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11.12.2015

Xbox One Elite Controller: Modular, präzise und teuer

Microsofts Elite Controller für Xbox One und PC ist gut gebaut und hat sinnvolle modulare Elemente. Mit 150 Euro ist er aber kein Schnäppchen.

Als Microsoft auf der Spielemesse E3 im Juni den Xbox One Elite Controller vorgestellt hat, überschattete der Preis die Features: 150 Euro. Eine neue Xbox One kostet derzeit 329 Euro, ein Standard-Controller 50 Euro. Die futurezone hat getestet, ob und für wen die Investition Sinn macht.

Galerie: Xbox One Elite Controller

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Schwerer und gummiert

Die Form und Größe des Elite Controllers ist ident mit der des normalen Xbox One Controllers. Allerdings ist er deutlich schwerer. Mit Batterien und allen vier Pedalen wiegt er 357 Gramm, der reguläre Controller wiegt 280 Gramm. Ohne Pedale ist der Elite Controller um 15 Gramm leichter. Das zusätzliche Gewicht ist beim Spielen nicht störend, da der Schwerpunkt mittig und nicht kopflastig ist.

Die Oberseite des Controllers ist ein mattes Dunkelgrau und gummiert. Das fühlt sich nicht nur hochwertig an, sondern verringert auch ein mögliches Rutschen. Die Rückseite und Seiten der der zwei Griffe sind gummiert und strukturiert, was die Griffigkeit noch weiter verbessert. Gamer mit schwitzenden Händen werden dankbar dafür sein.

Der obere Teil des Controllers ist im Metallic-Look gehalten. Die Schulter- und Trigger-Tasten sind zwar nicht aus Aluminium, das Plastik fühlt sich aber nicht billig an. Die Verbindungstaste an der Oberseite und die Trigger-Umschalter an der Rückseite sind Giftgrün, was ein netter optischer Akzent ist. Auch das mitgelieferte USB-Kabel (2,5 Meter) hat grüne Akzente. Sehr positiv: Das Kabel ist geflochten, wie es bei hochwertiger Gaming-Peripherie üblich ist. Ein Akkupack ist im Lieferumfang nicht enthalten, es passen aber die Akkus des normalen Xbox-One-Controllers.

An der Unterseite befindet sich ein 3,5mm-Klinkenstecker für Kopfhörer und Headsets. Der proprietäre Xbox-One-Kopfhörer-Anschluss ist auch vorhanden.

Sticks und Tasten

Nahezu alle Bedienelemente des Elite Controllers wurden überarbeitet. Die Analog-Sticks haben weniger Spielraum im Controller-Gehäuse, wackeln dadurch weniger und fühlen sich präziser und gleichmäßiger an. Das Plastik-Knarren der Analog-Sticks, wie man es vom normalen Controller kennt, ist beim Elite Controller nicht zu hören. Das Drücken der Sticks (L3 und R3) ist ebenfalls knarrfrei, allerdings hätte der Widerstand etwas geringer sein können.

Die Tasten A, B, X und Y sind nahezu ident mit denen des normalen Controllers. Sie sind einen Hauch leichtgängiger und Schwarz, statt wie bisher Rot, Gelb, Blau und Grün. Die Schultertasten sind merklich besser und viel direkter als beim normalen Controller. Die Triggertasten sind etwas leichtgängiger.

Beim Steuerkreuz hätte Microsoft noch nachbessern können. Das Klicken ist zwar lauter, es wackelt aber immer noch im Gehäuse in alle Richtungen. Verglichen damit, wie hochwertig der restliche Controller wirkt, passt das Wackel-Kreuz nicht ins Elite-Bild.

Modular

Der Elite Controller wird mit drei Paaren Analog-Sticks, zwei Steuerkreuzen und zwei Paaren Pedalen geliefert. Alle Komponenten werden magnetisch in Position gehalten und sind jederzeit ohne Werkzeug austauschbar. Die Magnete fixieren die Elemente fest genug, damit beim Spielen nicht plötzlich ein Analog-Stick durchs Wohnzimmer fliegt. Lediglich die langen Pedale könnten sich lösen, wenn ein Rage-Gamer den Controller aus Frust auf die Couch pfeffert.

