GENERATION ANGST
11/10/2010

Profiteure und Verlierer des Kinderschutzes II

Die Angst der Eltern vor dem Internet ist für viele Unternehmen ein lukratives Geschäft. Neben den direkt auf Kinder und Jugendliche zugeschnittenen Programmen und Webseiten gibt es insbesondere einen Markt für Filtersoftware. Teil zwei der dreiteiligen Serie von Bettina Winsemann.

Für die Produzenten und die Verkäufer von Filtersoftware ist es insofern wichtig, einerseits den Jugendschutz, andererseits aber auch die Gefahren des Netzes stetig zu betonen um dann gleich das Antidot anzubieten. Neben den herkömmlichen Marketingmethoden ist es sinnvoll, hier gerade auch Funk und Fernsehen anzubieten und die eigenen Beweggründe eher im Hintergrund zu belassen, während vordergründig die Angst geschürt wird.

Von Terror- bis zu Ego-Shooter-Filter

Wie dies funktioniert, zeigt sich in Deutschland am Beispiel der Firma PanAmp. Deren Vorstand, Bert Weingarten, fungiert in politischen Magazinen der öffentlich-rechtlichen Sender wie beispielsweise "Panorama" oder "Monitor" als "Experte für das Web", wobei er stets das "Dark Web" betont, was zum einen die nicht mittels normaler Suchfunktion auffindbaren Webseiten, andererseits aber auch Chats oder IRC beinhaltet.

Für die Firma PanAmp ist es ein Gewinn, wenn Bert Weingarten als Experte für Gefahren wie Bombenbauanleitungen, Terrorprogaganda oder dergleichen mehr auftritt, da die Firma ihre Software ganz spezifisch auf die einzelnen Gefahren ausrichtet. So bietet sie neben dem Terror-Filter auch den Bombenbau-Filter oder den Ego-Shooter-Filter an.

Lobbyarbeit im Vordergrund

Doch neben dies rein offensichtlich wirtschaftlichen Interessen gibt es im Bereich Jugendschutz auch gerade diejenigen, die diesen "Kinder-/Jugendschutz" als Beruf betreiben, wobei hier die Lobbyarbeit im Vordergrund steht. Bei Kinderschutzverbänden lohnt es sich daher stets, genau hinzusehen ob diese zum Beispiel ihre Finanzen überprüfen lassen oder ein Spendesiegel besitzen. Gerade Verbände, bei denen die Lobbyarbeit vor der eigentlichen Projektfinanzierung steht, haben mit dem Erhalt eines Spendensiegels oft Probleme da die Personal- oder Reisekosten zu hoch sind.

Dazu kommt, dass mancher Kinderschutzverband sich Konstruktionen überlegt, die zu einer kaum mehr nachvollziehbaren Gemengelage aus gemeinnützigen und privaten Institutionen führen. Ein Beispiel hierfür ist die Deutsche Kinderhilfe, die stets bei aktuellen medienträchtigen Fällen mit ihren Forderungen auftritt.

Lohnendes Engagement

Für ihren Vorsitzenden, Georg Ehrmann, hat sich das Engagement gerade auch im Bereich "Netzsperren" mittlerweile gelohnt - er wurde ins Bundesjugendkuratorium berufen, ein Gremium, welches das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend berät. Für Georg Ehrmann eine praktische Situation da er nicht nur so als Experte/Sachverständiger gilt, sondern seine Expertise dann zu den gewünschten Ergebnissen beim Bundesministerium führt und er somit seine Reputation weiter ausbauen kann.

Wird die DKH auf diese Weise prominenter und erhält mehr Spenden, so ist dies für Georg Ehrmann bequem, denn er erhält ein Gehalt als geschäftsführender Vorsitzender in Höhe von ca. 56.000 Euro jährlich (Stand: 2008). Während der Bundesverband DKH gemeinnützig ist, ist der Landesverband NRW dies nicht. Auf diese Weise könnte der Landesverband z.B. vom Bundesverband mit Fremdleistungen (Marketing etc.) beauftragt werden und seinerseits wieder davon profitieren, dass sie Spenden an den Bundesverband steuerlich absetzen können.

Undurchsichtige Konstruktionen

Da es nicht möglich ist, bei einem privaten Unternehmen so einfach Einblicke in die Finanzen zu erhalten, kann letztendlich bei diesen Konstellationen nur spekuliert werden, wer auf welche Weise welcher Gelder erhält. Die Posten bei den Verbänden sind jedoch höchst lukrativ und für die Verbände ist es positiv, wenn möglichst viele Spenden eintreffen. Insofern ist es günstig, wenn durch die Nähe zu Politikern und Medien nicht nur die Öffentlichkeit für den Verband hergestellt wird, sondern dieser auch bei der Bevölkerung als "der tut was" ankommt.

Die DKH kann sich beispielsweise der Unterstützung so mancher Politiker sicher sein. Besonders prominent sind sie allerdings erst, seitdem Ursula von der Leyen in der deutschen Ministerriege ihren Posten als Familienministerin übernahm. Seitdem kann sich die DKH, genauso wie auch "Innocence in Danger" der steten Öffentlichkeit erfreuen und auf eine üppige Spendenbereitschaft hoffen.


50 Prozent für Personal- und Beratungskosten

Dass von 1 Euro Spendengeld zunächst einmal 50 Cent bereits für Personal- und Beratungskosten genutzt werden, bleibt vielen verborgen. DKH wie auch "Innocence in Danger" sind insofern Paradebeispiele für einen Typus der Kinderschutzverbände, die sich von der direkten Projektarbeit verabschieden und dafür auf Lobbyarbeit, beziehungsweise wie sie selbst sagen, auf eine gesellschaftliche Veränderung durch direkte Meinungsbildung setzen.

Hierbei sind Fernseh- und Printmedien ein wichtiger Multiplikator um neben der "gesellschaftlichen Veränderung" auch dafür zu sorgen, dass die Spendenbereitschaft nicht abreißt und der eigene Posten gesichert bleibt. Zusammen mit z.B. von der EU bereitgestellten Förderungsmöglichkeiten ist Kinderschutz, gerade wenn er sich vornehmlich auf die Arbeiten bezieht, die nicht dazu geeignet sind, sich die Hände mit Arbeit vor Ort schmutzig zu machen, ein durchaus gewinnbringendes Geschäft.

Mehr zum Thema:

Profiteure und Verlierer des Kinderschutzes I

(Twister/Bettina Winsemann)

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