Mann auf Zwift Ride
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Zwift Ride mit Kickr Core 2 im Test: Das fast perfekte Indoor-Fahrrad

Mit Zwift Ride kann man am Rennrad schwitzen, ohne die eigenen 4 Wände zu verlassen.

Zwift verkauft mittlerweile nicht mehr nur den Zugang zu seinem Dienst, sondern auch Hardware. Das Zwift Ride enthält alles, was man braucht, um virtuell loszuradeln. Es besteht aus dem Wahoo Kickr Core 2 Smart-Trainer sowie aus einem Fahrradrahmen, das man an diesem Trainer montiert. 

Eigentlich kauft man sich einen Trainer wie den Kickr Core, um ein bestehendes Rad darauf zu montieren, auf dem man dann fährt. Dass man stattdessen den Zwift-Rahmen nimmt, hat den Vorteil, dass das bestehende Rad weiterhin griffbereit zur Verfügung steht, wenn man doch einmal draußen damit fahren möchte. Ein weiterer Vorteil des Zwift Ride: Man schont den teuren Carbon-Rahmen für die Ausfahrt, indem man ihn nicht den ganzen Winter über vollschwitzt. 

Im Unterschied zu einem echten Rad kann man beim Zwift-Rahmen mit wenigen Handgriffen die Position des Lenkers anpassen. Das ermöglicht, dass auch Menschen mit unterschiedlichen Körpergrößen auf demselben Rad fahren können. Bei gewöhnlichen Fahrradrahmen kann man lediglich die Sitzhöhe verstellen.

Einfacher Aufbau

Der Aufbau des Indoor-Radfahr-Setups ist unkompliziert. Jede und jeder, der schonmal das hintere Laufrad eines Fahrrades aus- und wieder eingebaut hat, dürfte damit keine Probleme haben. Alles ist klar beschrieben und beschriftet. 

Schade: Standardmäßig wird keine Tablet-Halterung mitgliefert, diese muss man um 50 Euro mitkaufen, wenn man nicht gerade einen Fernseher vor sich stehen hat, auf dem man Zwift laufen lassen kann. Ansonsten könnte man noch das Smartphone mit der Zwift-App auf die Ablagefläche beim Lenker legen, das ist aber wenig elegant.

Abgesehen von der Tablet-Halterung ist alles dabei, was man zum Losradeln braucht: Lenker, Flaschenhalter, Sattel, Pedale. Wobei die meisten einigermaßen ambitionierten Rennradler die mitgelieferten Flachpedale wohl gegen Clip-Varianten ersetzen werden.

Zwift Ride Lenker mit Tablet in der Halterung

Zwift Ride Lenker mit Tablet in der Halterung

Nicht unbedingt notwendig, aber empfehlenswert ist eine Matte, auf die man Trainer und Bike stellt. Das ist erstens bequemer und sorgt zweitens für weniger Vibrationen beim Treten. Auch mit Matte geht das Indoor-Radeln deutlich mehr in den Rücken als das Outdoor-Fahren. Grund dafür ist, dass man trotz allem starrer auf dem Rad sitzt. Zusätzliche Abhilfe kann hier eine sogenannte Rocker Plate schaffen, ein bewegbarer Untergrund für das Indoor-Rad. In der günstigen Variante kann man Kickr und Zwift Ride auch auf Tennisbälle stellen. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass die Tennisbälle tatsächlich einiges bringen.

Sinnvoll ist außerdem irgendeine Form von Ventilator, denn Indoor-Radeln kann in Ermangelung von Fahrtwind extrem schweißtreibend sein. Empfehlen kann ich ein Modell von Vacmaster, das es bei Amazon um 90 Euro gibt. Es ist kompakt, nur moderat laut und verfügt über eine Fernbedienung. Damit kann man die Luftstromintensität direkt am Rad regulieren, was äußerst praktisch ist. Die Luxus-Variante von Wahoo namens Kickr Headwind regelt diesen vollautomatisch über den eigenen Puls, kostet aber mit 221 Euro deutlich mehr. 

Controller und virtuelle Gänge

Zwift Ride hat direkt am Lenker noch Tasten, wie man sie von Spiele-Controllern kennt. Über diese kann man Zwift bedienen. So kann man an Kreuzungen etwa bestimmen, welche Abzweigung man nehmen möchte, anderen Fahrerinnen und Fahrern virtuell winken oder einen Daumen nach oben geben. 

Über den Controller kann man virtuell schalten. Wenn man schaltet, springt die Kette nicht wie bei Draußen-Fahrrädern zwischen unterschiedlich großen Gängen bzw. Ritzel hin und her, sondern es wird steigender oder sinkender Widerstand simuliert. Möglich wird das durch Zwift Cog.

Wahoo Kickr Core 2

Zwift liefert Ride seit einiger Zeit auch mit der aktualisierten Version des Kickr Core aus. Im Unterschied zur ersten Generation hat sich nicht allzu viel verändert. Optisch sieht er fast gleich aus, lediglich die Füße des Trainers sind etwas anders geformt.