Die flachen Analog-Sticks entsprechen denen des normalen Controllers. Die mittelhohen sind nach außen gewölbt, wie man es vom PS3-Controller kennt. Für Shooter und längere Sessions mit schnellen Richtungswechseln und viel L3-Drücken sind diese nicht geeignet, da die Finger zu schmerzen beginnen. Bei Rennspielen ermöglichen sie aber eine präzise Steuerung.

Die hohen Sticks eignen sich etwa für das Zielen bei Shootern. Natürlich kann man, je nach Geschmack und Präferenz, die Sticks mischen. Bei Forza 6 wurde im Test links ein mittelhoher und rechts ein flacher Stick genutzt, bei Halo 5 links ein flacher und rechts ein hoher.

Pedale

Die Pedale sind aus Metall und paarweise in zwei Größen vorhanden. Will man alle vier Pedale verwenden, werden die längeren Zwei an der Rückseite unten und die kürzeren Zwei oben eingesetzt. So hat man vier Tasten, die erreicht werden können, ohne, dass die Daumen von den Analog-Sticks gehoben werden müssen.

Die Mittel- und Ringfinger der rechten und linken Hand liegen auf den Pedalen auf. Sie sind sehr leichtgängig, weshalb man in der Eingewöhnungsphase schon mal unabsichtlich beide Pedale einer Seite drückt, anstatt nur das untere. Man gewöhnt sich jedoch recht schnell daran. Wer gar nicht damit zurecht kommt, muss die Pedale nicht verwenden oder montiert zB. nur zwei Pedale oder überhaupt nur eines.

Die Pedale haben etwas Spiel nach oben und unten. Bei den kurzen fällt dies weniger auf als bei den langen Pedalen. Das Wackeln beeinträchtigt zwar nicht die Funktion, allerdings fragt man sich unbewusst, warum bei einem 150 Euro teuren Controller ständig etwas wackelt.

Steuerkreuz und Trigger

Neben dem klassischen Steuerkreuz ist eines mit einer Wannenform dabei. Damit sollen vor allem Beat em Ups besser spielbar sein. Die Wanne funktioniert auch für die meisten Games anderer Genres gut und fühlt sich besser und präziser als das normale Steuerkreuz an. Aber auch das ist Geschmackssache.

An der Rückseite des Controllers befinden sich die zwei Umschalter für den linken und rechten Trigger. Damit kann der Weg der Trigger-Tasten mechanisch blockiert werden. Sie lassen sich so nicht mehr ganz so weit drücken. Bei Shootern soll dies eine schnellere Feuerrate mit halbautomatischen Waffen ermöglichen. Das trifft mit etwas Übung tatsächlich zu. Der Umschalter blockiert den Weg immer gleich, der User kann nicht frei bestimmen, wie weit die Trigger maximal hineingedrückt werden können.

Software

Über die „Xbox One Zubehör“-App kann der Elite Controller konfiguriert werden. Makros können nicht programmiert werden. Dafür ist es möglich jede Taste umzubelegen, die Pedale zu belegen, die Helligkeit des beleuchteten Xbox-Buttons einzustellen, die Y-Achse für die Sticks umzudrehen, die Schulter- und Trigger-Tasten permanent zu tauschen und die Vibrationsintensität für den linken und rechten Trigger sowie den linken und rechten Griff einzustellen.

Für die Sticks kann eines von fünf Empfindlichkeitsprofilen gewählt werden. Ein komplett manuelles Einstellen der Empfindlichkeit ist nicht möglich. Am besten hat im Test das Profil „Nahtlos“ gefallen. Damit wird der Totweg der Sticks so weit wie möglich reduziert, wodurch sie schneller ansprechen, ohne, dass Präzision verloren geht.

