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Killerspiele-Debatte
04/27/2012

Umstritten: Computerspielpreis für Crysis 2

Der Ego-Shooter „Crysis 2“ ist mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet worden. Der Titel des Frankfurter Entwicklers Crytek habe „technologisch, qualitativ und ökonomisch weltweit Publikum und Fachwelt überzeugt und begeistert“, begründete die Jury ihre Wahl für das beste deutsche Spiel. Die Unionsparteien CDU/CSU kritisierten die Entscheidung heftig.

„Sogenannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind“, erklärte der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, im Namen der Unionsfraktion. Der Politiker brachte auch eine Neubesetzung der Jury für die Vergabe der Computerspielpreise ins Gespräch. Er warf dem Gremium vor, den kulturell-pädagogischen Gehalt aus Artikel 1 des Grundgesetzes - „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ - zu ignorieren.

EA reagiert auf Kritik
Der Spieleanbieter Electronics Arts, der

vertreibt, wies Börnsens Kritik zurück. Beim Computerspielpreis gelte es, unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen - neben dem pädagogischen Wert auch die Unterhaltung, erklärte Sprecher Martin Lorber der Nachrichtenagentur dpa. „Genau wie bei Buch, Film oder anderen Medien setzen Spiele-Entwickler unterschiedliche Stilmittel ein, um bei den Spielern eine Emotion zu erzeugen.“ Das könnten auch Gewalt und Aggression sein. Beim Branchenverband BIU, der mit über die Vergabe entscheidet, hieß es, die unabhängige Jury werde durch die Kritik aus der Union beschädigt.

Unverständnis erntete der Vorwurf auch bei SPD, FDP und den Grünen. Der Vorsitzende des Unterausschusses Neue Medien, Sebastian Blumenthal (FDP), meinte: „Es ist nicht hilfreich, wenn die Politik in diesem Zusammenhang in eine undifferenzierte Killerspiel-Rhetorik verfällt - da waren wir schon mal weiter.“ In der SPD-Bundestagsfraktion erklärte der Sprecher der Arbeitsgruppe Kultur und Medien, Siegmund Ehrmann, allein die Verwendung des Begriffs „Killerspiel“ wecke Zweifel, ob die Union ein Interesse an einer sachlichen und differenzierten Debatte habe.

"Computerspiele sind ein kulturelles Gut"
Für die Grünen erklärten Malte Spitz und Tabea Rößner als Sprecher für Netz- und Medienpolitik: „Computerspiele sind grundsätzlich ein kulturelles Gut, damit genießen sie sowohl Kunstfreiheit wie auch die Freiheit, nicht gefallen zu müssen.“ Sie warfen Börnsen vor, in „alte Schützengräben“ zurückzufallen. Zurechtgewiesen wurde Börnsen auch aus den eigenen Reihen. Der kürzlich von mehreren Unionsabgeordneten gegründete Verein Cnetz hielt dem Kollegen entgegen, er habe sich offenbar gar nicht selbst mit dem Spiel beschäftigt. Allein seine Sprachwahl zeige „von einer groben Unkenntnis in der Sache“.

Den Deutschen Computerspielpreis tragen die Branchenverbände BIU und GAME gemeinsam mit dem Kulturstaatsminister. Er soll die Entwicklung „innovativer, kulturell und pädagogisch wertvoller Computer- und Videospiele“ fördern. Die Preisträger bestimmt eine unabhängige Jury. Nach dem Streit um das nur für Erwachsene freigegebene „Crysis 2“ kündigte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Donnerstagabend Beratungen im Kulturausschuss des Bundestags über eine Neufassung der Vergabekriterien an. Entwickler Crytek erhält 50 000 Euro Preisgeld.

Weitere Preisträger
Zu den weiteren Preisträgern zählen das Adventure „Harveys neue Augen“ vom Hamburger Entwickler Daedalic Entertainment (bestes Jugendspiel), das Kinderspiel „The Great Jitters: Pudding Panic“ vom Berliner Anbieter kunst-stoff und der für iPhone und iPad entwickelte Titel „Das verrückte Labyrinth HD“ von Ravensburger Digital. Bei den Serious Games - Spielen mit Informations- und Bildungshintergrund - setzte sich die Kunsthalle Bremen mit der Anwendung „Vom fehlenden Fisch - Die geheimnisvolle Welt der Gemälde“ durch.

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