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eHealth Noch keine "Killer-App" für smarte Patienten .

Der Überall App Congress fand in der Marx-Halle in Wien statt.
Der Überall App Congress fand in der Marx-Halle in Wien statt. - Foto: Überall App Congress
Am Überall App Congress wurde am Donnerstag über den „smarten Patienten“ diskutiert. Die Experten glauben, dass Gesundheits-Apps die Patientenautonomie fördern.

„Wie und wann revolutioniert das Internet of Things die Gesundheitsbranche?“ So lautete das Thema der Podiumsdiskussion, moderiert von futurezone-Chefredakteur Gerald Reischl, am Überall App Congress in der Wiener Marxhalle am Donnerstag. Einer der geladenen Experten, Alexander Krenn, versucht mit mit dem „Vidameter“ selbst gerade, ein smartes Gesundheitsarmband zu entwickeln, das besonders dünn sein und besonders viel können soll.

„Mit dem Vidameter wollen wir Menschen gesünder, sicherer und fitter machen“, heißt es zum Projekt auf der Website. Vor kurzem wurde offiziell via Crowdfunding-Plattform Indiegogo mäßig erfolgreich Geld gesammelt. „Unser Produkt gibt es noch nicht am Markt“, so Krenn beim Überall App Congress. Man sei außerdem draufgekommen, dass es beispielsweise gar nicht so einfach ist, mit einer App seriöses Schlafmanagement zu betreiben. Ohne entsprechende Schlaf-Haube würde dies nicht funktionieren. „App-Entwickler müssen ehrlicher zu den Menschen sein und denen auch sagen, wenn etwas nicht funktioniert“, so Krenn, dessen Projekt von manchen Medien bereits als unrealisierbar, und damit auch unehrlich, bezeichnet wird.

Noch keine "Killer-App"

Obwohl es bereits viele verschiedene, erfolgreiche Gesundheits- und Fitness-Apps wie Runtastic oder MySugr am Markt gibt, ist Technologieberater Peter Halwachs bei der Diskussion der Meinung, dass es am Markt noch keine „Killer-App“ im Gesundheitsbereich gibt. Es gäbe viele gute Ideen, aber das Thema sei schwierig, so Halwachs. „Für manche bedeutet eHealth bereits, dass man einen Arzt-Termin per SMS buchen kann. In Skandinavien ist das ganz normal, bei uns eine Revolution“, fügt Halwachs hinzu. Er empfiehlt jungen Start-Ups, die sich in dem Bereich versuchen wollen, sich von Anfang an zu überlegen, ob sie „nur“ ein Fitness- und Lifestyle-Produkt entwickeln möchten, oder ein Medizinprodukt. Für Medizinprodukte gibt es nämliche zahlreiche strenge Kriterien.

Genau hier verschwimmen die Grenzen derzeit noch recht deutlich. Für Martin Gleitsmann von der WKO-Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit sind die Grenzen „fließend“. „Bei den Gesundheits-Apps tut sich bereits einiges“, so Gleitsmann. Vor allem im App-Bereich, der speziell auf die Probleme Jugendlicher abziele, gäbe es derzeit „einige interessante Experimente“.

Jugendliche Verhaltensänderung

„Bei den Gesundheitsproblemen der Jugend, Alkohol, Rauchen und Übergewicht, liegen wir ganz hinten in Europa. Mit Werkzeugen wie Apps kann man den Jugendlichen spielerisch vermitteln, wie ungesund sie sich verhalten und wie sie ihr Verhalten ändern können“, meint Gleitsmann, der gleichzeitig propagiert, dass die Jugendlichen, und die Menschen allgemein, Eigenverantwortung für ihr Verhalten übernehmen müssen.

„Das Stichwort durfte bei diversen Verhandlungen nicht einmal vorkommen. Aber ich glaube, jeder muss selbst bereit sein, mitzumachen, um ein smarter Patient zu werden. Selbstverständlich muss man diesen dann auf seinem Weg auch begleiten“, so Gleitsmann.