Vorbildlich ist das Einstellen der Totzonen für den linken und rechten Trigger. Hier können Ober- und Untergrenze auf einer Skala von 0 bis 100 festgelegt werden. Für den Test wurden bei Halo 5 die Totzonen komplett ausgeschaltet, wodurch die Trigger schon bei der kleinsten Berührung auslösen.

Profile

Die Änderungen werden in Profilen gespeichert. Direkt im Controller können zwei Profile gespeichert werden. An der Front befindet sich ein Schieberegler, mit dem zwischen den Profilen gewechselt wird. Nimmt man den Controller zu einem Freund mit, sind auch diese zwei Profile mit dabei. Benötigt man mehr Profile, loggt man sich mit seinem Account ein und kann auf die in der Cloud-gespeicherten Profile zugreifen.

In der App sind vorgespeicherte Profile für Forza 6, Gears of War Ultimate, Halo 5 und Sunset Overdrive enthalten. Ein Profil für Rise of the Tomb Raider, Battlefront oder Call of Duty gibt es nicht, allerdings kann man sich jederzeit selbst eines anlegen. Die vorgefertigten Profile sind als Beispiele zu verstehen.

Praxis

Mit dem Elite Controller spielt es sich tatsächlich besser. Das Steuern in Forza 6 ist präziser. Das manuelle Schalten mit den Pedalen ersetzt zwar kein Lenkrad mit Schaltwippen, macht aber mehr Spaß als das Schalten mit den normalen Tasten. Allerdings sollte man das vorgefertigte Forza-6-Profil nachbearbeiten, da auf beiden Seiten das obere Pedal rauf und das untere runterschaltet. Sinnvoller ist es, wenn die rechten Pedale rauf und die linken runterschalten.

Bei Halo 5 fühlte sich das Spielen mit dem Elite Controller ebenfalls besser an, aufgrund der schneller ansprechenden Analog-Sticks, den über-empfindlich eingestellten Trigger-Tasten und den Trigger-Stops. Im vorgefertigten Profil für den Halo-5-Einzelspieler-Modus wurden die Funktionen des Steuerkreuzes auf die Pedale gelegt. Das ist sinnvoll, da man so herumlaufen, zielen und gleichzeitig dem Team Befehle geben kann, ohne die Finger von den Analog-Sticks geben zu müssen.

PC

Der Elite Controller ist laut Microsoft für Windows 7, 8.1 und Windows 10 geeignet. Die Software zum Konfigurieren des Controllers gibt es nur für Windows 10.

Auf einem W7-Testsystem wurde der Controller nicht erkannt. Das automatische Aktualisieren der Treiber im Geräte-Manager, wie es Microsoft auf seiner Support-Seite empfiehlt, hat nicht funktioniert. Der Microsoft-Link zur Download-Seite für die Treiber führt wieder nur zur Support-Seite, die die automatische Treiber-Installation als Problemlösung vorschlägt.

Fazit

Der Xbox Elite Controller ist ein Feinschliff mit praktischen Zusatzfunktionen, der das Dreifache eines normalen Controllers kostet. Er ist kein Must Have aber für leidenschaftliche Gamer durchaus empfehlenswert. Besonders bei Shootern wie Halo 5 oder Destiny spielt er seine Stärken aus, ebenso wie bei Rennsimulationen.

Und dann gibt es noch die Zielgruppe der User, die der Analog-Stick-Totweg des normalen Xbox One Controllers seit dem 22. September 2013 stört und die dankbar sind, dass mit Elite Controller dieser weitestgehend reduziert wird. Schade ist, dass das Steuerkreuz immer noch nicht so knackig ist, wie es sein sollte.

Interessant für ein breites Publikum wird der Elite Controller mit einer Preissenkung und wenn ein Ökosystem rundherum entsteht. Microsoft bietet zur Zeit keine zusätzlichen Sticks oder Pedale an. Möglicherweise werden aber Dritthersteller neue Stick-Formen, Pedale oder Steuerkreuze für den Elite Controller veröffentlichen.