Dyson PencilVac
Dyson PencilVac im Test: Der mit dem Stange tanzt
Dyson hat geschafft, dass Staubsauger „männlich“ sein können. Pistolengriff, Laservisier, ein Geräusch, das an das Anlassen eines Flugzeugtriebwerks erinnert: Mehr Macho wäre nur noch eine Sonderedition mit Tarnmuster.
Der Dyson PencilVac behält zwar einige der Eigenschaften bei, setzt aber auf eleganten Minimalismus. Statt Abzugsbügel, Akkublock und dickem Staubbehälter ist alles in einem Rohr verpackt, mit einem Durchmesser von 38 mm. Nichts steht hervor, nichts ragt hinaus: Dyson spricht zu Recht von seinem „schlanksten und wendigsten kabellosen Staubsauger“. Ich habe getestet, ob der PencilVac, trotz der Erschlankung, die gewohnte Dyson-Performance liefert.
Weniger Leistung, dafür gleich 4 Bürsten
Rein auf dem Papier kann das nicht so sein. Der Mini-Motor des PencilVac hat eine Leistung von 55 Airwatt. Beim aktuellen Dyson-Staubsauger im klassischen Format, dem V16, sind es 315 AW. Der PencilVac hat also nur etwa 18 Prozent der Leistung, zu 67 Prozent des Preises des V16.
Um trotzdem gut sauberzumachen, hat der PencilVac nicht nur eine Bürstenwalze, sondern gleich 4. 2 Stück der konischen Walzen sind vorne, 2 sind hinten, jeweils nebeneinander. Warum? Die Bürsten transportieren beim Darüberrollen den Schmutz zum Saugrohr – es ist also weniger Saugleistung nötig.
Weil die Bürsten vorne und hinten sind, „saugt“ der PencilVac dadurch, im Gegensatz zum V16, nicht nur bei Vorwärts-, sondern auch bei Rückwärtsbewegungen. Dadurch erinnert er an den Dyson Omni-glide (2 Bürsten) aus dem Jahr 2021. Aus heutiger Sicht sieht der wie eine Mischung aus PencilVac und V16 aus.
➤ Mehr lesen: Dyson Omni-glide im Test: Der Drifter unter den Staubsaugern
Dyson Omni-glide
© Dyson
Eco-Modus reicht nicht
Ganz geht die Bürstenwette von Dyson nicht auf. Der PencilVac saugt schlechter als der V15 (2021) – wenn man den standardmäßig aktiven Eco-Modus nutzt. Dieser hat die längste Laufzeit und reicht bei meinem 5 Jahre alten V15 aus, um die Wohnung gründlich zu reinigen.
Beim PencilVac muss ich den Modus „Med“ (Medium) wählen, um dieselbe Reinigungsleistung zu erzielen. Das weiß auch Dyson. In den FAQs zum PencilVac ist nämlich zu lesen: „Wir empfehlen, den schmalen Staubsauger im Med-Modus zu verwenden.“ Dann wäre es aber gut, wenn der Med-Modus standardmäßig ausgewählt wäre oder man über die Begleit-App am Smartphone den Med-Modus als Standard einstellen könnte – was eben nicht geht. So muss man, jedes Mal nach dem Drücken des Startknopfs, nochmal den Modus-Wahlknopf drücken, um den Med-Modus zu wählen.
Die Laufzeit wird dadurch von knapp 30 Minuten auf etwa 17 Minuten reduziert. Wenn man nicht trödelt, reicht das locker für die Reinigung von 100 Quadratmetern. Nutzt man den Boost-Modus mit der maximalen Saugleistung, liegt die Laufzeit nur noch bei etwa 8 Minuten. Diesen Modus sollte man nur punktuell nutzen, außer man hat eine relativ kleine Wohnung oder ist super-effizient beim Saugen. Dann kann man auch im Boost-Modus alle Böden vom Staub befreien.
