Chinas Super-Flugzeugträger Fujian hat gravierende Designfehler
Die Fujian (Type 003) ist der dritte und neueste Flugzeugträger von China. Er ist außerdem der erste Flugzeugträger, der nicht nur vollständig in China gebaut, sondern auch designt wurde. Die Liaoning (Type 001) wurde noch zu Sowjetzeiten als Admiral-Kusnezow-Klasse zum Großteil in der Ukraine gebaut. Die Shandong (Type 002) wurde zwar in China gebaut, basiert aber auf dem Kusnezow-Design.
Zudem ist die Fujian Chinas erster Superflugzeugträger. Von dieser Kategorie spricht man, wenn die Verdrängung mindestens 75.000 Tonnen beträgt. Die Fujian wurde im November 2025 offiziell in Dienst gestellt. Obwohl sie von chinesischen Militärs und Medien hochgelobt wird, kommt jetzt Kritik aus dem eigenen Land, wie scmp berichtet. Demnach hat die Fujian einige kritische Designfehler.
Zu wenig Katapulte
Die Kritik kommt vom chinesischen Rüstungsmagazin Shipborne Weapons Defence Review. Eines der größten Probleme betrifft die elektromagnetischen Katapulte (EMALS). Bisher sind nur 2 Flugzeugträger auf der ganzen Welt im Dienst, die EMALS nutzen: die amerikanische Gerald R. Ford und eben die Fujian.
EMALS
Katapulte von Flugzeugträgern sind üblicherweise dampfbetrieben. Elektromagnetische Katapulte (EMALS) sind eine moderne Alternative dazu.
Der Jet wird an einem Katapultschlitten befestigt, der sich in der Startbahn befindet. Elektromagnete entlang der Bahn erzeugen ein enorm starkes magnetisches Feld. Dadurch wird der Schlitten - und gleichzeitig auch das an ihm befestigte Flugzeug - entlang der Bahn beschleunigt. Nachdem das Flugzeug die erforderliche Geschwindigkeit für das Abheben erreicht hat, löst es sich vom Schlitten und hebt ab. Der Schlitten wird am Ende der Katapultbahn abgebremst und für den nächsten Start zurückgeführt.
Aufgrund der Funktionsweise mit den Magneten kann die Beschleunigung bei der elektromagnetischen Variante exakt angepasst werden. Die notwendige Kraft kann sich je nach Flugzeugtyp stark unterscheiden. So sind vollbeladene Jagdbomber etwa deutlich schwerer als unbemannte Aufklärungsdrohnen. Durch die Anpassung kann Energie gespart und der Verschleiß bei leichteren Maschinen und Drohnen reduziert werden.
EMALS sollen zudem weniger wartungsintensiv sein als Dampfkatapulte. Allerdings gibt es Berichte über Kinderkrankheiten der noch jungen Technologie. EMALS bei der USS Gerald R. Ford soll derzeit deutlich häufiger ausfallen, als ursprünglich von der Navy berechnet wurde.
Die Gerald Ford, das erste Schiff der gleichnamigen Gerald-R.-Ford-Klasse, hat 4 Katapulte – die Fujian nur 3. Das heißt, dass die Frequenz niedriger ist, mit der Flugzeuge starten können. Im Ernstfall kriegt die Fujian ihre Kampfjets also deutlich langsamer in die Luft als die Gerald Ford.
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Auch die älteren US-Flugzeugträger der Nimitz-Klasse haben 4 Katapulte (2 vorne, 2 am Schrägdeck). Diese setzen noch auf das klassische, dampfbetriebene System.
Insel schlecht positioniert
Weitere Kritik gibt es an der Insel der Fujian. Die Insel, auch Superstructure genannt, ist der Aufbau an Deck, der ua. die Schiffsbrücke enthält. Bei der Fujian ist die Insel an der rechten Seite eher mittig ausgerichtet, was laut dem Magazin den sinnvoll nutzbaren Platz am Deck reduziert.
Fujian von oben
© CGTN
Das Magazin zieht dazu einen Vergleich mit der Kitty-Hawk-Klasse der US Navy, dessen letztes Schiff 2009 außer Dienst gestellt wurde. Wie die Fujian hatte die Kitty Hawk einen konventionellen Antrieb statt einen nuklearen. Auch die Verdrängung mit knapp über 80.000 Tonnen ist ähnlich. Bei der Kitty Hawk ist die Insel aber etwas mehr nach hinten versetzt. Laut dem Magazin reicht das, damit der Platz an Deck effizienter genutzt werden kann.
