Zur mobilen Ansicht wechseln »

Studie Offliner: "Das Internet kostet zu viel Zeit".

Foto: ap/axel heimken
1,4 Millionen Österreicher nutzen das Internet nicht und gelten als sogenannte Offliner. Das Institut für Strategieanalysen hat nun die Gründe dafür untersucht und herausgefunden, dass sich die Motive sehr stark - je nach Altersgruppe - unterscheiden und dass die Internet-Verweigerer keineswegs medienabstinent sind. Die futurezone hat sich die Ergebnisse angesehen und mit dem Studienleiter gesprochen.

In Österreich gibt es zahlreiche Menschen, die sich bewusst gegen eine Nutzung des Internets entscheiden. So hat die Studie des Instituts für Strategieanalysen ergeben, dass ein Großteil der Offliner sich freiwillig dafür entschieden hat und nicht in erster Linie durch technische Hürden, mangelndes Wissen oder zu wenig Erfahrung vom Netz abgeschnitten ist. Einem Großteil der Befragten fehlt schlichtweg das Interesse. Es gebe keinen Bedarf dafür, sagen stolze 36 Prozent.

"Die mangelnde Kompetenz ist scheinbar nur ein Hindernis zweiter Klasse, die durch das fehlende Interesse nicht schlagend wird. Allerdings lassen sich Kompetenz und Interesse nicht voneinander trennen. Wenn jemand eine Leseschwäche hat, wird er auch angeben, dass er an Büchern kein Interesse hat", erklärt Flooh Perlot, der die Studie zusammen mit Peter Filzmaier und Thomas Holzinger verfasst hat, gegenüber der futurezone.

Faktor Zeit ist wichtig
Doch die Motive für das Fernbleiben des Internets unterscheiden sich je nach Altersgruppe und Erfahrungen. Bei den Menschen, die das Internet bereits einmal ausprobiert haben oder es beruflich nutzen, spielt oft der Faktor Zeit eine große Rolle. "Viele wollen damit nach der Arbeit nichts mehr zu tun haben, weil dadurch die Freizeit zu sehr beschnitten wird. Sie gehen lieber raus in die Natur", meint Perlot.

Das Internet koste zu viel Zeit und man könne sich bei der Nutzung nur sehr schwer selbst beschränken, heißt es bei den Studienergebnissen. Dieses Ergebnis trifft vor allem auf Offliner zu, die bereits Erfahrungen mit dem Netz gemacht haben - darunter fallen viele der jüngeren Befragten. Diese stehen dem Internet generell auch positiver gegenüber als die Älteren. "Die Kluft beginnt ab 60, hier gibt es einen Bruch", so Perlot. So beträgt der Anteil der Offliner bei den über 60-Jährigen 40 Prozent, bei den über 70-Jährigen 70 Prozent.

Mangelnde Erfahrungen
72 Prozent der Befragten haben mit dem Internet noch keine Erfahrung gemacht und fragen sich "Warum soll ich mir das antun?" Sie zeigen keinerlei Interesse für das Medium, ihnen fehlt auch großteils das Bewusstsein für die Einsatzmöglichkeiten. Hier würden laut Perlot auch Schulungen nichts nutzen, da ein gewisses Grundinteresse Voraussetzung wäre. Während es bei den Altersgruppen der Offliner markante Unterschiede gibt, ergab die Studie laut Perlot kein Stadt-Land-Gefälle. Perlot dazu: "Die technische Infrastruktur spielt bei der Entscheidung, offline zu sein, nur eine untergeordnete Rolle."

Nicht medienabstinent
Offliner sind allem Anschein nach zudem keineswegs medienabstinent: Alle Befragten besitzen ein TV-Gerät, drei Viertel ein Handy. 80 bis 90 Prozent sind zudem Medien wie die Tageszeitung, TV und Radio wichtig bis sehr wichtig. Den älteren sind ebendiese Medien etwas wichtiger als den jüngeren Befragten. Keine Altersunterschiede gab es allerdings beim Sicherheitsaspekt des Internets. Das Internet sei zu unsicher und persönliche Daten seien gefährdet, heißt es von einigen der Befragten. 31 Prozent würden es gar als Anreiz sehen, das Netz zu nutzen, wenn es plötzlich sicherer werden würde.

Kein Interesse
Das Interesse an einer zukünftigen Beschäftigung mit dem Internet ist allerdings generell eher gering. Die Offliner werden auch in Zukunft großteils offline bleiben, auch wenn es praktisch alle für einen fixen Bestandteil der Gesellschaft halten. Ein größeres Problem sieht Perlot in der Abkapselung vom Internet allerdings nicht: "Wenn sich die Menschen selbst dafür entscheiden, und es nicht durch technische Hürden oder mangelnde Kompetenz auferlegt ist, bleibt es jedem selbst überlassen."

Die qualitative Studie (PDF) wurde zwischen Jänner und August 2011 durchgeführt. Es wurden 1000 Personen telefonisch befragt und anschließend kam es zu Tiefeninterviews.

(futurezone) Erstellt am 02.09.2011, 06:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!