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Preisverleihung Ars Electronica: Von Revolution bis Datenschutz.

Foto: Ars Electronica
Die diesjährigen Gewinner des renommierten Medienkunst-Preises “Prix Ars Electronica” stehen fest. In insgesamt sieben Kategorien wurden 2012 Projekte aus 72 Ländern eingereicht. Auf besonderes Interesse stieß die Kategorie “Digital Music & Sound Art”. Einige Siegerprojekte widmen sich den Revolutionen im arabischen Raum.

Im Vorfeld der Ars Electronica, die 2012 unter dem Motto "The Big Picture - Weltbilder für die Zukunft" stattfindet, wurde auch heuer wieder der Medienkunstpreis "Prix Ars Electronica" vergeben. Die Goldenen Nicas, die sogenannten "Oscars der Medienkunst", sind in sieben Kategorien unterteilt: Hybrid Art, Computer/Animation/Film/VFX, Interactive Art, Digital Music & Sound Art, Digital Communities, The Next Idea voestalpine Art and Technology Grant und den Jugendwettbewerb u19 Creat Your World. Ergänzend wird in jeder Kategorie auch ein "Award of Distinction" als besondere Auszeichnung verliehen.

Insgesamt wurden 3674 Projekte aus 72 Ländern eingereicht, die an dem Bewerb teilnahmen. Besonders gefragt war diesmal die Kategorie "Digital Music & Sound Art", für die es 834 Einreichungen gab. Dahinter folgte "Computer/Animation/Film/VFX" mit insgesamt 721 Einreichungen. Thematisch widmeten sich einige Projekte den Revolutionen und politischen Umbrüchen im arabischen Raum. So griff etwa das heimische Siegerprojekt des u19-Jugenwettbewerbs die Geschehnisse in Ägypten vom vergangenen Jahr auf.

Von Hitchcock bis Datenschutz
Die diesjährigen Gewinner-Projekte sind wieder gewohnt vielfältig. Die Themen reichen von der Verarbeitung eines Hitchcock-Klassikers über Sounderzeugung durch die Beschleunigung von Elementarteilchen bis hin zu brandaktuellen Datenschutz-Fragen.

Rear Window Loop nennt sich die Gewinner-Arbeit in der Kategorie "Computer/Animation/Film/VFX". Darin bedient sich der aus Luxemburg stammende Jeff Desom des Hitchcock-Klassikers "Fenster zum Hof" aus dem Jahr 1954. Desom verdichtet den Hitchcock-Film zu einem dreiminütigen Zeitraffer-Video, bei dem die berühmten Hinterhofansichten des Originals zu einer neuen Collage zusammengesetzt werden. Zum Einsatz kommen dabei der sogenannte Tilt-Shift und andere fotografische Effekte. "Da alles aus so ziemlich demselben Winkel aufgenommen wurde, konnte ich die einzelnen Einstellungen ohne große Verzerrungen in eine einziges Panorama des gesamten Hinterhofs einpassen", sagt Desom.

Die Goldene Nica in der Kategorie "Interactive Art" holte sich das Projekt Memopol 2 aus Estland. Dabei werden Informationen über Personen abgebildet, sobald deren Pass in eine Maschine geschoben wird. Diese durchforstet Datenbanken und das Internet und stellt gefundene Daten anschließend auf einem großen Display dar. In Zeiten von Social Networks und Vorratsdatenspeicherung machen die Künstler mit Memopol 2 auf Datenschutzfragen aufmerksam und konfrontieren die Menschen mit ihren virtuellen Abbildern.

Die am meisten gefragte Kategorie, "Digital Music & Sound Art", konnte das Projekt Crystal Sounds of a Synchroton von Jo Thomas aus Großbritannien für sich entscheiden. Dabei steht ein Synchotron im Mittelpunkt, dieses dient dazu Elementarteilchen auf extrem hohe Geschwindigkeiten zu beschleunigen, wodurch eine facettenreiche Kakaphonie erzeugt wird. Die Künstlerin konzentrierte sich auf die Injektion der Elektronen und arrangierte daraus Mikromelodien in der Länge von insgesamt 38 Minuten.

Bakterien und politischer Umbruch
Gewinner der Kategorie "Hybrid Art" ist das Projekt bacterial radio von Joe Davis, US-amerikanischer Künstler und Forscher. Er entwickelte ein Radio mit Schaltkreisen, die zur Gänze aus genetisch veränderten Bakterien bestehen.

Bei den "Digital Communites" punktete dieses Jahr eine Gruppe von syrischen Künstlern mit ihrem Projekt Syrian people know their way. Dabei geht es um den demokratischen Umbruch im Land, der von den Grafikern, Filmemachern, Musikern und Bloggern unterstützt wurde. Über Social Media und visuelle Statements vermittelt die Gruppe ihre politischen Ansätze und will damit auch anderen Menschen Perspektiven bieten.

The Next Idea
Mit dem von der voestalpine gesponserten Preis "The Next Idea" wurden die Schweizer Christoph Wachter und Mathias Jud für ihr Projekt qual.net - tools for the next revolution ausgezeichnet. Die Arbeit hinterfragt bestehende Kommunikationspfade und zeigt mögliche Alternativen auf. Was passiert, wenn Machtapparate totalitärer Staaten oder schlichtweg Naturkatastrophen zu einem langanhaltenden Stromausfall führen? Darauf wollen die Künstler eine Antwort geben und bedienen sich dabei etwa eines offenen Kommunikationsprinzips, in dem Computer oder WLAN spontane Netzwerke bilden können. Chat- oder Twitterfunktionen wird dann unabhängig von Internet und Mobilfunk möglich.

Nicht zuletzt gab es auch 2012 wieder einen Jugendpreis, den u19 - Create Your World. Dieser ging an die Österreicherin Agnes Aistleitner, die sich mit dem Projekt state of revolution auf die Spuren der Revolution in Ägypten begeben hat. Vor Ort versuchte sie als Außenstehende das Geschehen zu betrachten und befragte Leute auf der Straße und auf Märkten. Mehr zu der Kategorie und der Gewinnerin erfahren Sie auf Kiku.at.

Offizielle Verleihung im August
Die offizielle Preisverleihung wird auch heuer wieder im Rahmen der Ars Electronica, die am 30. August startet, über die Bühne gehen. Der Prix Ars Electronica ist mit Preisgeld von 117.500 Euro jährlich der höchstdotierte Preis für Computerkunst weltweit.

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(futurezone) Erstellt am 08.05.2012, 12:10

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