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Frauennetzwerk Digitalista: "Wir wollen von Männern lernen".

Foto: Teresa Hammerl
Seit kurzem gibt es in der österreichischen Digitalbranche ein neues Frauennetzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Der futurezone verrät Vereinsobfrau Elisabeth Oberndorfer warum sich Digitalista von der Politik eigentlich gar nichts wünscht und wieso Männer ein Vorbild für Frauen sein können.

Die Mission ist klar: Frauen in der heimischen Digitalbranche sollen beruflich und persönlich gefördert werden. Den Onlinerinnen soll zu mehr Selbstbewusstsein verholfen und generell sollen mehr Frauen in Führungspositionen gebracht werden. Digitalista, so der Name des kürzlich gestarteten Frauennetzwerks, will den Frauen in ihrem Berufsleben zur Seite stehen, regelmäßige Networking-Events veranstalten und Mitgliedern den Austausch mit erfolgreichen Frauen und Männern aus der Branche ermöglichen.

Gegründet wurde der in Wien ansässige Verein von insgesamt neun jungen Frauen. Obfrau ist Elisabeth Oberndorfer, die derzeit als stellvertretende Chefredakteurin von Werbeplanung.at sowie als freie Journalistin arbeitet. Vergangene Woche fand der Auftaktevent von Digitalista statt, bei dem sich um die 50 Frauen aus der Online-, Medien- und Agenturbranche zusammenfanden.

"Ich bekomme oft von Frauen zu hören, sie wissen nicht genug über ein Thema, um darüber interviewt zu werden oder ein Seminar zu halten. Bei Männern passiert mir das nie", erklärt Oberndorfer die Überlegungen, die der Vereinsgründung vorausgingen: "Gleichzeitig ist mir selbst aufgefallen, dass ich mich auch ständig unter Wert verkauft habe." Zudem sei die Digital-Wirtschaft zwar sehr weiblich, die oberen Plätze jedoch weiterhin für Männer reserviert. "Vielleicht, weil wir diese einfach nicht genug einfordern. Wir stehen uns oft selbst im Weg und scheitern an uns selbst, weil wir zu wenig an uns glauben", so Oberndorfers Analyse. Digitalista sei schließlich deshalb entstanden, weil die neun Gründerinnen daran glauben, dass Frauen große Chancen in der Digitalbranche haben.

Zielgruppe
"Wir sprechen alle Digital-Workers im weitesten Sinne an: Das kann eine Marketing-Managerin sein, eine Entwicklerin oder eine Webdesignerin - oder aber auch einfach alle, die Interesse an digitalen Berufen haben und einsteigen möchten", sagt Oberndorfer. Wie groß der Bedarf nach einem solchen Netzwerk sei, war den Initiatorinnen laut der Obfrau vor dem offiziellen Start noch gar nicht so klar. "Viel höher als erwartet. Auch wenn unsere Generation schon emanzipiert ist, wir verfallen immer wieder in alte Verhaltensmuster."

Daher betrachtet Digitalista es auch als Aufgabe, das Selbstbewusstsein der Frauen in der Digitalbranche zu stärken. "Wir wollen ein Umfeld zum Austausch und Netzwerken schaffen, in dem Frauen ihre Anliegen äußern können", erklärt Oberndorfer.

Digitalista
Der Auftakt-Event zur Netzwerk-Gründung fand am 13. Februar in Wien statt - Foto: Teresa Hammerl

Konkrete Maßnahmen
Mit regelmäßigen Events will die Initiative auch die Weiterbildung fördern und ihren Mitgliedern zeigen, "wie sie gezielt an ihrer Karriere arbeiten können". So sollen einerseits fachliche Themen behandelt werden, andererseits will sich der Verein erfolgreiche Frauen aus der Wirtschaft holen, die aufzeigen, wie die "gläserne Decke" druchbrochen werden kann. "Außerdem wollen wir von Männern lernen", sagt Oberndorfer. Sie hole sich selbst gerne Karrieretipps beim männlichen Geschlecht. "Weil Männer oft zielstrebiger sind und sich nicht von etwaigen Hürden ablenken lassen."

