Symbolbild Wüste

Symbolbild Wüste 

© pexels
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Science

Wie sich China gegen Wüsten wehrt

Seit spätestens 1978 versucht sich China gegen die Ausbreitung von Wüsten zu wehren. Damals wurde das “Three-North Shelter Forest Program” ins Leben gerufen, das heute auch unter dem Namen “Große grüne Mauer” bekannt ist. Mit dem Projekt soll die Ausbreitung der Wüste Gobi gestoppt werden, indem Bäume und Sträucher um die Wüste gepflanzt werden. 

Denn die zunehmende Ausbreitung von Wüsten ist ein Problem für die in China lebenden Menschen. Denn dadurch kommt es häufiger zu Sandstürmen aber auch zu Schwierigkeiten in der Landwirtschaft, weil zum Beispiel die Fruchtbarkeit des Bodens geringer wird. Zum einen handelt es sich dabei um eine Folge des Klimawandels, zum anderen wurde das Problem durch Überweidung oder Rodung verstärkt. 

➤ Mehr lesen: China will mit alten Windrädern die Verwüstung stoppen

Um die Verwüstung zu stoppen, wollen Forschende aus China tausende Hektar Wüste mit Cyanobakterien, die auch als Blaualgen bezeichnet wurden, besiedeln. Die Organismen sollen Sand stabilisieren und eine Basis für weitere Pflanzen schaffen, berichtet die South China Morning Post.  

Cyanobakterien gegen Wüsten 

Im Nordwesten Chinas in der autonomen Region Ningxia Hui befindet sich die Shapotou Desert Experimental Research Station. Dort werden spezielle Cyanobakterien gezüchtet, die mit extrem hohen Temperaturen und Dürre zurechtkommen sollen.   

Regnet es, können sie sich laut den Forschenden "extrem schnell" ausbreiten. Durch die Cyanobakterien bildet sich dann eine Kruste auf dem Wüstensand, die den Boden stabilisiert und vor weiterer Erosion durch Wind schützt. Diese Krustenbildung findet auch natürlich statt, dauert jedoch laut Zhao Yang, dem stellvertretenden Leiter der Forschungsstation, rund 10 Jahre

Bakterien als Klebstoff für Sand

Statt auf die natürliche Besiedelung der Bakterien zu warten, haben die Forschenden den Prozess der Krustenbildung beschleunigt. Dafür haben sie spezielle Cyanobakterien gezüchtet, wodurch es möglich war, die Krustenbildung auf 2 bis 3 Jahre zu verkürzen

Laut den Forschenden hält die Kruste Winden mit einer Geschwindigkeit von bis zu 36 km/h stand. „Die Kruste wirkt wie Klebstoff, hält den Sand an Ort und Stelle und verhindert gleichzeitig das Eindringen invasiver Pflanzen“, sagt Li Xinrong, einer der Forschenden des Instituts.  

➤ Mehr lesen: China hat Prototyp zur Herstellung hochmoderner Computerchips

Cyanobakterien sprühen 

Ganz neu ist die Methode allerdings nicht. Die Forschenden arbeiten seit mehr als einem Jahrzehnt daran, wie NewScientist berichtet. Zu Beginn kam es zu Problemen, weil die Bakterien zwar im Labor überlebten, aber nicht im Freiland. 

Im Jahr 2016 nutzten Zhao und sein Team eine Methode, bei der sie die Cyanobakterien mit hohem Druck in die Böden sprühten. So erhöhte sich die Überlebensrate der Bakterien auf über 60 Prozent. Dann trat aber ein neues Problem zu Tage. Denn um Bakterien großflächig auszubringen, waren die Forschenden auf Infrastruktur wie Straßen oder Elektrizität angewiesen, die in entlegenen Regionen nicht immer vorhanden sind. 

➤ Mehr lesen: China baut eine "schwimmende künstliche Insel" samt Atom-Bunker

Samen aus Cyanobakterien

Zhao und sein Team kreuzten die gezüchteten Cyanobakterien mit einem speziellen Bakterienstamm, der aus der Bodenkruste der Tengger-Wüste entnommen wurde, und stellten eine Art “Samen” daraus her. Dafür wurden die Bakterien mit organischem Material und feinen Partikeln zu einer Art Paste vermischt. Die "Samen" können so leichter transportiert werden. 

Auch diese “Samen” sollen eine hohe Überlebensrate aufweisen. „Die neue Methode wurde bereits umgesetzt. Allein das von mir betreute Versuchsfeld umfasst eine Fläche von 33,3 Hektar, ganz zu schweigen von den Feldern, die von meinen Kollegen in anderen Teilen Chinas betreut werden“, sagt Zhao.

Ein Zukunftsprojekt? 

Wie auch bei Chinas “großer grüner Mauer” wird die Zeit zeigen, ob das Projekt erfolgreich ist. Wie Forbes berichtet hat, wurden bis 2025 30 Millionen Hektar Land mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt.

Eine im Jahr 2023 veröffentlichte Studie kommt zum Ergebnis, dass nur 10 Prozent der in den vergangenen 40 Jahren gepflanzten Bäume noch leben. Das liegt beispielsweise an Monokulturen oder Wahl von falschen Baumarten.

Wie auch die Forschenden betonen, sind die Samen abhängig vom Regen, den es in der Wüste bekanntermaßen nicht häufig gibt. Darüber hinaus fehlen Langzeitstudien und es bleibt abzuwarten, wie sich der weiter fortschreitende Klimawandel auf Projekte wie diese auswirkt. 

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Sandra Czadul

Begeistert von Wissenschaft und stets auf der Suche nach Ideen, die uns voranbringen.

mehr lesen
Sandra Czadul

Kommentare