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Wie ich die zerkratzten CDs meiner Kindheit retten konnte

Retro-Tech ist im Trend: Digicams aus den 2000er-Jahren sind zum Party-Accessoire geworden und in den Öffis sieht man Menschen mit iPod statt Smartphone. Davon inspiriert durchstöberte ich kürzlich mein CD-Regal, das mangels Abspielgeräts schon seit Jahren Staub fängt.

Der CD-Player, den ich als Kind bekommen hatte, ist längst kaputt, und meine letzten 3 Computer hatten alle kein Laufwerk mehr. Nachdem ich mir ein externes bestellt hatte (ca. 43 Euro bei Amazon) stellte sich die Frage: Wie kriege ich meine wilde Musiksammlung auf teils zerkratzten CDs am einfachsten und schnellsten auf meinen Computer?

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Standard-Software

Auch wenn 2026 kaum ein Laptop mehr ein verbautes Laufwerk hat, kann vorinstallierte Musik-Software üblicherweise CDs rippen. Beim Mac ist das die Apple-Music-App, bei Windows der Media Player, den es nur noch in einer Legacy-Version gibt. Dieser kann seit Anfang des Jahres keine Metadaten mehr herunterladen und ist daher nicht empfehlenswert. Ich versuche daher erst gar nicht, mit der Windows-eigenen Software eine CD zu überspielen.

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Beim Windows Media Player müsste man sämtliche Metadaten händisch eintippen.

Ich probiere es also zunächst mit der Standard-Software auf meinem MacBook. Es dauert etwa 9 Minuten, bis Apple Music die 11 Tracks von Didos „Life for Rent“ als unkomprimierte WAV-Dateien auf die Festplatte kopiert.

Wie Apple Music gerade auf diese Album-Informationen kommt, erschließt sich nicht.

Gleich nach dem Start poppt das Fenster „CD-Suchergebnis“ auf, über das man mit einem Klick Metadaten laden kann. Das Albumcover muss ich über einen weiteren Button laden. 

Dateiformate: mp3 oder doch lieber FLAC?

mp3 ist heute wohl das geläufigste Dateiformat. Es verzichtet auf Anteile des Audiosignals, die für Menschen kaum oder nicht hörbar sind. Dadurch wird die Datei wesentlich kleiner, was vor allem bei begrenztem Speicherplatz praktisch ist. Doch auch innerhalb des mp3-Formats gibt es Qualitätsunterschiede: Eine geringe Bitrate sorgt zwar für eine kleine Datei, allerdings auch für hörbare Artefakte. 192 kbps sind als guter Kompromiss zwischen Tonqualität und Dateigröße weit verbreitet. Maximal möglich sind 320 kbps.

Wer Wert auf allerhöchste Audioqualität legt, sollte Musik verlustfrei speichern. Hierfür bieten sich FLAC (Free Lossless Audio Codec) bzw. ALAC (Apple Lossless Audio Codec) an. WAV ist ebenfalls ein verlustfreies Audioformat, es ist zudem unkomprimiert.

dBPoweramp

Folgt man CD-Nerds auf Reddit, ist das Rippen mit dBPoweramp viel besser und genauer. Das Programm (für Windows und macOs) kann man 21 Tage lang kostenlos testen. Eine Lifetime-Lizenz ist ab 42 Euro erhältlich. Es wirbt mit perfekten Metadaten aus 5 verschiedenen Quellen und besonders hoher Geschwindigkeit.

Die Benutzeroberfläche wirkt ähnlich veraltet wie die Webseite und so brauche ich ein paar Minuten, bis ich mich zurechtfinde und überhaupt verstehe, was ich wo wie einstellen könnte oder sollte.

„Life for Rent“ begleitet mich seit der Volksschule. Daher ist die fast 23 Jahre alte CD schon etwas mitgenommen.

Ich entscheide mich daher für die Option „Secure Ripping“, die Daten mehrmals ausliest und den Rip mit einer Onlinedatenbank abgleicht. So können einerseits fehlerhafte Stellen auf der CD rekonstruiert werden und andererseits festgestellt werden, ob die übertragenen Dateien zum Schluss fehlerfrei sind.

Das Rippen geht auch im "Secure"-Modus rasch.

Für einen direkten Vergleich zum Standard-Programm wähle ich hier zunächst das unkomprimierte WAV-Format. dBPoweramp holt sich binnen Sekunden Metadaten inklusive Albumcover aus dem Web.