Österreichische Freunderlwirtschaft
Vor allem im industriellen bzw. in traditionellen Bereichen haben es Frauen in Österreich noch besonders schwer, glaubt die Digitalista-Obfrau. Die gute Nachricht sei, dass Frauen in der Digitalbranche sehr willkommen seien und es daher in dem Bereich sogar einfacher sei als anderswo. "Online boomt, der Markt ist nach wie vor jung, es gibt viele Jobs und sogar Fachkräftemangel", sagt Oberndorfer. Daher habe man mit der Initiative wirklich realistische Chancen, etwas zu verändern.

Im Gegensatz zu anderen Ländern gebe es in Österreich aber auch ganz spezielle Probleme. "Top-Jobs werden in der Regel nicht nach Kompetenz vergeben, sondern nach Freunderlwirtschaft und Parteibuch", kritisiert Oberndorfer. Das mache es noch einmal schwerer für gut ausgebildete Frauen. Auch im Bereich der Start-ups ist der Frauenanteil hierzulande noch sehr gering - ebenfalls ein Motivationsgrund für die jungen Frauen, das Netzwerk zu gründen. Im Vergleich zum Silicon Valley, wo der Markt natürlich auch viel größer ist, gibt es in Österreich sehr viel weniger Gründerinnen. "Dort gibt es aber auch schon viel mehr Initiativen, um Frauen zu fördern", so Oberndorfer weiter.

Von politischer Seite erwünscht sich die Initiative allerdings nichts. "Die soll sich lieber um andere Baustellen kümmern. Ich denke, die Wirtschaft braucht nicht unbedingt die Politik, um die erläuterten Umstände zu ändern", meint die Netzwerk-Initiatorin. Es gehe vielmehr um persönliche Einstellungen und Bewusstseinsförderung.

Der Kampf gegen Klischees
Die Reaktionen auf das neu gegründete Frauennetzwerk seien bisher zu 99 Prozent positiv gewesen - sowohl von weiblicher als auch von männlicher Seite. "Es gab natürlich auch Kritik, dass wir pauschalieren und uns ein Problem konstruieren würden, mehrheitlich von männlicher Seite", räumt Oberndorfer ein, die die Skepsis ein Stück weit nachvollziehen kann. "Allerdings muss man, glaube ich, in den Schuhen einer Frau stecken, um zu verstehen, dass die Beweggründe von Digitalista nicht an den Haaren herbei gezogen sind."

Die Initiative müsse sich schon immer wieder vorwerfen lassen: "Ihr diskriminiert ja uns Männer", sagt Oberndorfer. "Dem halten wir aber entgegen, dass es jedem Mann offen steht, ebenfalls ein Netzwerk zu gründen." Außerdem, so betont die Obfrau, verstehe sich Digitalista keinesfalls als Initiative gegen Männer, sondern für Frauen. "Wir sind für ein Miteinander und freuen uns, dass wir zum Start Unterstützung von vielen männlichen Kollegen angeboten bekommen haben", so Oberndorfer.  Zu der Thematik haben sich die Digitalista-Gründerinnen inzwischen auch in einem eigenen Blogeintrag geäußert.

Ziele
Letztlich bleibt die Frage: Was wäre ein wirklicher Erfolg für Digitalista, was wünscht sich die Initiative? "Mehr Frauen im Management, ein weiblicher Anteil von 50 Prozent unter den heimischen Start-up-Foundern und Panels mit vielen Frauen", sagt Oberndorfer. "Ich bin mir sicher, in diesem Land gibt es genug Frauen, die über digitale Themen sprechen können."

Der nächste Event von Digitalista wird am 15. Mai stattfinden und sich mit dem Thema "Digital Storytelling" befassen. Auf Twitter findet man das Netzwerk ebenso wie auf Facebook. Wer Mitglied werden möchte, findet alle notwendigen Infos dazu auf der Digitalista-Webseite.

(futurezone) Erstellt am 21.02.2013, 01:00

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