Apps

Mit Garmin-Uhren kann man jetzt auch verhüten

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Natural Cycles für einige Garmin-Modelle zugelassen, wie der Smartwatch-Hersteller bekannt gab. Die App zum Fruchtbarkeitstracking war schon bisher auf der Apple Watch und dem Oura Ring verfügbar. Nun kommt die beliebte App aber auch für die Garmin-Modelle fēnix 8, Forerunner 570, Forerunner 970, Venu 4 und die Venu X1.

Zwar konnte man mit Garmin-Geräten in einer eigenen Kategorie für Frauengesundheit auch bisher schon seinen Zyklus tracken und daraus Aussagen zur Fruchtbarkeit ableiten. Natural Cycles ist aber als einzige Anwendung in den USA und in Europa auch als dezidiertes Verhütungsmittel zugelassen. Dasselbe gilt für Kanada, Australien, Singapur und Südkorea.

➤ Mehr lesen: Neue WhatsApp-App für Garmin-Uhren: Das kann sie

Algorithmus berechnet Fruchtbarkeit

Grundsätzlich funktioniert die App so: Ein Gerät wie die Garmin-Watch misst mithilfe eines Temperatursensors laufend die Körpertemperatur während des Schlafens. Auf Basis dieser Messungen und weiterer Faktoren – etwa der durchschnittlichen Zykluslänge und dem Zeitpunkt der letzten Menstruation – berechnet ein Algorithmus, wann eine Frau schwanger werden kann und wann nicht. Ein Ampelsystem informiert die Frau in der App, wie hoch das Risiko ist, schwanger zu werden.

In der Vergangenheit geriet die App trotz offizieller Zulassung immer wieder unter Beschuss: Frauen, die trotzdem schwanger wurden, warfen Natural Cycles vor, Nutzer mit falschen Versprechen zu täuschen. Wie bei jedem Verhütungsmittel liegt jedoch auch hier der Schlüssel in der korrekten Anwendung. Diese erfordert bei einer Methode, die auf disziplinierter täglicher Körpertemperaturüberwachung und regelmäßiger App-Kontrolle basiert, deutlich mehr, als einmal am Tag eine Pille zu schlucken. Man muss beispielsweise sicherstellen, dass die Uhr jede Nacht genug Akku hat, damit keine Lücken in den Aufzeichnungen entstehen.

Schlechter als Pille, besser als Kalendermethode

Um die Effektivität von Verhütungsmitteln zu bewerten, wird häufig der sogenannte Pearl-Index herangezogen. Natural Cycles nennt auf seiner Website einen Pearl-Index von 6,9 bei durchschnittlicher Anwendung. Das heißt, dass von hundert Frauen, die ein Jahr mit der Methode verhüten, 7 schwanger werden. Bei perfekter Anwendung lässt sich die Effektivität laut dem Unternehmen sogar auf einen Wert von 1 verbessern. 

Zum Vergleich: Laut der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung werden pro Jahr 0,3 bis 6 Personen trotz Antibabypille schwanger und trotz Kondom 2 bis 9 Personen. Im Vergleich zur klassischen „Kalendermethode“, einer bekannten Verhütungsform, schneidet die App jedoch besser ab: Dabei werden laut Pearl-Index nämlich bis zu 17 Personen pro Jahr schwanger. Experten geben dennoch zu bedenken, dass die Verbreitung derartiger Apps allgemein mit einem Anstieg ungewollter Schwangerschaften einhergeht, und empfehlen die Nutzung nur eingeschränkt.

➤ Mehr lesen: Smarte Arzthelfer: Was bringt Tracking mit Wearables unserer Gesundheit?

Einer der Co-Gründer der App ist übrigens ein Wiener: Der Physiker Raoul Scherwitzl lernte bei seiner Forschung am Schweizer CERN seine Frau Elina Berglund kennen, mit der er 2013 das Unternehmen gründete, nachdem sie selbst nach einer alternativen Verhütungsmethode gesucht hatten und keine fanden.

Klicken Sie hier für die Newsletteranmeldung

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!