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Sony LinkBuds Clip im Test: Das Cabrio unter den Kopfhörern

Kopfhörer in Clip-Bauweise sind gerade stark im Kommen: Sie werden nicht in die Ohrmuschel geklemmt, sondern an die Ohrmuschel geklippt. Der Gehörgang bleibt dabei frei, weshalb sie zu den Open-Ear-Kopfhörern zählen.

Die ersten Clip-Modelle waren eher im unteren Preissegment zu finden, weshalb sie schnell den Ruf bekommen haben, „ein billiges Klumpat“ zu sein. Jetzt wagt sich Sony an diese Produktkategorie. Die LinkBuds Clip gehören mit einem Preis von 169 Euro zu den teuersten Clip-Kopfhörern, die derzeit verfügbar sind. Ich habe getestet, was man dafür bekommt.

Der Halt

Die LinkBuds Clip gibt es in 4 Farben: Schwarz, Lavendel, Greige und Grün. Das Ladecase ist dazu farblich passend, mit der Designentscheidung, dass der Deckel glänzend und der untere Teil matt ist. Diese wiederholt sich bei den Kopfhörern. Die kugelförmigen Hörer sind glänzend, ebenso der pillenförmige Teil, der u.a. den Akku enthält. Der Bügel, der die 2 Elemente verbindet, ist matt.

Das Konstrukt sieht ein bisschen einschüchternd aus, das Anlegen ist aber einfacher, als es zu Beginn den Anschein macht. Die Pille kommt hinter das Ohr, die Kugel kommt in die Ohrmuschel. Einen Kluppen-Effekt muss man nicht fürchten, ganz im Gegenteil: Die Clip gehören zu den bequemsten Kopfhörern, die ich seit Langem getestet habe. Ich spüre sie so gut wie gar nicht, auch wenn ich sie länger trage. Zu Beginn habe ich deshalb öfters mal ans Ohr gegriffen und zu schauen, ob sie überhaupt noch da sind.

LinkBuds Clip

Locker sitzen sie deshalb aber nicht. Headbangen verkraften sie und auch beim Laufen bleiben sie gut am Ohr. Für Menschen mit kleineren Ohren sind im Lieferumfang Silikonpolster enthalten. Diese werden bei Bedarf über die Mitte des Bügels gestülpt.

Zusätzlich kann der Halt angepasst werden, wenn der Bügel am Ohr mehr nach oben oder unten geschoben wird. Dadurch kann sich aber die Klangqualität bzw. das Tonprofil etwas ändern, weil sich die Kugel des Ohrhörers dadurch dem Gehörgang nähert oder davon entfernt.

In meinem Fall werden die Clip enger, wenn ich den Bügel nach unten schiebe und der Ton dadurch eine Spur voller, weil die Kugel dann näher am Gehörgang ist. Der dadurch reduzierte Tragekomfort hat bei mir keine nennenswerten Vorteile: Ist der Bügel ein paar Grad tiefer als waagrecht ausgerichtet, so wie von Sony vorgeschlagen, sitzen die Clip trotzdem fest genug. Und der minimal vollere Klang macht das sprichwörtliche Kraut nicht fett.

Keine Angst vor dem Kluppen-Effekt: Die Clip klippen sich ans Ohr, zwicken aber nicht

Der Look

Wie hübsch oder nicht die Clip sind, muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Auf den ersten Blick sehen sie wie Plastik-Ohrclips aus, die aus Mode(schmuck)-Gründen nicht ganz am Ohr anliegen. Viel mehr als einen zweiten kurzen Blick sollte man sich aber nicht erhoffen – falls man es darauf abgesehen hat, möglichst viel aufzufallen.

Die Farben der Clip sind dezent gehalten, für den Test hat Sony sie in Grün zur Verfügung gestellt. Die Farbe ist sehr pastellig: Schick, aber nicht „in your face“-knallgrün. Extrafarben, die ebenfalls ins Pastellige gehen, gibt es als Silikonschutzhüllen für das Ladecase. Mit dabei sind farblich passende Silikonpolster. Für einen Mix-and-Match-Look ist das aber nur sinnvoll, wenn man tatsächlich die Silikonpolster braucht, um den Halt bei kleinen Ohren zu verbessern.

LinkBuds Clip: Schutzhüllen in verschiedenen Farben

Der Klang

Für 200 Euro erwartet man sich einen guten Ton. Man darf aber nicht vergessen, dass die Clip Open-Ear-Kopfhörer sind und dementsprechend akustische Limitationen haben. Im Gegensatz zu normalen In-Ears werden die Töne nicht im Gehörgang ausgegeben: Man kann sich das eher vorstellen wie ein Mini-Lautsprecher, der knapp vor dem Ohr steht.

Das wirkt sich vor allem auf den Bass aus. Wer will, dass es wummert, sollte nicht zu Open-Ear-Kopfhörern greifen und das gilt auch für die Clip. Der Bass ist zwar da, aber schafft es eben nicht so gut übertragen zu werden. Dreht man die Clip so, dass sie enger sind, merkt man den Bass etwas deutlicher. Alternativ kann man mit den Fingern die Kugeln der Clip andrücken, so als würde man sich die Ohren zuhalten. Das ist natürlich keine ernst gemeinte Lösung, aber so kann man zumindest überprüfen, wie die Clip klingen könnten, wenn sie eine andere Bauform hätten.

Abgesehen vom Bass liefern die Clip einen klaren Klang. Die einzelnen Instrumente lassen sich gut genug heraushören, Stimmen und Gesang sind sauber. Es ist jedenfalls ein deutlicher Unterschied zu günstigen Clip-Kopfhörern anderer Hersteller.