Bei der Konnektivität gibt es aber eine große Neuerung, denn der Kickr Core 2 kann sich nicht mehr nur via Bluetooth mit Geräten verbinden, sondern auch über WLAN. Gleichzeitig dient er als Sensor-Bridge. Das heißt, man kann zum Beispiel seinen Puls-Brustgurt per Bluetooth mit dem Trainer verbinden und dieser leitet die Informationen dann per WLAN an das Tablet oder den Computer weiter, auf dem Zwift oder eine andere Trainings-App läuft. 

Kickr Core 2 und Zwift Bike

Das hat vor allem für die Nutzer einen Vorteil, die Zwift und Co auf AppleTV laufen haben. Denn dieses hat ein Bluetooth-Connection-Limit von 3 Geräten. Ein Platz ist dabei für die Fernbedienung reserviert. Das heißt, wenn man auf den verbleibenden 2 Plätzen den Smart Trainer und den Brustgurt verbunden hat, geht nichts Weiteres mehr. Das ist deswegen ein Problem, weil man den Zwift-Controller auch per Bluetooth verbinden müsste. 

In Sachen Genauigkeit der Wattwerte macht der Core 2 gute Arbeit. Ich habe die Wattwerte mit einem doppelseitigen Powermeter von Magene verglichen und Abweichungen im Bereich zwischen 1 und 2 Prozent festgestellt. Damit befindet sich der Wahoo vollständig im erwartbaren Bereich. 

Zwift Ride Test

Rouvy, TrainerRoad und Co mit Zwift Ride

Da Zwift Ride im Grunde auf Basis eines ganz normalen Kickr-Smart-Trainers funktioniert, kann man damit auch andere Trainings-Apps, wie Rouvy oder TrainerRoad, nutzen. Was offiziell allerdings nirgends unterstützt wird, sind die Buttons am Lenker sowie das virtuelle Schalten.

➤ Mehr lesen: Radeln als Videospiel: 3 Indoor-Fahrrad-Apps im Vergleich

Es gibt allerdings Workarounds, über die man die Zwift-Ride-Controller auch mit fremden Apps nutzen kann. In der Regel handelt es sich dabei um Apps, die das Signal der Zwift-Ride-Controller für die jeweilige App "übersetzen". Bei solchen Lösungen kann man sich aber nie sicher sein, dass sie problemlos und dauerhaft funktionieren.

Fazit

Zwift Ride ist ein Produkt, bei dem man sich etwas gedacht hat. Das merkt man sowohl bei Aufbau als auch bei der Nutzung. So kann man etwa das Werkzeug, das man zum Einstellen von Lenker und Sitz braucht, magnetisch auf der Unterseite des Oberrohres verstauen - praktisch und clever. 

Werkzeug im Zwift-Ride-Rahmen

Auch für das Aufladekabel der Controller gibt es eine magentische Befestigung. Und es liegt ein "zweiköpfiges" USB-Kabel bei, damit man mit einem Port beide Controller gleichzeitig laden kann.

Die geräumige Ablage oberhalb des Lenkers ist genau das, was ich beim Indoor-Radfahren haben möchte. Dort kann ich Handy, Fernbedienungen oder Snacks bequem ablegen und habe sie griffbereit. 

Ablage von Zwift Ride mit Clif bar und Gels

Sitzt man einmal im Sattel fühlt sich Zwift Ride wie ein ganz normales Rennrad an. Auch wenn Zwift selbst keine hyperrealistische Grafik hat, verliert man sich auf Watopias Straßen gedanklich so, dass ich manchmal vergesse, in Wahrheit in meinem Wohnzimmer zu sitzen. 

Die Controller direkt am Lenker sind praktisch, vor allem, wenn man am Fernseher trainiert. Etwas schade ist, dass diese und das virtuelle Schalten auf die hauseigene App beschränkt sind. Dass Zwift seine eigene Software ins Zentrum rücken möchte, ist natürlich nachvollziehbar, gleichzeitig auch bitter, da Zwift Ride ohne diese Einschränkungen das perfekte Indoor Bike wäre. 

Zwift Ride ist dennoch ein gelungenes Komplettpaket und der ideale Einstieg in die Welt der Indoor-Fahrrad-App. Wer in den Wintermonaten in Watopia (der populärsten virtuellen Welt von Zwift) radeln möchte, der macht damit definitiv nichts falsch. 

Zwift Ride mit dem Kickr Core 2 kostet 1.200 Euro. Zwift selbst kostet zusätzlich 20 Euro pro Monat oder 200 Euro pro Jahr

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Thomas Prenner

ThPrenner

KURIER-futurezone Chefredakteur. Beschäftigt sich viel mit Dingen, die man täglich nutzt und schreibt darüber. Sitzt außerdem gerne am Fahrrad.

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