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Kriminalstatistik Cybercrime steigt in Österreich um 112 Prozent.

Foto: AP
Die polizeiliche Anzeigenstatistik des Jahres 2012 würde auf den ersten Blick wenig spektakulär anmuten, wären da nicht die Taten von Cyberkriminellen, deren Ausmaß in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert ist. Mit 10.231 Anzeigen haben sich die Fälle von IT-Kriminalität mehr als verdoppelt.

Österreichs Ermittler versuchen seit geraumer Zeit Schwerpunkte bei den von ihnen so genannten „Big Five" der Deliktsformen zu setzen: Das sind nach Koglers Definition Einbrüche, Auto-Diebstähle, Gewaltdelikte, Cybercrime und Wirtschaftskriminalität.

Unter das Kapitel IT-Kriminalität fielen im Vorjahr 10.231 Anzeigen, das waren um 112,6 Prozent mehr als 2011. Beim Betrug durch Missbrauch des Internet wurden mit 5.070 angezeigten Fällen um 149,4 Prozent mehr als im Jahr davor gezählt. Mit 680 angezeigten Hackerattacken gab es gar um 182,2 Prozent mehr als 2011. Lang: „Im gesamten Netz wird jede Sekunde Tag und Nacht gehackt." Sei es früher modern gewesen, auf der FBI-Homepage einen springenden Hasen zu hinterlassen, gehe es den Tätern jetzt um Geld. „Und das sind Millionen." Auch die Phishing-Fälle stiegen um 114,1 Prozent - 394 Anzeigen gab es 2012.

Weltweit sind die Polizeibehörden dabei, auf die neue Herausforderung zu reagieren. Interpol hat die IT-Außenstelle in Singapur eingerichtet, bei Europol ist seit kurzem das Kompetenzzentrum Cybercrime in Betrieb und auch das Innenministerium hat das Cybercrime Competence Center C4 eingerichtet. Dieses soll 2013 und 2014 personell und fachlich massiv aufgerüstet werden. Bis Ende nächsten Jahres sollen 49 IT-Spezialisten statt jetzt 15 dort ihren Dienst versehen. Auch in den Bundesländern sollen die Beamten durch entsprechende Weiterbildung besser auf das Phänomen vorbereitet sein.

Betrugsfälle
Betrugsanzeigen gab es um 28,1 Prozent mehr als 2011. Insgesamt wurden 26.741 Fälle, um knapp 6.000 mehr als im Jahr davor, registriert. Diese Steigerung geht Lang zufolge vor allem auf das Konto des Cybercrime. Vor allem im Bereich der Vermögenssicherung wollen die Ermittler ihre Bemühungen verstärken, denn es tue Kriminellen am meisten weh, wenn man ihnen das Geld abnehme, zeigten sich die Experten überzeugt.

Einbrüche
Das Niveau bei Einbrüchen in Wohnungen und Häuser wurde in etwa gehalten. Mit 15.479 Anzeigen im Jahr 2012 gab es sogar einen leichten Rückgang um 0,9 Prozent gegenüber 2011. Unter den ausgeforschten Tatverdächtigen befanden sich laut Lang etwa 70 Prozent Fremde, an der Spitze des Nationalitäten-Rankings standen Rumänen, Serben und Georgier.

„Die Täter sind uns großteils bekannt, die haben wir schon 2004 und 2008 festgenommen", sagte der BK-Direktor. In Zahlen: Etwa 51 Prozent der Ausgeforschten sind Wiederholungstäter. Lang räumte aber ein, dass es große Anstiege bei Kellereinbrüchen gibt, was als Phänomen der Beschaffungskriminalität eingeschätzt wird.

Als Erfolgsgeschichte wird die Arbeit der Soko Kfz eingeschätzt. Gegenüber 2011 gab es mit 4.446 angezeigten Autodiebstählen einen Rückgang um 13,8 Prozent. Lang zufolge habe man eine Verschiebung ins benachbarte Ausland beobachtet. In Deutschland etwa würden Steigerungsraten bei solchen Delikten um bis zu 25 Prozent verzeichnet.

Gewaltdelikte
Anstiege gab es in den vergangenen Jahren bei Gewaltdelikten. So beobachteten die Ermittler bei den vorsätzlichen Tötungen (Paragrafen 75,76 und 79 Strafgesetzbuch) mit 82 vollendeten Delikten Steigerungsraten um 15,5 Prozent und mehr. 2010 waren es noch 53 vorsätzliche Tötungen, 2011 schon 71 und 2012 noch einmal mehr mit 82, was 15,5 Prozent mehr als im Jahr davor bedeutete. Aber, so Lang und der zuständige Abteilungsleiter im BK, Ernst Geiger: Von den dreistelligen Zahlen der 80er- und 90er-Jahre sei man weit entfernt. Auch die Sexualmorde und Unterweltschießereien gebe es nicht mehr, ein Gros der Taten spielt sich im Verwandten- und Bekanntenbereich ab.

Bei den vorsätzlichen Körperverletzungen gab es mit 41.333 Anzeigen einen Zuwachs um 2,3 Prozent gegenüber 2011. Anzeigen wegen Sittlichkeitsdelikten nach den Paragrafen 201, 202, 205, 206, 207, 207a und 207b StGB stiegen um 0,1 Prozent gegenüber 2011 (2.766 Anzeigen gegenüber 2.763) an.

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(futurezone/apa) Erstellt am 05.02.2013, 15:00

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