Unscharfes, dunkles, dreieckiges Objekt vor grauem Hintergrund.

Wärmebildaufnahme des bisher unbekannten Kampfjets.

© Project Fear
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Militärtechnik

Mysteriöses Flugzeug über Area 51 könnte Vorbote des „Superfliegers” F-47 sein

Dem YouTube-Kanal Project Fear scheint eine besondere Beobachtung gelungen zu sein. In der Nähe der Area 51 wurde ein Flugzeug aufgenommen, das keiner bekannten Bauform entspricht.

Die Area 51 ist zwar allgemein aus UFO-Legenden bekannt, übt aber für Flugzeugbegeisterte eine ganz andere Faszination aus. Der streng-geheime Stützpunkt der US Air Force wird nämlich regelmäßig genutzt, um neue, und meistens ebenfalls noch streng-geheime, Fluggeräte zu testen.

Und so eines könnte Project Fear jetzt als erster erwischt haben – falls die Aufnahme echt ist. Der YouTube-Kanal hat bisher kein etabliertes Standing in der Plane-Spotter-Community. Die meisten Videos des Kanals behandeln Paranormales, mit generischen Titeln und genauso generischen Thumbnails.

Mehrere YouTube-Thumbnails mit schockierten Personen und gruseligen Hintergründen.

Der YouTube-Kanal von Project Fear.

Anders Otteson unterstützt YouTuber

Allerdings bekommen die Macher der Videos wie „Unsere Nacht in einem verfluchten Waisenhaus (Gettysburg)“ und „Überleben im verfluchtesten Wald von Amerika“ renommierte Rückendeckung: Anders Otteson von Uncanny Expeditions. Der YouTuber hat sich auf Expeditionen von Orten in Nevada und Kalifornien spezialisiert, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Dabei spielt oft Area 51 ein Thema und Otteson hat dort selbst schon geheime Fluggeräte gefilmt.

Laut Otteson wurde er von Project Fear kontaktiert und um Hilfe gebeten, wie man am besten Videos rund um Area 51 macht. Er hat den YouTubern die Thermalkamera InfiRay HCH50R empfohlen, die er selbst verwendet. Laut Otteson haben die YouTuber dieses Modell gekauft und für die Aufnahme verwendet.

Project Fear sei vor etwa 2 Monaten die Aufnahme des Flugzeugs gelungen, die sie vorab Otteson gezeigt haben. „Die Aufnahme ist echt“, schreibt Otteson auf Reddit dazu. Gegenüber twz ergänzt er: „Ich war natürlich sehr aufgeregt, als sie mir die Aufnahme gezeigt haben. Ich war bei den ersten Drehversuchen dabei und habe Tipps gegeben und ihnen gute Plätze für das Filmen bei Area 51 gezeigt. Etwa eine Woche später haben sie dann die Maschine erwischt, da war ich nicht dabei. Das Flugzeug ist ziemlich tief geflogen, als sie es gefilmt haben.“

Unscharfes, dunkles, dreieckiges Objekt vor grauem Hintergrund.

Wärmebildaufnahme des bisher unbekannten Kampfjets.

Technologie-Demonstrator für die F-47

Wenn man also Otteson und Project Fear glaubt, stellt sich als nächstes die Frage: Was wurde denn hier gefilmt? Durch die geringe Auflösung und die Einschränkungen des Wärmebildsensors, ist die Silhouette verzerrt. Dennoch sieht es wie nichts aus, was die US-Streitkräfte derzeit fliegen lassen.

Eine Vermutung ist, dass die Sichtung mit dem F-47-Programm zu tun hat. Form und vermeintliche Größe deuten nämlich auf einen Kampfjet hin. Zudem sind hinter der Nase kleine Seitenflügel, genannt Canards, zu erkennen. Bisher gab es nur 2 teilverhüllte Renderbilder der F-47 zu sehen, aber auf beiden sind Canards zu erkennen.

➤ Mehr lesen: Warum der neue US-Superflieger F-47 europäische Kampfjets kopiert

Ein Tarnkappen-Kampfflugzeug fliegt durch dichte, dunkle Wolken mit beleuchtetem Cockpit.

Offizielles Renderbild der F-47.