LinkBuds Clip

Die Offenheit

Weil es sich um Open-Ear-Kopfhörer handelt, gibt es kein Noise Cancelling (ANC). Die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert nämlich nur, wenn es vorher eine passive gibt – also das Ohr zugestoppelt oder von der Außenwelt abgedichtet ist. Open-Ear-Hörer nimmt man aber eben genau aus dem Grund, dass man nicht akustisch abgeschirmt wird.

Trägt man die Clip, hört man was um sich vorgeht. Das ist sinnvoll, um Zurufe der Kolleginnen im Großraumbüro zu hören, die Durchsagen in den Öffis, die Türklingel (wenn man im Homeoffice ist) oder den Verkehr beim Sporteln im Freien. Das heißt aber auch, dass man bei Bedarf die Außenwelt nicht „wegschalten“ kann. Man kann zwar lauter drehen, um sie zu übertönen, aber auch dann wird einem mit den Clip die besonders schrill quietschende U4-Garnitur in die Knochen fahren. Und beim Gehen neben der Wienziele ist man extra genervt, weil der Straßenlärm das Podcast-Hören stört.

Umgekehrt gilt: Wenn Ton reinkommt, geht er auch raus. Wie viel, hängt davon ab, was und wie laut es gehört wird. Bei mittlerer Lautstärke im Großraumbüro hört man erst was, wenn man näher als einen Meter an den Träger der Clip rangeht. Bei der üblichen Geräuschkulisse in der U-Bahn und lauteren Umgebungen kriegen andere Personen nichts von den Clips mit, selbst wenn die Lautstärke zu 2/3 aufgedreht ist und sie direkt neben einem sitzen.

LinkBuds Clip

Die Hörmodi

Über das Antippen der Kopfhörer ist die Bedienung ohne Smartphone möglich. 2-faches Antippen auf den Bügel links ändert den Hörmodus zwischen Standard, Sprachverstärkung, Reduzierung Klangverlust und Hintergrundmusik. Die Modi sind Kombinationen aus Equalizer und Lautstärke. Sprachverstärkung erhöht die Lautstärke der Höhen und reduziert alles andere, damit etwa in einer lauten Umgebung Podcasts besser zu hören sind.

Reduzierung Klangverlust macht das Gegenteil und verringert die Höhen, damit Personen in der Umgebung nicht (ungewollt) mithören können. Dadurch nimmt aber die Klangqualität massiv ab. Diesen Modus sollte man nur wählen, wenn man unbedingt etwas anhören muss und befürchtet, dass jemand mitlauschen könnte. Bei Hintergrundmusik wird der Klang so angepasst, dass er entfernter und weiter auseinandergezogen klingt. Das soll simulieren, dass irgendwo im Raum eine Musikquelle ist, wie etwa die Musikanlage im Café.

LinkBuds Clip

Die App

Die Hörmodi können ebenfalls in der Begleit-App ausgewählt werden. Dort gibt es auch einen Equalizer, mit mehreren Voreinstellungen und der Möglichkeit, selbst den Klang anzupassen. Beides ist eher sinnfrei bei den Clip, aufgrund der Limitationen durch die Open-Ear-Bauweise. Sony hat mit der Standardeinstellung schon das Beste rausgeholt, was möglich ist, unabhängig von Musikgenre oder ob Podcasts gehört und Filme/Serien geschaut werden.

Sucht man in der App die Einstellungen für LDAC oder aptX, wird man nicht fündig: Die Clip unterstützen diese Hi-Res-Codecs nicht, sondern lediglich SBC und AAC. Natürlich kann man argumentieren, dass man mit Open-Ear-Hörern nicht das große Musikerlebnis erwartet: Allerdings erwarte ich mir von Sony-Kopfhörern in diesem Preissegment schon, dass Hi-Res unterstützt wird – zumal LDAC von Sony selbst stammt.

LinkBuds Clip

Die Sprachqualität und Akkulaufzeit

Beim Telefonieren und Aufnehmen von Sprache können die Clip nicht punkten. Die eigene Stimme klingt schal und oft dumpf. Die Hintergrundgeräuschunterdrückung funktioniert auch nicht so gut, wie man es von anderen Sony-Kopfhörern kennt. Dafür gibt es eine Bluetooth-Verbindung mit 2 Geräten gleichzeitig, DSEE-Upscaling und 360 Reality Audio (für Apps, die diese Funktion unterstützen).

Sony gibt die Akkulaufzeit mit bis zu 9 Stunden an. Je nach Lautstärke und ob auch telefoniert wird, waren es im Test 7 bis 8 Stunden. Mit dem Akku im Ladecase verspricht Sony insgesamt 37 Stunden, realistisch sind 30 bis 34 Stunden.

LinkBuds Clip im Ladecase

Das Fazit

Die LinksBuds Clip sind wie ein Cabrio: Offen und als Zweitgerät eigentlich Luxus. Als primäre Kopfhörer sind sie nicht zu empfehlen, außer man weiß ganz genau, worauf man sich mit Open-Ear-Hörern einlässt und hat kein Problem damit, ständig, immer und überall, die Außenwelt zu hören, während man Musik oder Podcasts lauscht.

Als Zweitgerät der gehobenen Preisklasse sind die Clip hingegen gut geeignet: Die Tonqualität stimmt (für Open-Ear-Hörer), sie sind sehr bequem und bleiben auch beim Sporteln stabil im Ohr. Für 169 Euro (ab 166 Euro bei Amazon) würde man, gerade von Sony, aber eine bessere Sprachqualität beim Telefonieren und die Unterstützung von Hi-Res-Codecs erwarten.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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