Zur mobilen Ansicht wechseln »

Patchy Colloids TU Wien untersucht selbstbauende Moleküle.

Foto: TU Wien
An der TU Wien untersucht man Partikel, die sich automatisch zu kristallartigen Strukturen zusammenfügen. Sie werden als “Patchy Colloids” bezeichnet und stellen ein neues Hoffnungsgebiet für die Materialforschung dar.

Patchy Colloids sind mikroskopisch kleine Partikel, die aneinander andocken und sich ganz von selbst zu komplizierten Strukturen formieren können. Sie könnten in der Materialwissenschaften bald eine neue Rolle spielen. Es zeichnet sich nämlich eine völlig neue Methode ab, solche Partikel herzustellen.

Welche faszinierenden Möglichkeiten die Patchy Colloids bieten könnten, wird schon seit Jahren theoretisch untersucht. „Man kann sich diese Partikel wie winzige Kügelchen vorstellen, die an ihrer Oberfläche eine bestimmte Anzahl klebriger Andockstellen haben", erklärt Emanuela Bianchi vom Institut für Theoretische Physik an der TU Wien.

Je nach Art und der Anzahl der Andockstellen (den sogenannten „Patches"), durch die sich die Partikel miteinander
verbinden können und abhängig von äußeren Bedingungen können sich die Teilchen zu einer geordneten Struktur zusammenfügen – ähnlich wie einzelne Atome, die gemeinsam einen Kristall bilden.

Besonders interessant sind solche Strukturen für die Optik: „Wenn es gelingt, aus Kolloiden diamantartige Strukturen zu erzeugen, dann könnte man sogenannte photonische Kristalle herstellen", sagt Bianchi. Mit solchen photonischen Kristallen könnte man Lichtwellen ganz gezielt manipulieren.

Geladene Polymer-Sterne bilden veränderliche Patches auf der Oberfläche von Kolloiden mit entgegengesetzter Ladung.<br />
Geladene Polymer-Sterne bilden veränderliche Patches auf der Oberfläche von Kolloiden mit entgegengesetzter Ladung.
- Foto: TU Wien

Synthese von Patch Colloids schwierig
Die Synthese solcher Patchy Colloids ist allerdings schwierig. Das Ausgangsmaterial dafür sind normalerweise gewöhnliche Kolloide: Partikel (in der Größe von wenigen Nano- bis Mikrometern), die in einem mikroskopischen Trägermedium fein verteilt sind, etwa die winzigen Fetttröpfchen, die Milch undurchsichtig weiß erscheinen
lassen, oder die Pigmentpartikel in farbiger Tinte. Um aus kleinen Partikeln Patchy Colloids zu machen, müssen sie an ihrer Oberfläche mit Andockstellen versehen werden.

Gemeinsam mit Barbara Capone von der Fakultät für Physik der Universität Wien forscht Bianchi an sogenannten Stern-Polymeren. Diese Strukturen bestehen aus vielen einzelnen Molekülketten, die sternförmig von der Mitte nach außen ragen. Wenn man Molekülketten mit passenden chemischen Eigenschaften wählt, dann fügen sie sich ganz von selbst zu Bündeln mit klebrigen Endpunkten zusammen. So werden sie zu Patchy Colloids, ohne dass man ihre Oberfläche von außen speziell manipulieren müsste.

Bianchi wird ihre Forschung in den nächsten Jahren, finanziert durch das Elise Richter Stipendium des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF, in der Arbeitsgruppe „Soft Matter Theory" des Instituts für Theoretische Physik der TU Wien fortsetzen.

(futurezone) Erstellt am 29.10.2012, 09:05

Kommentare ()

Ihr Kommentar Kommentare aktualisieren
Bitte Javascript aktivieren!