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NYT glaubt zu wissen, wer der mysteriöse Bitcoin-Erfinder ist

Seit 17 Jahren versteckt sich der Bitcoin-Erfinder hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Ein Reporter der New York Times glaubt, dass dahinter der 55-jährige Kryptograf und Hacker Adam Back steckt. Er tritt immer wieder als Bitcoin-Experte in Nachrichtenmedien und auf Social Media auf. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Back mit dem Bitcoin-Erfinder in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich soll Satoshi Nakamoto ihm 2008 den Entwurf der ersten Kryptowährung per E-Mail geschickt haben. Eine Verbindung zur Bitcoin-Gründung hat Back nach eigenen Angaben also. Der Brite bestreitet aber, Satoshi Nakamoto zu sein, etwa erst 2025 auf einer Konferenz (via X).

Filmszene gibt Recherche-Startschuss

Der erste Hinweis des Journalisten John Carreyrou ist äußerst schwammig: Nachdem er selbst in seiner Suche nach Nakamoto nicht weiterkam, entdeckte er in einer Dokumentation eine Szene, in der sich Back nach Ansicht von Carreyrou verdächtig verhielt. 

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Daraufhin sammelte der Reporter sämtliche Texte, die je direkt von Nakamoto im Netz veröffentlicht wurden und isolierte Ausdrücke wie "dang", "backup", "on principle" und "human friendly", die darin häufig verwendet wurden. Eine Suche auf X ergab, dass auch Back diese Ausdrücke regelmäßig verwendet. 

KI-Analyse zeigt unter 620 Verdächtigen auf Back

Eine KI-Analyse zeigte zudem, dass Back ähnliche Grammatikfehler macht wie Satoshi, z.B. "its" und "it's" zu verwechseln. Durch immer mehr Einschränkungen konnte er aus einer Gruppe aus 620 Verdächtigen isoliert werden - allerdings indem die KI u.a. mit Daten gefüttert wurde, die schon zuvor auf Back hingewiesen hatten.

Hinzu käme, dass sich der Informatiker in seiner Jugend intensiv mit Kryptografie, genauer "Pretty Good Privacy" (P.G.P.) beschäftigte. P.G.P. nutzt ähnliche Techniken, wie sie später für Bitcoin verwendet wurden. Zudem habe sich Backs PhD mit verteiltem Rechnen, einer weiteren Bitcoin-Technik, beschäftigt. Back habe damals in C++ programmiert, die Sprache, in der auch Bitcoin geschrieben wurde. Allerdings muss man hier anmerken, dass C++ eine der am weitesten verbreiteten Programmiersprachen ist.

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Satoshi und die Cypherpunks

Viele Verbindungen, die Carreyrou aufgedeckt haben will, stammen aus Backs Engagement in der politisch und sozial engagierten Cypherpunk-Bewegung. Seit den 1980ern warben die Aktivisten für Kryptografie und Cybersicherheit. Dass sich insbesondere hochrangige Cypherpunks gut kennen, ist kaum überraschend. 

Schon länger wird vermutet, dass auch Satoshi aus diesem Umfeld stammt. Das ist jedoch kein Beweis dafür, dass Back diese Person ist. Auch dass Back und Satoshi ähnliche Ansichten zu Themen wie Spam-Schutz oder Copyright-Gesetzen vertreten, ist dementsprechend weniger überraschend, als die NYT weismachen möchte.

In einer finalen Konfrontation, in der Carreyrou Adam Back alle Hinweise zeigte, stritt dieser erneut ab, Satoshi Nakamoto zu sein. Der Reporter interpretierte die Körpersprache des Hackers aber folgendermaßen: "Sein Gesicht wurde rot und er rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her, als er mit Dingen konfrontiert wurde, die sich weniger leicht wegdiskutieren lassen."

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Kaffeesatzlesen und fehlende Beweise

So umfangreich die NYT-Recherche beschrieben ist, steckt sie voller Kaffeesatzlesen, Ferndiagnosen, Überinterpretationen und dem Ziel, Back unbedingt zu entlarven. Carreyrou ließ Back im Interview nach eigener Aussage mehr als 6 Mal verneinen, Satoshi zu sein, bis dieser eine Formulierung wählte, in die der Reporter den Hauch einer Unsicherheit hineinlesen konnte. Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Recherche.

Handfeste Beweise gibt es keine und die Indizien mögen in Summe verdächtig sein, fallen im Einzelnen aber in sich zusammen. Geht man davon aus, dass Satoshi und Back aus einem ähnlichen Umfeld, etwa der Cypherpunks-Bewegung, stammen, erklären sich damit auch die meisten sprachlichen Eigenarten und politischen Aussagen. So formulierte es Back auch in einem langen Thread auf X

Geht man mit einer ähnlichen Interpretationskraft an Carreyrous Text wie dieser an seine Hinweise, könnte man zwischen den Zeilen lesen, dass er größeres Interesse daran hatte, sich selbst als investigativen Aufdecker zu inszenieren, als tatsächlich Satoshi Nakamoto zu finden. Erreicht hat er dieses Ziel jedenfalls nicht und das Mysterium um den Bitcoin-Gründer bleibt bestehen.

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction. Co-Host des Podcast "Raumfahrtgeschichten".

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