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12.07.2016

Sauberer Sound aus dem Abflussrohr

Die Wiener Firma StandardSoundSolutions macht aus Abflussrohren Lautsprecherboxen und legt Wert auf "puren" Highend-Sound.

"Das Rohr als Gehäusekonstruktion hat gewisse akustische Vorteile", sagt Robert Hofmann. Gemeinsam mit dem Kunststoff- und Umwelttechniker Markus Wintera baut der frühere Mitbesitzer eines Wiener Tonstudios Lautsprecherboxen aus Abflussrohren. "Bei normalen Boxen mit geraden Flächen kann es passieren, dass die Wände in Resonanz kommen und scheppern", bringt Hoffmann die Vorteile der rundlichen Gehäuse auf den Punkt: "Bei Rohren ist das kaum der Fall."

Die Idee für die geschwungenen Boxen trugen sich Hofmann und Wintera schon seit längerem mit sich herum, vergangenen Herbst - sie befanden sich in einer "persönlichen Neufindungsphase" - machten die beiden schließlich Ernst. Nach Experimenten mit ersten Prototypen starteten sie ihr Unternehmen StandardSoundSolutions. Neun Standardmodelle - vom Modell "Snake" bis zu den Modellen "Cactus" und "Traffic Light" - hat die junge Firma bereits im Angebot. Möglich sind aber auch maßgeschneiderte Lösungen, die gemeinsam mit Kunden erarbeitet werden.

"Pur und ohne Schnickschnack"

Zum Einsatz kommen handelsübliche Abflussrohre aus Polyäthylen, die man in jedem Baumarkt kaufen kann. Darauf, dass die Rohre neu und nicht etwa gebraucht sind, legen die beiden Gründer wert.

Die elektronischen Bauteile werden vom Elektrohändler bezogen. Die Boxen beinhalten ein klassisches 2-Wege-System mit Bassreflexrohr. Der Spulenkörper um die Frequenzweiche wird selbst gewickelt. Die Boxen werden von Hofmann und Wintera mit der Hand zusammengebaut und gelötet. Die Fertigung einer Box nehme bis zu sechs Stunden in Anspruch, sagt Wintera.

Wert gelegt wird auf neutralen Sound. "Wir distanzieren uns ganz bewusst von diversem Voodoo, der in der Branche manchmal Einzug hält." Fingerdicke goldene Kabel oder zusätzliche fünf Equalizer-Rädchen an jeder Box brauche man nicht, sagt Hofmann, der die Boxen seiner Firma als "pur und ohne Schnickschnack" charakterisiert.

Kunstpelz und Lack

Beim Design ist man aber durchaus zu Opulenz bereit. "Für uns soll und darf eine Lautsprecherbox auch Designobjekt sein", sagt Wintera: "Sie soll auch für das Auge und nicht nur für das Ohr gefällig sein." Die Röhrenboxen können etwa mit einem Kunstpelz bezogen oder mit "RAL Farben" lackiert werden. Dabei arbeitet man mit einem Kürschner und einer Autowerkstatt zusammen. Produziert werden die Boxen ausschließlich auf Bestellung.

Preislich sind die Produkte der beiden Wiener Maker eher im gehobenen Bereich angesiedelt. Die Standardmodelle sind unlackiert ab rund 390 Euro pro Stück zu haben. Mit Lackierung oder Kunstpelz kommen sie je Modell auf zwischen 650 und 1400 Euro. Standfüße sind ab 145 Euro zu haben.

Der Preis für maßgefertigte Boxen ist Verhandlungssache. Größe, Form und Farbe der Boxen können individuell gestaltet werden. Dass sich die Boxen um den Fernseher schlängeln sei ebenso möglich, wie das Drapieren der Lautsprecher an die Wohnzimmerbar. Bei der Aufstellung und der Raumakustik beraten Hofmann und Wintera ihre Kunden. Bei jeder ausgelieferten Box gibt es eine Abgabemessung und ein Echtheitszertifikat.

Vertrieb im Aufbau

Vertrieben werden die Rohr-Verstärker derzeit fast ausschließlich über die Unternehmenswebsite. Auch eine Galerie im siebenten Bezirk hat zwei Modelle der jungen Firma im Angebot. "Wir sind gerade dabei den Vertrieb aufzubauen", erzählt Hofmann, der seine Boxen gerne auch in einschlägigen Audio-Fachgeschäften sehen würde.

Über eine Bluetooth-Version der Abflussrohr-Lautsprecher denken Hofmann und Wintera nach, auch wenn Bluetooth, wie Hofmann meint, "im gehobenen Hifi-Bereich nur bedingt Sinn macht". Welche digitalen Formate können die Spezialisten empfehlen? Den Hype um hochauflösende digitale Formate könne er nicht nachvollziehen, sagt der frühere Tontechniker Hofmann. "Zwischen Platte und CD gibt es einen, auch messbaren, Soundunterschied, wenn digitale Files aber einen gewissen Grundstandard haben und gut digitalisiert wurden, höre ich zwischen ihnen keinen Unterschied, der ist in einem Bereich, wo unser Ohr nicht mehr mitkommt." Er räumt aber ein: "Man kann sich den Unterschied gut einbilden."