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INTERVIEW
12/08/2011

"Die CES ist der Weltcup der Technologie"

Gary Shapiro (54) ist der Gastgeber der wichtigsten Hightech-Messe der Welt: Der Veranstalter der Consumer Electronics Show (CES) spricht im FUTUREZONE-Interview über die Messe-Trends 2011, Microsoft und warum die USA ein Innovations-Comeback dringend benötigen.

FUTUREZONE: Herr Shapiro, und wieder hält der amtierende Microsoft-Boss, Steve Ballmer, die Eröffnungsansprache bei der Consumer Electronics Show. Gibt es keine andere Firmen als Microsoft, die mehr zum Thema Consumer-Electronics zu sagen hätten?
Shapiro:Unterschätzen Sie mal Microsoft nicht. Sie sind über Jahre hinweg die IT-Firma schlechthin und sind mit Kinect (Steuerung für Xbox, Anm.) sehr erfolgreich. Microsoft ist ein Innovationsführer.


Vergessen Sie da nicht Apple, das ja im Weltkonzern-Ranking vor Microsoft rangiert? Und die vielen anderen Firmen wie etwa Samsung, Panasonic oder - im Web-Business - Google?
Samsung-Präsident Boo-Keun Yoon ist ebenso dabei wie die CEOs von Ford, Audi, Cisco oder Netflix. Zudem stellen heuer mehr als 200 Firmen Produkte vor, die mit Apple zu tun haben.

Aber Steve Jobs kommt dennoch nicht.
Wir laden ihn immer wieder ein, aber er sagt ab. Aber ich werde es, wie in den Jahren davor, immer wieder versuchen, ihn vom Kommen zu überzeugen, ich würde mich sehr freuen.

Und dann würde er die Eröffnungsansprache halten?
Sehr wahrscheinlich.

Die CES ist neben der IFA in Berlin eine der wichtigsten Hightech-Messen...
Nein, sie ist die wichtigste Veranstaltung, die CES ist sozusagen der Weltcup der Technologie. Viele Firmen stellen auf der Messe am Anfang jedes Kalenderjahres ihre neuen Produkte erstmals vor, geben hier ihre Weltpremiere.

Was sind die wichtigsten Produkte in der "Weltcup-Saison" 2011?
Tablets natürlich, Apps, 3-D-Fernsehen.

3-D-TV war schon 2009 und 2010 ein Thema.
Aber heuer werden neue Brillentechnologien vorgestellt, die das 3-D-Bild noch besser machen, für den Konsumenten noch angenehmer zu tragen sind.

3-D-Filme schaue ich mir lieber im Kino an, aber das Thema Connected TV, also Flat-TVs, die mit dem Web verbunden sind, was bei der Funkausstellung in Berlin schon gezeigt wurde, finde ich spannender.
Das ist eines der anderen wichtigen Themen, genauso wie Apps - sowohl am Flat-TV als auch auf mobilen Geräten. Auf der CES werden die zehn besten Mobilen Apps in fünf Kategorien vorgestellt.

Wenn man sich die Redner-Liste ansieht, glaubt man sich ein wenig an den Genfer Autosalon erinnert. Ford-Boss Alan Mulally, Audi-Vorstand Rupert Stadler, auf der Messe stellen Kia etc. aus. Es gab auf der CES immer schon eine Halle, in der Auto-Sound-Systeme vorgestellt wurden, warum betreten die Auto-Hersteller nun die große Showbühne?
Weil nicht nur das In-Car-Entertainment wichtig ist, sondern auch Autos, die ständig im Netz hängen, Stichwort Connected Car. Unternehmen wie Exxon zeigen elektrische Autos. Das ist ein Trend, an dem die CES nicht vorbeigehen kann.

Rechtzeitig zur CES kommt Ihr Buch mit dem Titel "The Comeback - wie Innovation den Amerikanischen Traum wieder herstellen wird". Ist der Begriff "Comeback" sarkastisch gemeint? Als Europäer fühle ich mich ein wenig provoziert, denn die USA beherrschen ohnehin die IT-Welt. Die meisten der erfolgreichen Hightech- und Web-Firmen sind doch amerikanisch.
Da geht es im Kern nicht darum, wo wir stark sind, sondern darum, was die US-Politik in den vergangenen Jahren verschlafen hat.

Zum Beispiel?
Wir müssen uns wieder darauf besinnen, ordentliche Handelsverträge zu machen, die Zoll-, Einfuhr- und Steuerbestimmungen zu überdenken, die Frage lösen, wie wir mit Fachkräften aus dem Ausland umgehen.

Es gibt viele erfolgreiche IT-Experten und Firmenchefs, die nicht in den USA geboren sind.
Ja, aber es gab in den vergangenen zehn Jahren auch strenge Beschränkungen, was das Anstellen von Fachkräften aus Übersee anlangt.

Ist eine Ihrer Ideen die, dass Geräte - wie etwa das komplette Apple-Portfolio - in den USA gebaut werden?
Nein, aber es geht in diesem Zusammenhang auch darum, Investitionen in Übersee-Firmen zu überdenken.

Ist Gary Shapiro ein technologischer Patriot, der nur US-Produkte nutzt, also Motorola-Handys, Apples iPod oder Dell-Notebooks?
Nein, ich nutze ein Samsung Smartphone, meine Flat-TVs daheim sind von Panasonic, Samsung und Sony - weil es keinen US-Flat-TV-Hersteller gibt. Naja, stimmt nicht ganz, denn vor drei Monaten ist die Sound-Firma Bose in das Flat-TV-Geschäft eingestiegen.


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CES: Die erste Hightech-Messe
Auf der Consumer Electronics Show (CES) zeigen heuer 2500 Austeller aus 130 Ländern auf etwa 150.000 m² ihre Produkte. Es werden 120.000 Besucher erwartet und nicht weniger als 5000 Journalisten und Blogger aus der ganzen Welt. Die Messe findet von 6. bis 9. Jänner statt.
Die CES gibt es seit 1967, damals fand die Show in New York statt. Seit 1995 ist Las Vegas der Veranstaltungsort. Die offizielle CES-Website erreicht man unter www.cesweb.org.

CES-Premieren:
1970: Videokassettenrecorder (VCR)
1974: Laserdiscplayer
1981: Camcorder und CD-Player
1991: Interaktive Compact Disc
1994: Digitale Satellitensysteme
1996: DVD
1998: Hochauflösendes Fernsehen (HDTV)
1999: Festplattenrecorder
2000: Satellitenradio
2001: Plasma-TV
2002: Home-Media-Server
2003: Blu-ray-Disc
2005: IPTV
2008: OLED-TV
2009: 3-D-TV
2010: Tablets, eBooks, Netbooks