Offiziell wird derzeit noch der erste Prototyp der F-47 gebaut. Der „Superflieger“ und laut US-Präsident Trump das „beste, tödlichste Flugzeug“ der Welt, wird deshalb voraussichtlich erst 2028 zum Erstflug abheben.

Allerdings hat die Air Force bestätigt, dass 2019 und 2022 2 geheime X-Planes geflogen sind, eines von Boeing und eines von Lockheed. Diese dienten als Technologie-Demonstratoren für das NGAD-Programm, das schließlich Boeing mit der F-47 für sich entscheiden konnte.

Ein futuristisches Kampfflugzeug steht in einem Hangar mit einer großen US-Flagge im Hintergrund und Nebel am Boden.

Offizielles Renderbild der F-47.

Designelemente erinnern an Boeing-Projekte

Das bei Area 51 gesichtete Flugzeug scheint Elemente zu haben, die bei früheren Boeing-Designs genutzt wurden. So könnte es nach unten gebogene Flügelspitzen haben, sowohl bei den Haupttragflächen als auch den Canards. Das erinnert an Boeings Konzept Bird of Prey. Der Demonstrator für einen Kampfjet mit Stealth-Eigenschaften flog insgesamt 38-mal, der Erstflug fand 1996 statt.

Betrachtet man die Silhouette als Ganzes, erinnert sie zudem an die X-36, die 1997 erstmals geflogen ist. Dieses ferngesteuerte X-Plane, mit etwa 28 Prozent der Größe eines echten Jets, wurde von Boeing für die NASA gebaut. Das Ziel war die Erforschung der Tailless-Bauweise für Kampfjets. Auch die F-47 wird vermutlich kein Leitwerk am Heck haben, also tailless sein.

Das Experimentalflugzeug X-36 von oben auf einer Betonfläche fotografiert.

Boeing X-36 von oben fotografiert.

Geht man ein Stück weiter in die Vergangenheit, findet man eine ähnliche Silhouette schon in den 1980er-Jahren. 1983 entstand bei Northrop Grumman die DP-21. Das Konzept bekam den Spitznamen „Christmas Tree Fighter“ - Weihnachtsbaum-Kampfjet.

Ein Bauplan zeigt einen futuristischen Stealth-Fighter

Konzept der DP-21.

Gebaut wurde die DP-21 nie. Darold Cummings, der den Stealth-Fighter entworfen hat, sagt gegenüber twz: „Ich habe die DP-21 nie als ernsthaften Entwurf für das ATF-Programm gesehen, weil das Flugzeug extrem instabil war. 1983 hätte man es deshalb kaum fliegen können. Mit den heutigen, modernen Flugkontrollsystemen, könnte man eine Maschine mit so einem Design aber steuern, auch bei steilen Manövern.“

Für das ATF-Programm (Advanced Tactical Fighter) reichte Northrop später die YF-23 ein, an der Cummings maßgeblich beteiligt war. Gewonnen hat aber der Konkurrent Lockheed Martin mit der YF-22, aus der schließlich die F-22 Raptor wurde.

Warum sollte das X-Plane jetzt noch fliegen?

Mit der F-47 steht aber der Sieger von NGAD schon fest: Warum sollte ein Technologie-Demonstrator dafür also jetzt noch (oder wieder) fliegen? Ein Grund könnte die beschleunigte Timeline sein, weil die F-47 eben unbedingt noch 2028 ihren Erstflug haben soll. Denn Trumps Präsidentschaft, „zufällig“ ist er gerade der 47. Präsident der USA, endet offiziell im Jänner 2029.

➤ Mehr lesen: Trump will seinen Superflieger F-47 umbenennen, falls er ihm "nicht gefällt"

Falls das X-Plane dem finalen Design der F-47 sehr nahekommt, können Boeing und die Air Force damit also jetzt noch Testflüge durchführen und Daten sammeln, die in den Bau des Prototyps einfließen. Dadurch werden womöglich Fehler vermieden, die sonst erst beim nahezu fertigen Prototyp erkannt werden und Umbauarbeiten erfordern, was den Erstflug verzögert.

Außerdem steht noch die Entscheidung für NGAP an. Unter diesem Programm soll das Triebwerk für die F-47 und die F/A-XX, dem nächsten Stealth-Fighter für die US Navy, entstehen. Im Rennen um NGAP sind General Electric und Pratt & Whitney. Es ist also möglich, dass das X-Plane fliegt, um die Triebwerke zu testen, noch bevor der eigentliche F-47-Prototyp fertiggestellt wurde.