Gamification und Therapien

Auch Halwachs ist überzeugt davon, dass es im eHealth-Bereich durch neue Lösungen zu mehr Patientenautonomie kommen wird. „Man kann sein CT von einem anderen Arzt zweitbefunden lassen, auch die Patienten-Arzt-Kommunikation kann durch Tools verbessert werden. Mit Gamification-Ansätzen kann man außerdem die Therapietreue steigern“, so der Technologieberater. Als positive Beispiele nennt er die Diabetes-App MySugr und die App Pilot, eine Anwendung für künstliche Beinprothesen, die beim „Clash of the Apps“-Award den dritten Platz errungen hat. Halwachs warnt allerdings davor, dass für die Entwicklung von derartigen Lösungen „jahrelange Forschungsarbeit“ notwendig sei und dahinter stecke.

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Das Podium. - Foto: Barbara wimmer
Mark Kramer von der FH Hagenberg, der selbst viele Gesundheitsdaten von sich aufzeichnet und sich selbst als „Self Tracker“ bezeichnet, betont in der Diskussion, dass es im Web auch Portale wie „Patients like me“ gäbe, auf denen Kranke sich mit anderen Kranken im Web austauschen können. Er warnt zudem davor, sich all zu sehr auf Technologie zu verlassen. Als Gesunder wäre es kein Problem, jeden Schritt von sich aufzuzeichnen. „Doch was passiert aber, wenn wir krank sind?“

Daten in Patientenhand

„Sobald eine Person nicht mehr selbst entscheiden kann, was mit ihren Daten geschieht, ist es schwierig. Es wäre eine Katastrophe, wenn wir nicht mehr über unsere eigenen Daten bestimmen können. Dann wird es nicht mehr möglich sein kann, sich privat zu versichern. Wenn ein Sensor automatisch eine Krankheit an die Versicherung meldet“, warnt Firmenchef Krenn.

Solange die Datenweitergabe von persönlichen Gesundheitsdaten allerdings freiwillig erfolge, sieht Krenn keine Probleme. Krenn und Kramer sind überzeugt, dass diese Entwicklung auf jeden Fall kommen wird. „Das müssen die Menschen auf jeden Fall selbst entscheiden können, was sie von sich weitergeben“, sagt auch Gleitsmann von der WKO. Bei der SVA können Selbstständige bereits Selbstbehalte sparen, wenn sie „auf ihre Gesundheit schauen“ und mit der SVA Ziele vereinbaren würden, erwähnt Gleitsmann. Dieses „Bonus“-System sei begrüßenswert.

Darauf, ob wir künftig alle Sensoren nicht mehr am sondern im Körper tragen, wollten die Experten kaum Auskunft geben. „Das ist bereits Realität, etwa wenn man eine Medikamenteneinnahme messen kann. Da müssen wir uns allerdings die Frage stellen: Was ist ethisch vertretbar?“, sagt Gleitsmann. Kramer sieht diese Verknüpfung von Medikament und Sensor vor allem bei Krankheiten wie Alzheimer als sinnvolle Methode an.

Ambient Assisted Living

Doch wie wird die Entwicklung weitergehen? Firmenchef Krenn glaubt, dass es 2025 nicht viel Unterschied zur jetzigen Situation geben wird. Laut dem Forscher Kramer vor allem „Ambient Assisted Living“ (AAL) vollkommen natürlich sein. Der WKO-Vertreter Gleitmann ist ebenfalls dieser Meinung und glaubt, dass sich dann vieles darum drehen wird, technische Lösungen zu implementieren, damit alte Menschen nicht in Pflegeheime abgeschoben werden müssen. „Das wird zur staatspolitischen Aufgabe werden, dass alte Leute länger gesund bleiben.“

Technologieberater Halwachs glaubt, dass wir 2025 generell „gesünder sein werden als jetzt.“ „Schließlich haben wir es dann in unserer Hand. Wir werden durch die Verwendung neue Technologien bewusster mit unserer Gesundheit umgehen.“

(futurezone) Erstellt am 27.06.2014, 06:00

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