Science 24.11.2017

Mit der Virtual Reality-Brille den eigenen Darm erkunden

Mit der Virtual Reality-Brille den eigenen Darm erkunden
© AbbVie

Der Pharmakonzern AbbVie will Darmerkrankungen mit Virtual- und Augmented-Reality-Apps besser erfahrbar machen.

Schätzungen zufolge leiden zwischen 40.000 bis 80.000 Menschen in Österreich an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die unberechenbaren Erkrankungen, die oftmals zu schwerem Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen führen, sind nicht nur für die Betroffenen belastend, sondern haben sich mittlerweile auch zu einem wirtschaftlichen Problem entwickelt. Bereits 2010 wurde geschätzt, dass die jährlich durch CED verursachten Kosten 2,7 Milliarden Euro betragen.

Mit VR und AR erklären

Die Wiener Niederlassung des biopharmazeutischen Unternehmens AbbVie möchte hier mit mehr Aufklärung einen Beitrag leisten. AbbVie hat für Virtual (VR)- und Augmented/Mixed-Reality(AR)-Technologien Anwendungen entwickelt, die beim Verständnis der Erkrankung helfen sollen. So blendet die App auf Microsofts Augmented-Reality-Brille HoloLens virtuelle Zahlen, Daten, Texte, Grafiken und andere Objekte, etwa den schematischen Aufbau von Zellen und Molekülen, in den realen Raum ein. Die virtuellen 3D-Objekte können vom Nutzer bewegt, vergrößert oder ausgeblendet werden. Wenn mehrere Nutzer die App in Verbindung mit jeweils einer Brille gleichzeitig nutzen, sehen alle die gleichen Objekte und teilen sich somit einen virtuellen Raum.

Bei der VR-App geht es hingegen plastischer zu. Der Nutzer taucht in das virtuelle Modell beispielsweise eines Darmtraktes ein, der durchquert werden kann. Durch einen gezielten Blick kann man zoomen und beispielsweise das pathologische Gewebe näher anzeigen lassen. Von letzterer Funktion zeigten sich einige Ärzte, die die Lösungen im Feldversuch ausprobieren konnten, besonders begeistert. Insbesondere um Patienten den Sachverhalt zu erklären, sei die VR-Brille besonders praktisch. “Im Informationsaustausch zwischen Kollegen aber auch Arzt und Patient ist die plastische Darstellung stärker und hinterlässt spannende Eindrücke”, so Gernot Zauhar, Facharzt für Innere Medizin am Krankenhaus der Elisabethinen Graz.

AbbVie: Genauso revolutionär wie Mikroskop

“Als Kommunikationsmittel mit Patienten ist diese Technologie gut vorstellbar, um anschaulich zu demonstrieren, welche Therapieoptionen möglich wären”, meint auch Barbara Sutter, Fachärztin für Innere Medizin am LKH Hörgas-Enzenbach. So könnte man den Patienten beispielsweise demonstrieren, welche positiven Auswirkungen eine Therapie auf die Darmschleimhaut hätte. Doch auch in anderen Bereichen gäbe es großes Potenzial. “Was die VR-Brille betrifft, kann ich mir diese in der Ausbildung sehr gut vorstellen – wenn man jungen Kollegen realistische Fallbeispiele zeigen kann und wo auch eine Interpretation unterschiedlicher Befunde möglich ist”, erklärt Alexander Moschen, leitender Oberarzt von der Universitätsklinik für Innere Medizin Innsbruck. Insbesondere im Bereich der Endoskopie würde diese interaktive Visualisierung besser funktionieren als einfache Bilder.

Aber auch im Austausch zwischen Forschern und Experten könnte die Virtual-Reality-Brille Anwendung finden, beispielsweise um Erkenntnisse und Hypothesen zu visualisieren und gemeinsam zu diskutieren. AbbVie selbst sieht den Einsatz von VR und AR in der Medizin als einen wichtigen Meilenstein. “Ich bin fasziniert davon, es eröffnet neue Dimensionen, es ist spannend darüber nachzudenken, wie man mit dieser Technologie einen Unterschied machen kann”, sagt Ingo Raimon, General Manager von AbbVie in Österreich.

VR in der Medizin

Auch andere Niederlassungen von AbbVie haben bereits mit VR-Lösungen experimentiert. In den Niederlanden wurde beispielsweise eine App entwickelt, in der Ärzte in die Rolle eines Parkinson-Patienten beim Einkaufen schlüpfen könnten. Dabei sollten diese erfahren, mit welchen Herausforderungen Parkinson-Patienten im Alltag zu kämpfen haben. Andere VR-Apps sollten wiederum über die Hürden bei rheumatischen Erkrankungen und chronischer Augenentzündung aufklären.

Zudem kommen bereits jetzt Virtual-Reality-Brillen bei der Behandlung von Patienten zum Einsatz. So können VR-Simulationen zur Beruhigung verwendet werden, wodurch man zum Teil auf Anästhesie verzichten kann. Zudem geben Ärzte dank VR-Livestreams tausenden Menschen Einblick in komplexe Operationen, was früher nur einigen wenigen Medizinstudenten vorbehalten war. Dabei können sich die Nutzer dank 360-Grad-Aufnahme nahezu frei umsehen.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen AbbVie und futurezone

(futurezone) Erstellt am 24.11.2017