Bobak Ferdowsi beim Pioneers Festival 2015 in der Wiener Hofburg

© David Kotrba

Raumfahrt
06/02/2015

"Normalerweise sind die Astronauten berühmter"

"Mohawk Guy" Bobak Ferdowsi war vor kurzem in Wien zu Gast. Mit der futurezone hat der NASA-Techniker über Mars, Jupiter und ein Leben zwischen Technik und PR gesprochen.

von David Kotrba

Der NASA-Techniker Bobak Ferdowsi ist der Welt seit 2012 als "Mohawk Guy" bekannt. Auf dem Pioneers Festival in Wien bewies der US-Amerikaner, dass er wesentlich mehr als einen ikonischen Irokesen-Haarschnitt aufzuweisen hat. Vor seinem Vortrag über Raumfahrtpioniere sprach die futurezone mit dem neuen NASA-Star.

futurezone: Waren Sie von Beginn an beim diesjährigen Pioneers Festival dabei?
Bobak Ferdowsi: Ich war schon zwei Tage vor dem Beginn des Pioneers Festival in Wien. So hatte ich eine Chance, um Leute kennenzulernen und ein bisschen abzuhängen.

Wie nützen Sie das Start-up-Festival?
Ich will hier Leute für den Weltraum begeistern und spreche in meinem Vortrag darüber, was demnächst auf dem Gebiet der Raumerkundung passieren wird. Hier sind genau die Menschen, die man zum Nachdenken über Lösungsansätze für Raumfahrtprojekte bringen will.

Sie wurden ja durch die Curiosity-Landung im Jahr 2012 bekannt. Sie hatten da die Aufgabe des Flugdirektors. War Ihre Aufgabe mit der Landung des Rovers erfüllt?
Nein, sie verändert sich einfach. Der Transfer von der Erde zum Mars ist ein großer Schritt, aber auf der Marsoberfläche arbeiten wir ganz anders als während des Fluges zum Mars. Ich habe nach der Landung die Leitung über die Auswertung der technischen Daten, die vom Rover zur Erde kamen, übernommen und ich war einer der Planer für technische Aktivitäten.

Arbeiten Sie noch immer bei der Curiosity-Mission mit?
Nein, nicht mehr. Ich habe das für etwas mehr als ein Jahr nach der Landung gemacht. Dann bin ich zur Europa-Clipper-Studie gewechselt. Studie heißt es deshalb, weil es noch kein Projekt ist. Wir finden gerade heraus, ob es überhaupt zu einer Mission werden kann.

Die NASA will also zum Jupitermond Europa fliegen?
Ja, Europa ist der zweite Mond des Jupiter. Er ist faszinierend, weil er eine Eishülle hat. Und darunter vermuten wir einen wärmeren Ozean. Es gibt also Wärmeenergie, chemische Prozesse. Wir müssen unser Verständnis davon erweitern. Denn was wir uns wirklich fragen ist, ob Europa für Lebensformen bewohnbar sein könnte.

Wollen Sie erneut auf einem anderen Himmelskörper landen?
Nein, diesmal haben wir eine Mission im Auge, bei der eine Sonde 45 Mal an Europa vorbeifliegt. Bei jedem Vorbeiflug soll ein Haufen Daten gesammelt werden. Wir wollen eine Karte von Europa anfertigen, die chemischen Prozesse auf Europa verstehen. Wir wollen auch nach Wasserfontänen suchen. Aber im Grunde geht es um die eine große Frage.

Ob es Leben gibt?
Noch nicht wirklich, ob es Leben gibt. Das ist eine Frage für die weitere Zukunft. Die erste Frage ist, ob es Wasser gibt. Üblicherweise die wichtigste Frage. Ja, gibt es. Die zweite Frage ist, ob es Leben geben könnte. Und die dritte ist, nach welcher Art von Leben man suchen könnte.

Wären Sie bei dieser Mission erneut Flugdirektor?
Ich habe keine Ahnung. Das Lustige bei Missionen ist, dass sie jedes Mal anders sind. Jetzt gerade habe ich den selben Job, den ich am Anfang der Curiosity-Mission hatte. Der nennt sich Flugplanung. Das ist es, was ich an meinem Job mag. Man wiederholt niemals genau dasselbe.

Verfolgen Sie die Curiosity-Mission immer noch mit?
Das tue ich meistens. Ich habe Freunde, die immer noch bei Curiosity mitarbeiten. Natürlich habe ich auch eine starke persönliche Verbindung dazu. Ich habe fast zehn Jahre an dem Projekt gearbeitet.

Sie haben ja die Universität beendet und sind sofort im Jet Propulsion Laboratory der NASA gelandet, richtig?
Ja, ein ziemlich großartiger erster Job. Es ist ein bisschen verrückt, wenn man darüber nachdenkt, aber ich habe Freunde, deren erster Job nach dem College die Steuerung eines Rovers am Mars war. Es ist ein merkwürdiger Arbeitsplatz, sehr speziell.

Mussten Sie viele PR-Aktivitäten für die NASA übernehmen, nachdem Sie 2012 so bekannt geworden sind?
Überhaupt nicht. Die NASA ist da großartig. Mein Job war immer der eines Technikers. Sie waren sehr zuvorkommend und haben mich in die Öffentlichkeitsarbeit eingeführt. Sie sind großzügig und lassen mich Urlaub nehmen. Jetzt gerade bin ich beispielsweise auch auf Urlaub. So lange ich meinen Fulltime-Job bewältigen kann, sind sie glücklich. Sie wünschen sich klarerweise Leute, die ihre Botschaft in die Welt hinaus tragen und mir gefällt es, das zu machen.

Für die NASA ist das ja auch eine große Gelegenheit, jemanden zu haben, auf den die öffentliche Aufmerksamkeit gerichtet ist.
Ja, mein Fall ist ziemlich einzigartig, denn normalerweise sind ja die Astronauten berühmter. Es ist ein bisschen ungewöhnlich für jemanden bei der NASA, der kein Astronaut ist, diese Art von Aufmerksamkeit zu erhalten. Und das ist gut so, denn wir wollen die Leute wissen lassen, dass die NASA mehr ist als Astronauten. Es gibt tausende Leute, die all diese Missionen in die Tat umsetzen.

Machen Sie das immer so, dass Sie im Urlaub Interviews geben?
Ja, das ist der leichtere Weg, um dazu zu kommen. Ich denke mir, dass ich als Kind sehr von Leuten profitiert habe, die ihre Zeit geopfert haben, um Vorträge zu halten, Interviews zu geben, darüber zu sprechen, was sie motiviert hat. Darunter Astronauten und Wissenschaftler, die an die Schule gekommen sind, um über ihren Job zu erzählen. Jetzt möchte ich eine neue Generation von Menschen dazu bringen, etwas Ähnliches wie ich zu tun.

Zur Person

Bobak Ferdowsi wurde 1979 in Philadelphia geboren. Nach dem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik arbeitete er für die NASA. Während der Live-Übertragung der Landung des Mars-Rovers Curiosity fiel Ferdowsi vielen Zusehern durch seinen Irokesen-Haarschnitt auf. Der "Mohawk Guy" erlangte schnell Kultstatus im Internet. Auch US-Präsident Barack Obama zollte Ferdowsi als NASA-Aushängeschild Respekt: "Ihr Leute seid viel cooler als früher."