USS Kitty Hawk und USS Constellation
© US Navy
Katapulte sind zu lang
Ein Platzproblem soll es auch mit den Katapulten geben. Das Katapult links vorne ragt in das Schrägdeck hinein, weshalb es aus Sicherheitsgründen nicht verwendet werden kann, wenn gerade Flugzeuge landen. Auch das sorgt für Verzögerungen beim Flugbetrieb.
Fujian
© Chinesisches Verteidigungsministerium
Das Katapult rechts vorne ist zu nahe am ersten Lift, mit dem Flugzeuge vom Hangar zum Flugdeck gebracht werden. Ist also ein Jet am Katapult, sollte aus Sicherheitsgründen der Lift nicht genutzt werden – ein weiterer Flaschenhals im Flugbetrieb.
Das Magazin nennt einen Grund für diese Fehlplanungen. Die Fujian wurde ursprünglich für Dampfkatapulte ausgelegt. Die Entscheidung, stattdessen EMALS zu nutzen, die etwas länger sind, kam zu spät, sodass das Design des Flugzeugträgers nicht mehr ausreichend angepasst werden konnte.
Mit Atomantrieb soll alles besser werden
Da die chinesische Regierung und das Militär normalerweise nicht besonders gut auf Kritik zu sprechen ist, fragt man sich, ob das Magazin jetzt boykottiert wird oder gar Köpfe rollen werden. Das dürfte nicht der Fall sein, denn die vermeintlich mutige Rüge ist eigentlich eine getarnte Rechtfertigung für das nächste Großprojekt der chinesischen Marine.
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Das Magazin argumentiert nämlich, dass die Probleme darauf zurückzuführen sind, dass die Fujian einen konventionellen Antrieb hat – und nicht wie die Flugzeugträger der USA einen Nuklearantrieb. Die ungünstige Platzierung der Insel am Deck der Fujian und ihre Größe sei den Schornsteinen des Antriebs geschuldet. Bei einem Nuklearantrieb brauche man diese nicht, weshalb etwa die Gerald Ford eine verhältnismäßig schlanke Insel habe, die am Deck sehr weit hinten platziert werden konnte.
USS Gerald R. Ford
© US Navy
Der Nuklearantrieb würde zudem mehr Platz unter Deck schaffen, da kein Treibstoff mitgenommen werden muss. Zudem hat er mehr Leistung, was ein größeres Schiff ermöglicht, bzw. mehr Traglast für Flugzeuge und Drohnen. Die nuklearen Flugzeugträger der USA haben eine Verdrängung von über 100.000 Tonnen, also 25 Prozent mehr als die Fujian. Mit dem Atomantrieb würde auch mehr Platz an Deck geschaffen, weshalb die Katapulte und Lifts besser platziert werden können, so die Argumentation des Magazins.
Type 004
Zufälligerweise baut die chinesische Marine gerade einen neuen Flugzeugträger. Offiziell hat das China noch nicht bestätigt, allerdings tauchen seit Februar 2025 Satellitenbilder auf, die die voranschreitenden Arbeiten am Rumpf des Type 004 zeigen. Es gilt als offenes Geheimnis, dass der Flugzeugträger einen Nuklearantrieb haben wird und eine Verdrängung von über 100.000 Tonnen angestrebt wird.
Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass Type 004 die erste chinesische Flugzeugträgerklasse sein wird, von der es mehr als nur ein Stück gibt. China soll angeblich vorhaben, bis 2035 6 Stück Type 004 zu bauen. Sollte das gelingen, hätte China insgesamt 9 Flugzeugträger im Einsatz. Die Pazifikflotte der US Navy, die bei einer militärischen Auseinandersetzung mit China an vorderster Front stehen würde, hat aktuell 7 Flugzeugträger im Einsatz.
Insgesamt hat die Navy 11 aktive Flugzeugträger. 3 Ford-Klasse-Schiffe werden derzeit gebaut, die zwischen 2027 und 2032 in Dienst gestellt werden sollen: John F Kennedy, Enterprise und Doris Miller. Außerdem gibt es noch amphibische Angriffsschiffe: 7 Stück der Wasp-Klasse sind aktiv und 2 der America-Klasse. Von diesen kann die F-35B operieren, die dank ihrer Senkrechtstart-Fähigkeit auch von Flugdecks ohne Katapult abheben kann.