Mit allen Böden sind in diesem Fall Hartböden gemeint. Fliesen, Parkett und Vinyl sind kein Problem. Der Fußabstreifer und Turnmatten gehen gerade noch so (mit weniger Leistung), aber für Teppiche und Ähnliches ist der PencilVac weder gedacht noch geeignet.
Dyson PencilVac
© Dyson
Haare werden ausgespuckt
Die konischen, geteilten Walzen haben eine interessante Funktion. Lange Haare, egal ob von Mensch oder Tier, wickeln sich nicht um sie herum. Stattdessen werden sie als Knäuel zur Seite hin ausgespuckt. Wer weiß, wie nervig es ist Haare, die sich um die Walze gewickelt haben, zu entfernen, wird sich über diese Fähigkeit sehr freuen. Allerdings darf man nicht vergessen, die Knäuel dann mit dem PencilVac aufzusaugen, die er möglicherweise zu einer Stelle hin ausgespuckt hat, auf der man bereits zuvor gesaugt hat.
Beim Suchen der Haare hilft das grüne Licht, das damals mit dem V15 Detect als „Laser“ eingeführt wurde. Die Staubjagd wird damit deutlich einfacher, vor allem wenn man das Licht im Zimmer abdreht. Aber: Da der PencilVac nach vorne und hinten saugt, hat er 2 Lichter. Das hintere Licht wurde nicht gut genug nach oben abgeschirmt, d.h. wenn man in einem dunklen Raum staubsaugt, blendet man sich regelmäßig damit. Die Lichter lassen sich weder getrennt noch zusammen abschalten: Hier hilft nur abkleben, falls man gar nicht damit kann.
Dyson PencilVac
© Dyson
Der Tanz auf dem Parkett
Die gegenläufigen Walzen und konische Form sorgen für einen interessanten Effekt. Der PencilVac flutscht beinahe über den Boden, so ähnlich, als würde man eine Poliermaschine verwenden. Das, zusammen mit dem niedrigen Gewicht und der schlanken Form, gibt ein beinahe beschwingtes Gefühl von Leichtigkeit. Man fühlt sich fast wie in einem Schwarzweiß-Musikfilm, in denen das Putzpersonal plötzlich in einen Tanz ausbricht und der Besen/Wischmopp Teil der Choreografie wird. Für den vollen Fred-Astaire-Moment mit dem PencilVac reicht mein Skill-Level dann doch nicht, aber das spielerische Schupfen der Stange von einer Hand in die andere, in der Saugbewegung, klappt schon ganz gut.
Diese gleitende Handhabung kann aber einen Nachteil haben. Der PencilVac hat die Tendenz zu „flattern“, begünstigt durch den dezenten Vorwärtsdrang. D.h. schon kleine Bewegungen lassen die Bodenbürste in eine Richtung lenken. Das bedeutet nicht, dass der Sauger jetzt außer Kontrolle gerät und wild durchs Wohnzimmer rast oder mit Karacho die Küchenzeile rammt. Es ist aber tendenziell schwieriger, eine gerade, kontrollierte Bahn zu ziehen, als mit anderen Saugern. Da die Bodenbürste etwas schmäler als bei der V-Serie ist, können dadurch Stellen übersehen werden, bzw. nicht-gesaugte Streifen zwischen den vor- und rückwärtsgezogenen Bahnen entstehen. Man muss also womöglich öfter und damit länger saugen als mit einem regulären Dyson, falls man das Flattern nicht in den Griff bekommt.
Links die Bodenbürste des V15, rechts vom PencilVac
© Gregor Gruber
Ein weiterer Nachteil ist die Reichweite. Der PencilVac ist zwar schön kompakt, aber da es nur einen Stil gibt und nicht den üblichen Pistolengriff, wird die maximale Reichweite anatomisch reduziert. Für etwas mehr Reichweite kann man den PencilVac an der Spitze der Stange halten, sodass die Handfläche wie auf einem Schalthebel aufliegt – das ist aber schon eher der Profi-Modus für geübte User, da dies wieder das Flattern begünstigt.