Kampfflugzeug mit Tarnkappen-Design und Canards fliegt über wolkigem Himmel, Nummer 048 sichtbar.

Konzeptbild der F-47, das von Pratt & Whitney angefertigt wurde. Mehr dazu lest ihr hier: So könnte der „Superflieger” F-47 aussehen

Entscheidungshilfe für die F/A-XX?

Schließlich gibt es da noch die bereits erwähnte F/A-XX. Der Sieger für das Projekt wurde bisher nicht bekannt gegeben. Aktuellen Informationen zufolge sind Boeing und Northrop Grumman im Rennen, Lockheed soll sich aus dem Projekt zurückgezogen haben. Womöglich werden die X-Plane-Flüge durchgeführt, um der US Navy eine Entscheidungshilfe zu liefern. Die F/A-XX soll, genau wie die F-47, ein Kampfjet der 6. Generation sein.

Was bedeutet Kampfjet der 6. Generation?

Kampfjets werden in Generationen eingeteilt. Die aktuellste, die im Einsatz ist, ist die 5. Generation, die sich vor allem durch Tarnkappeneigenschaften auszeichnet. Dazu zählen die F-22, F-35, Su-57, J-20 und J-35.

Zu den derzeit noch lose definierten Fähigkeiten eines Kampfjets der 6. Generation gehören:

  • Tarnkappeneigenschaften und interner Waffenschacht
  • Für Luftkämpfe und Bodenangriffe geeignet
  • Geeignet für elektronische Kriegsführung
  • Erweiterte Datenübertragungsfähigkeiten für das vernetzte Schlachtfeld und Datenübertragung direkt zu Satelliten
  • Kann optional ferngesteuert und mindestens teilautonom mittels KI agieren
  • Helm-Display ist mit Außenkameras verbunden, damit der Pilot „durch das Flugzeug“ durchschauen kann und so eine 360-Grad-Rundumsicht hat
  • Adaptives Triebwerk
  • Erweiterte Gegenmaßnahmen, wie Jammer, Infrarot-Blender und optional Energiewaffen – etwa um anfliegende Raketen per Laser zu zerstören

Der Unterschied ist, dass die F/A-XX von Flugzeugträgern aus operieren wird, während die F-47 für den Start von Land vorgesehen ist. Das heißt aber nicht, dass die F-47 für die Navy damit aus dem Rennen ist: Boeing könnte für F/A-XX eine Variante eingereicht haben, die von Flugzeugträgern aus starten kann. Ein Beispiel für so ein Konzept ist die Lockheed Martin F-35. Die gibt es als F-35A für die Air Force und als F-35C für die Flugzeugträger der Marines und Navy. Die Marines verwenden zusätzlich die Senkrechtstarter-Variante F-35B.

Oder doch eine Drohne?

Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Sichtung weder mit der F-47 noch der F/A-XX etwas zu tun hat. Womöglich handelt es sich um ein Experimentalflugzeug für einen anderen Zweck oder um eine Drohne bzw. ein unbemanntes Kampfflugzeug.

Sowohl die Air Force als auch Navy wollen zukünftig auf unbemannte Kampfflugzeuge setzen. Diese sollen die F-47 und F/A-XX als „Loyal Wingmen“ im Gefecht unterstützen und in neueren Versionen autonom Einsätze fliegen können. Das Projekt läuft derzeit unter dem Namen CCA – Collaborative Combat Aircraft.

Aktuell gibt es 2 Flieger in dem Programm: Anduril YFQ-44A und General Atomics YFQ-42A.

Drei moderne US-Kampfdrohnen YFQ-42A stehen nebeneinander auf einem Rollfeld in der Wüste.

General Atomics YFQ-42A

Die sehen beide simpler aus als das Flugzeug aus der Sichtung, was aber nicht heißt, dass die Maschinen in der nächsten Phase von CCA auch so aussehen werden. Boeing hat etwa schon in der Vergangenheit im Zuge von NGAD und F/A-XX Konzeptbilder für einen unbemannten Tailless-Kampfjet mit Canards gezeigt. 

Boeing-Konzept der F/A-XX mit Wingman-Drohne.

Boeing-Konzept der F/A-XX mit Wingman-Drohne

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