Symbolbild: So soll der fertige Feststoffakku von Donut Lab aussehen.
„Wunderakku” von Donut Lab in vernichtender Untersuchung bloßgestellt
Das finnische Start-up Donut Lab will den Code geknackt haben: Während sich große Hersteller noch die Zähne an Feststoffakkus ausbeißen, habe man ein serienreifes Modell. Anfang des Jahres wurde versprochen, dass noch im ersten Quartal die ersten Feststoffakkus ausgeliefert werden. Diese sollen eine beachtliche Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm haben, eine Lebensdauer von 100.000 Zyklen und eine Schnellladezeit von 5 Minuten.
Als sich die Kritiker mehrten, u.a. bezeichnete ein großer chinesischer Batteriehersteller den Akku als Betrug, konterte Donut Lab mit einer Kampagne, um das Gegenteil zu beweisen. Dabei wurden u.a. Testergebnisse des finnischen Forschungsinstituts VTT vorgelegt.
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Jetzt hat der YouTuber und Batterieforscher Ziroth sich ausführlich dem vermeintlichen Wunderakku angenommen. Das Ergebnis seiner Recherche, an der 20 unabhängige Batterieexperten beteiligt waren, fällt vernichtend aus.
Gewöhnliche Lithium-Ionen-Zelle statt Solid-State-Battery
Alles deutet darauf hin, dass es den versprochenen Feststoffakku gar nicht gibt. Die Batteriezelle, die von VTT getestet wurde, sei eine gewöhnliche Lithium-Ionen-Zelle, statt der angeblichen Natrium-Ionen-Feststoffbatterie. Dafür gebe es deutliche Hinweise in den VTT-Daten, so die Experten.
2 der Hinweise sind besonders markant. Der erste betrifft die Spannungskurven. Diese entsprechen Lithium-Ionen-Zellen mit einem hohen Nickelanteil (NCM). Die getestete Zelle hat etwa 3,7 bis 3,8 Volt bei 50 Prozent Ladung, genau wie Lithium-Ionen-Zellen. Eine Natrium-Ionen-Zelle würde bei 50 Prozent Ladung nicht signifikant 3,5 Volt überschreiten.
Nummer 2: die Expansion. Wenn ein Akku geladen wird, wandern die Ionen in das Anodenmaterial, was eine vorhersehbare Expansion auslöst. Eine Anode aus Graphit hat hier ein ganz typisches Verhalten bei einer Ladung zwischen 50 und 70 Prozent, ausgelöst dadurch, wie sich die Ionen in der Schichtstruktur des Graphits neu anordnen. Genau das ist bei den VTT-Daten zu sehen.
Nur: Natrium-Ionen sind physikalisch zu groß, um in die Graphit-Schichten zu passen. Also kann ein Natrium-Ionen-Akku keine Graphit-Anode nutzen, was laut Ziroth bedeutet: Hier wurde eine Lithium-Ionen-Zelle getestet.
Anhand der Daten hat Ziroth noch die Energiedichte berechnet. Diese liegt bei 298 Wh/kg, was einer guten Lithium-Ionen-Zelle entspricht. Von den versprochenen 400 Wh/kg sei es aber weit weg.
Deutsches Unternehmen beteiligt
Ziroth hat versucht den Ursprung dieser Lithium-Ionen-Zelle zu finden, die als Feststoffakku angepriesen wurde. Dabei ist er auf ein deutsches Unternehmen namens CT Coatings gekommen, das ein relativ breites Portfolio an Patenten hält, die nichts mit Batterietechnologie zu tun haben.
Laut der Untersuchung sollte CT Coatings als Technologieanbieter dienen. Nordic Nano sollte die Zelle herstellen und Donut Lab sie vermarkten. Ziroth zufolge habe aber Nordic Nano bisher keine einzige Batteriezelle hergestellt.
Julian Zanau vom Fraunhofer Institut hatte ein Treffen mit Vertretern von CT Coatings und beschreibt die Begegnung so: „Mein erster Eindruck war, dass diese Leute keine Ahnung davon haben, wie eine Batterie funktioniert. Sie redeten davon, dass keine Seltenerdmetalle in ihren Akkus sind und deshalb kein Lithium. Und jeder Chemiker weiß, dass Lithium nichts mit Seltenerdmineralen zu tun hat.“
Bike mit Feststoffakku hat keinen Feststoffakku
Donut Lab hat versprochen, dass erste Exemplare eines E-Motorrads, das den Feststoffakku nutzt, im ersten Quartal an Kunden geliefert werden. Tatsächlich gab Verge Motorcycles am 31. März bekannt, dass das erste Gen 2 TS Pro vom Band gerollt sei.
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In einem Video, das nur an Personen geschickt wurde, die ein Bike reserviert haben, hieß es aber: Die ersten Motorräder seien für die interne Flotte. Durch Tests mit ihnen wolle man den Fertigungsprozess optimieren, bevor man die ersten Bikes an die Kunden ausliefert. Demnach sind diese Exemplare, so schlussfolgert Ziroth, per Definition Vorserienmodelle. Donut Lab hat also sein Versprechen gebrochen.
Marko Lehtimäki, CEO von Donut Lab, habe bei einem Interview mit einem finnischen Medium gesagt, dass die vom Band gerollten Bikes nicht die 400-Wh/kg-Zelle eingebaut hätten. Und die von VTT getestete Zelle sei auch nicht die, die an Kunden ausgeliefert werde. Geleakten Mails zufolge soll Donut Lab bei CT Coatings nachgefragt haben, wann sie einen Beweis für die Spezifikationen des Feststoffakkus bekommen. Anscheinend wurde dieser Beweis bisher nicht geliefert.
25 Millionen Finanzierung
Ziroth kritisiert zudem, wie Donut Lab seine Finanzierung von 25 Millionen US-Dollar erhalten hat. Das Unternehmen hat über 1.300 Shareholder. Über 900 sollen Kleinanleger sein, mit Investitionen zwischen 3.000 und 23.000 US-Dollar pro Person. Viele davon sollen über die finnische Crowdfunding-Plattform Springvest investiert haben, im Rahmen einer Kampagne für Verge Motorcycles.
Als Donut Lab dann als Spin-off von Verge hervortrat, soll der strauchelnde Motorradhersteller zu einem Mutterunternehmen mit einem Portfolio von einer halben Milliarde Euro geworden sein – dank des vermeintlichen Wunderakkus. Lehtimäki soll potenziellen Investoren damals eine 10-fache Rendite innerhalb von 12 bis 18 Monaten versprochen haben.
Ziroth wirft Donut Lab vor, dass gezielt mit überzogenen Versprechen Kleininvestoren angelockt wurden, die sich nicht ausreichend mit Batterietechnologie auskennen. Bei einer regulären Finanzierungsrunde hätten nämlich große Risikokapitalgeber und Beteiligungsunternehmen technische Beweise für den Wunderakku gefordert – und weil es die nicht gibt, wäre das Geld ausgeblieben.
Nach der Ankündigung des Wunderakkus Anfang des Jahres sei die Bewertung von Donut Lab auf 1,25 Milliarden US-Dollar angehoben worden. Dies habe angeblich dazu geführt, dass die finnischen Behörden jetzt ermitteln.
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