Technik, die beim Schlafen hilft, liegt voll im Trend.
Was bringt SleepTech wirklich?
Wer schlecht oder zu kurz schläft, hat ein höheres Sterblichkeitsrisiko. “Außerdem gibt es einen Zusammenhang zwischen mangelnder Schlafqualität und Herzkreislauferkrankungen sowie solchen, die das Gehirn betreffen“, sagt die Schlafmedizinerin Ambra Stefani von der Medizinischen Universität Innsbruck. Neben Schlaganfällen könnten auch Demenz und Parkinson mögliche Langzeitfolgen sein. Bis zu 30 Prozent der Österreicher leiden an Schlafstörungen – Tendenz steigend.
Die Gründe sind vielfältig: Oft stecken dahinter Stress und Krisen. „Insomnie, also Schlaflosigkeit aufgrund von Übererregung, ist mittlerweile zur richtigen Zivilisationskrankheit geworden“, erklärt der Salzburger Schlafforscher Dr. Manuel Schabus. Aber nicht immer ist die Psyche schuld an den Schlafproblemen: Auch körperliche Ursachen wie Schlafapnoe oder das Restless-Leg-Syndrom können dahinterstecken. Zunächst fragen sich aber viele, ob sie wirklich schlecht schlafen.
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Daten über den Schlaf
Schlaftracking mit modernen Geräten kann hier erste Klarheit bieten, indem es Schlafphasen und Wachzeiten aufzeichnet und dann per Smartphone-App übersichtlich aufbereitet. Schabus hält davon viel: Seit 2 Jahren überwacht der Schlafforscher jede Nacht seinen Schlaf – rund 700 Nächte. „Kleine Gewohnheiten wie das Bier am Abend können einen starken Einfluss haben: Die Herzrate geht rauf, die Herzratenvariabilität runter. Auch Arbeitsstress zeigt sich sehr deutlich in unseren Daten“, erklärt er.
Der "Verity Sense"-Sensor von Polar ist sonst bei Sportlern beliebt, aber er kann auch Schlafdaten aufzeichnen.
© Polar
Für die Überwachung seines Schlafes verwendet er einen Polar Verity Sense Sensor und die App Sleep², die aus Forschungsaktivitäten an der Universität Salzburg hervorgegangen ist. Herzstück der App ist ein KI-Algorithmus, der aus Daten von rund 9.000 Schlaflabornächten und einer großen Menge Herzdaten trainiert wurde. Wenn man bestimmte Messgeräte verwendet, soll die Auswertung damit genauso gut sein wie ein echtes Schlaflabor. „In Europa ist Sleep² als Medizinprodukt zugelassen und wird in Deutschland sogar von der größten öffentlichen Krankenkassa bei Schlafproblemen voll vergütet“, erklärt Schabus.
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Stefani meint, dass Schlaftracking zwar erste Anhaltspunkte liefern könne, aber nicht zur Diagnose reiche: „Wenn man etwa den Verdacht hat, an Schlafapnoe zu leiden, gibt es Geräte, die bereits gut validiert sind. Damit kann man zuhause schauen, ob eine weitere Abklärung im Schlaflabor notwendig ist“, sagt die Schlafmedizinerin. Hat man die eigenen Schlafprobleme erst einmal besser verstanden, fängt die Suche nach Lösungen aber erst an.
Matratze als Schnarch-Detektor
Neben Baldrian, Tabletten und Entspannungsübungen bietet sich auch hier immer mehr Technik als Lösung an: Von speziellen Schlaf-Apps über Kissen, die Schnarchen verhindern, bis hin zu Geräten, die einzelne Schlafphasen gezielt beeinflussen sollen. Das US-Unternehmen EightSleep etwa verkauft smarte Matratzen, die einerseits Schlafdaten aufzeichnen können, andererseits aber auch aktiv in das Schlafgeschehen eingreifen sollen. Die Matratze kann angeblich die Betttemperatur in Echtzeit anpassen. Außerdem soll sie Schnarchen mit einem Schalldetektor erkennen und anschließend die Kopfposition so verändern, dass es aufhört. Am Markt gibt es auch immer mehr Einzelgeräte mit ähnlichen Funktionen.
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Der Motion Pillow gilt als besonderer Liebling der Tech-Branche – ein Memoryschaum-Polster mit aufblasbaren Luftkammern, der durch KI angeblich sehr genau erkennen kann, wenn jemand schnarcht. Er bläst sich dann so auf, dass die Atemwege frei werden und das Schnarchen aufhört.
Auch für die Körpertemperatur gibt es Gadgets: Ein Armband namens Embr Wave soll nächtliche Hitzewallungen, Schüttelfrost und Schweißausbrüche durch spezielle Nervenimpulse beeinflussen.
Mehr Daten erforderlich
Noch ist die Datenlage zu solchen smarten Betthelfern aber dünn. Stefani meint, dass smarte Betten, die die Körperlage verändern, zwar gut klingen würden – Betroffenen legt sie aber dennoch eher einen Besuch im Schlaflabor und erprobte Therapieformen ans Herz. Noch sei die Datenlage dazu zu gering.
Auch über Geräte, die die Körpertemperatur beeinflussen, wisse man derzeit noch zu wenig. „Ich kann mir aber vorstellen, dass temperaturregulierende Matratzen den Schlaf verbessern könnten“, meint Stefani.
Hilft Rauschen beim Schlafen?
Neben speziellen Hightech-Geräten gibt es auch unzählige Apps, die uns besseren Schlaf versprechen. Oft bieten sie Entspannungs- und Meditationsangebote, andere wollen den Schlaf mit speziellen Geräuschen beeinflussen: Ob weißes, pinkes, braunes Rauschen oder sogenannte „Binaurale Beats“ – die Idee dahinter ist, dass bestimmte Frequenzen das Gehirn beruhigen oder Tiefschlafphasen fördern sollen.
Ganz abwegig ist das nicht: „Es gibt einige Studien, die zeigen, dass eine bestimmte akustische Stimulation im Schlaf den Tiefschlaf fördern kann“, meint Stefani. Allerdings stehe die Forschung hier noch ganz am Anfang.
Warum extremes Tracking ungesund ist
„Am besten wäre, wenn man zum Schlafen eine möglichst stille und dunkle Umgebung hätte“, sagt sie. Insgesamt kann uns moderne Technik also in einigen Fällen tatsächlich helfen, besser zu schlafen und unsere nächtlichen Probleme besser zu verstehen. Solange man es nicht übertreibt – denn extremes Schlaftracking kann auch eine neue Schlafstörung namens Orthosomnie hervorrufen.
„Straffe Beobachtung und Analyse werden zum Stressfaktor und die Betroffenen können erst recht nicht schlafen“, meint Stefani. Wer besser schlafen will, sollte übrigens auch bei der Smartphone-Nutzung aufpassen: „Das blaue Licht der Bildschirme sowie geistige Anspannung durch Nachrichten oder Social Media können die notwendige Entspannung vor dem Schlafengehen stören“, meint Stefani.
Sie empfiehlt, in der letzten Stunde vor dem Schlaf möglichst keine Bildschirme mehr zu nutzen – und das Handy am besten aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Auch der Schlafforscher Schabus verzichtet 30 Minuten vor dem Schlafengehen aufs Handy und macht dann einen “Digital Detox“, wie er meint.
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