Witterungsbedingungen zu kartografieren. Das ist etwa für Spezialkräfte am Boden wichtig. Ein möglichst genaues Abbild der Umgebung ermöglicht eine bessere Einsatzplanung und SAR-Aufnahmen können mehr Details und mögliche Gefahren zeigen, die auf einem Luft- oder Satellitenfoto nicht erkennbar sind.

Anhand von Budgetplänen des Pentagons ist noch bekannt, dass die Draco ab 2017 zur Variante EQ+ aufgerüstet wurde. Das Upgrade-Paket enthält u.a. eine bessere Kamera und Infrarotsensoren, damit die U-28A bei ihren Missionen höher bzw. in größerer Entfernung zum Ziel fliegen kann. Das reduziert die Gefahr entdeckt bzw. beschossen zu werden.

Einsätze auf der ganzen Welt

Im Gegensatz zur U-2 fliegt die Draco aber immer noch vergleichsweise tief. Sie ist deshalb primär für Einsätze vorgesehen, bei denen nicht mit feindlichen Flugzeugen oder mit moderner Luftabwehr am Boden zu rechnen ist. Daher ist sie für Einsätze zur Terrorismus- und Aufstandsbekämpfung klassifiziert.

Angeschafft wurde sie damals für die US-Operationen in Afghanistan und Irak und wurde dort auch ab 2006 eingesetzt. Danach gab es Einsätze rund um die Welt, inklusive in Afrika, bei der arabischen Halbinsel, in Großbritannien und in den Philippinen. Laut der Air Force sind derzeit 28 Dracos aktiv. Die genaue Flottengröße ist nicht bekannt, Schätzungen zufolge könnten es 40 Maschinen sein.

Ein Vorteil der Draco gegenüber größeren Aufklärungsflügeln ist, dass die zugrundeliegende PC-12 als sehr robust gilt. Die Draco kann deshalb auch auf ungepflasterten Pisten starten und landen und so von vorgeschobenen Stützpunkten aus operieren. Aus ähnlichen Gründen wurde bei der Air Force die bewaffnete OA-1K Skyraider II für Spezialoperationen und die Terrorismus- und Aufstandsbekämpfung angeschafft. 

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Warum war die U-28A Draco über Österreich?

Heißt das, die US Air Force vermutet Terroristen in den Alpen oder plant einen Delta-Force-Einsatz in Hallstatt? Das ist unwahrscheinlich. Vermutlich handelt es sich lediglich um einen Überflug Richtung Süden.

Wollen US-Maschinen von Deutschland zu den Air-Force-Flughäfen in Italien oder Griechenland, bietet sich die Abkürzung über Österreich an. Ansonsten müsste man einen größeren Umweg über den NATO-Luftraum von Frankreich machen oder bei der Schweiz um Durchfluggenehmigungen ansuchen.

Graues Propellerflugzeug setzt zur Landung an

U-28A Draco

Letzteres ist in den vergangenen Tagen ungewöhnlich oft passiert. Laut Schweizer Medien gab es alleine in den 3 Tagen rund um das Wochenende 9 angemeldete und genehmigte Überflüge der US Air Force über der Schweiz.

Warum die 2 Dracos am Sonntag ohne Genehmigung über Österreich geflogen sind, ist nicht bekannt. Womöglich hatten sie eine schwerere Konfiguration als üblich und wollten deshalb die kürzeste Route fliegen, um Treibstoff zu sparen oder eine Gewitterzone in der Schweiz umfliegen, die für die einmotorigen Propellermaschinen zum Problem hätte werden können. Nachdem die österreichischen Eurofighter Kontakt hergestellt hatten, sind sie zurück nach Deutschland geflogen.

Warum am Montag dasselbe nochmal passiert ist, ist noch nicht bekannt. Das Bundesheer spricht von einem Alarmstart der Eurofighter zur Identifizierung. Das heißt: Der Flug war womöglich angemeldet und die Eurofighter sind aufgestiegen, um zu kontrollieren, ob hier wirklich die angemeldeten Dracos geflogen sind. Die US-Piloten haben die Eurofighter-Begegnung im Bereich des Toten Gebirges womöglich missverstanden und wieder Richtung München abgedreht, obwohl sie vielleicht weiterfliegen hätten können.

Stealth-Kampfflugzeug über Österreich

Dass angemeldete Militärflüge identifiziert werden, ist eine übliche Vorgehensweise – zurecht. So haben die USA etwa 2002 versucht, 2 F-117A durch den österreichischen Luftraum zu „schmuggeln“.

Dazu wurde die Genehmigung für ein KC-10A Tankflugzeug eingeholt. Da das für gewöhnlich unbewaffnet ist, wird hier die Erlaubnis einfacher bzw. schneller erteilt. In dichter Formation mit der KC-10 flogen die nicht angemeldeten taktischen Stealth-Bomber – wohl im Gedanken, dass wegen ihrer Tarnkappeneigenschaften nur die KC-10A auf dem Radar der Luftraumüberwachung auftauchen wird.

Ein Tankflugzeug fliegt über verschneite Berge

Eine KC-10A über Afghanistan

Weil es Unregelmäßigkeiten im Flugplan gab, stiegen die Draken des Bundesheers auf, die schließlich die beiden F-117A entdeckten. Der damalige Verteidigungsminister Herbert Scheibner präsentierte ein Foto der Schmuggelaktion im Parlament.

Ein Mann hält ein Foto hoch, das ein Tankflugzeug und zwei Stealth-Jets zeigt

Herbert Scheibner zeigt ein Foto der "Schmuggelware".

Dracos vermutlich unterwegs in den Iran

Die F-117A waren damals vermutlich zu einem Air-Force-Stützpunkt unterwegs, um später von dort aus gegen den Irak eingesetzt zu werden. Die jetzt 2-mal abgefangenen Dracos könnten verlegt worden sein, um in oder rund um den Iran eingesetzt zu werden. Möglich wären etwa Überwachungsmissionen im Bereich der Straße von Hormus, um kleinere Boote des Irans oder Stellungen an der Küste aufzuspüren.

Ein U-28A Draco Flugzeug fliegt über ein Schnellboot auf offenem Meer.

Eine Draco bei einer Übung im Golf von Mexiko

Analysten mutmaßen zudem, dass die USA den Bodeneinsatz von Spezialkräften planen. In diesem Zusammenhang werden etwa iranische Inseln im Persischen Golf als mögliche Ziele genannt. Mit einer Eroberung der Insel Charg, die essenziell für die iranische Ölwirtschaft ist, könnte etwa der Iran gezwungen werden, die Bedingungen der USA zur Beendigung der Kriegshandlungen zu akzeptieren.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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