Alternativ kann man den PencilVac nicht vor sich führen, sondern seitlich zum Körper, wodurch die Gesamtreichweite durch das zusätzliche Saugen nach hinten größer wird. Sinn macht das bei großen leeren Flächen, erfordert aber ebenso Übung, damit man nicht zwischen den Bahnen Stellen freilässt.
Die „Wischmopp“-Technik sollte man nicht nutzen. Denn der PencilVac saugt zwar nach vorne und hinten, aber nicht zur Seite. Das sollte man auch bedenken, falls man mal zu beschwingt die Wohnung reinigen will und mit dem PencilVac durch die Zimmer wirbelt: Die Bodenbürste muss Richtung Dreck gedreht sein, sonst verteilt man den Staub mehr, als ihn aufzusaugen.
Lange Stange
Der PencilVac hat im Lieferumfang eine Kombobürste. Mit dieser lassen sich Spinnweben aus Ecken und Staub auf Schränken oder Sesselleisten entfernen. Zum Absaugen von Polstermöbeln ist sie aber nur wenig geeignet. Nicht nur wegen der Bürste selbst, sondern auch, weil man beim PencilVac immer die lange Stange nutzen muss. Da ist man mit einem Dyson der V-Serie flexibler, bei der man die Aufsätze ohne Rohr nutzen kann.
Auch beim Entleeren des Staubbehälters muss man mit der langen Stange hantieren (falls man nicht zusätzlich zur Bürste ebenfalls den Akku abnehmen will). Dafür ist die Mechanik durchdacht: Knopf drücken, nach hinten ziehen und wieder nach vorschieben, damit der Schmutz aus dem Behälter rausgedrückt wird.
Der Behälter sieht zwar klein aus, nimmt aber ziemlich viel Schmutz auf. Fast wie Sedimentschichten werden Staub und Haare bei jeder Reinigungssession zusammengeschoben. Wie oft man ihn entleeren muss, kommt auf die Größe des Wohnraumes und Anzahl der (langhaarigen) Menschen und Haustiere an. Bei 2 Erwachsenen auf 100 Quadratmeter und alle 2 Tage staubsaugen, gingen sich im Test genau 2 Wochen aus.
Etwas lästig ist, dass durch die Konstruktion des Staubbehälter-Mechanismus immer etwas Dreck herausfällt, wenn man die Bürste bzw. den Aufsatz wechselt. Ein, zumindest für mich, Riesenvorteil gegenüber der V-Serie: Der PencilVac kommt mit einer Bodenladestation. Etwas gewöhnungsbedürftig an der ist, dass sie zwar aussieht, als könnte man den PencilVac von vorne und hinten reinstellen, es aber nur in einer Ausrichtung möglich ist.
Dyson PencilVac
© Dyson
Fazit
Der PencilVac ist ein schönes Single-Gerät. Nicht unbedingt, weil man damit einen Tanzpartner hat, sondern weil er gut für kleine Wohnungen geeignet ist. Denn die Vorteile der Agilität und kompakten Größe spielt er am besten dort aus, wo wenig freie Flächen sind, also man oft um und unter Möbel saugen und ihn über Kabel oder andere Hindernisse heben muss.
Für größere Häuser und Wohnungen ist er eher als Zweitgerät zu empfehlen. Man könnte ihn etwa in die Wohnküche stellen, um jedes Mal nach dem Kochen schnell durchzusaugen oder zum Flur, um bei Bedarf von draußen hereingetragenen Dreck und die Streu vor dem Katzenklo flott zu entfernen.
Ob einem dieser Anwendungsfall knapp 500 Euro wert ist, zusätzlich, zu einem anderen Staubsauger, muss man mit sich selbst (und dem Bankkonto) ausmachen. Denn spätestens, wenn man regelmäßig Polstermöbel absaugen oder ab und zu im Auto putzen will, ist man mit einem Modell ohne fixe Stange besser dran, wie eben Dysons V-Serie. Die eignet sich aufgrund der höheren Saugleistung auch besser für groben Dreck und wegen der breiteren, nicht flatternden Bodenbürsten, für größere Freiflächen.
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