Jedoch wird schon während des Überspielvorgangs in roten Lettern „Inaccurate (200)“ angezeigt. Wie sich herausstellt, bedeutet das nicht, dass die Musik nicht mehr abspielbar ist, sondern lediglich, dass die Dateien gegenüber 200 Vergleichs-Datensätzen nicht bitgenau verifiziert werden können. 

"Inaccurate" heißt nicht unbedingt, dass die CD nicht mehr abgespielt werden kann.

3 bis 4 Minuten pro CD

dBPoweramp braucht für den gesamten Ripping-Vorgang von „Life For Rent“ etwas mehr als 4 Minuten und ist damit doppelt so schnell wie Apple Music.

Bei der Geschwindigkeit kann dBPoweramp wirklich punkten, das zeigt sich auch bei den folgenden Rips im mp3-Format mit hoher Bitrate. Die 11 Tracks von Birdys „Fire Within“ sind in 3 Minuten übertragen. Auch weitere, kaum oder nicht zerkratzte CDs sind in so kurzer Zeit gerippt.

Praktisch finde ich, dass man einstellen kann, dass die CD automatisch ausgeworfen werden soll, wenn das Rippen abgeschlossen ist. Das vereinfacht das Überspielen eines ganzen CD-Regals merklich.

Ist das Rippen rechtlich erlaubt?

Ja. Für den Privatgebrauch darf man CDs in Österreich rippen, wie Anwalt Michael Borsky erläutert: „Das Urheberrecht kennt eine Ausnahme für private Vervielfältigungen. Demnach ist es nach § 42 UrhG gestattet, von einem urheberrechtlich geschützten Werk einzelne Kopien zum privaten und ausschließlich nicht kommerziellen Gebrauch herzustellen (z.B. zum Anlegen einer privaten Sammlung am PC). Die Kopien dürfen allerdings nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.“

dBPoweramp auf Windows

Für diesen Test will ich aber auch wissen, ob dBPoweramp auf Windows ebenso funktioniert wie auf meinem Mac. Ich installiere es also, kalibriere über einen Button mein externes Laufwerk und lege "The Score" von den Fugees hinein. 

Es dauert 4:33 Minuten, um die 17 Tracks zu rippen. Alle Metadaten werden automatisch ergänzt passt!

Auf Windows funktioniert dBPoweramp ebenso gut.

Zerkratzte CDs retten

Nachdem das nun so gut funktioniert hat, wage ich mich an die schweren Fälle, das heißt meine allerersten CDs, die ich im zarten Alter von etwa 6 Jahren bekommen haben muss. Zart umgegangen bin ich damit anfangs allerdings nicht, mit einem CD-Player ließen sie sich längst nicht mehr abspielen. Aufgehoben habe ich sie nur aus Nostalgie.

Los geht’s mit der „Monsterhits“-Compilation von 2001, auf der z. B. Geri Halliwell die Weather Girls covert und Liquido mit Narcotic ewig im Ohr bleibt. Die CD hat einige Kratzer und in der Mitte sogar einen Sprung. Dementsprechend häufig wiederholt dBPoweramp den Lesevorgang einzelner Titel, das Laufwerk kommt laut ins Rattern.

Ich lasse das Programm und die CD über eine halbe Stunde laufen, doch bei Titelnummer 7 – „All Rise“ von Blue – ist sie offenbar zu stark beschädigt. Ich muss den Song überspringen, genauso wie 3 weitere. Aber insgesamt 10 der 14 Titel waren zu retten, was mich ehrlich überrascht hat, nachdem ein CD-Player gar nichts brauchbares mehr davon abspielen konnte.

Diese CD ist schwer beschädigt.

Metadaten händisch ergänzen

Als Nächstes kommt „Voll Bingo! Vol. 8“ von 2002 dran, das mit Las Ketchup „Asereje“ damals jeden Kindergeburtstag bereicherte. Die Compilation mit RTLII-Logo auf dem Cover ist offenbar so obskur, dass in keiner der 5 Datenbanken hinter dBPoweramp Informationen dazu vorhanden sind.

Deshalb poppt ein „Manual Metadata Search“-Fenster auf, in das man z.B. den Barcode oder einen Link zur Plattensammel-Plattform Discogs eingeben kann. Nachdem ich letzteren einfüge, sind Metadaten und Albumcover sofort da.

Leider scheitert dBPoweramp schließlich an den wirklich tiefen Kratzern auf der CD – dieses Album ist leider verloren. Dasselbe Schicksal teilt der „Viva Chart X Press“, der zur Markteinführung des gleichnamigen TV-Senders 2000 erschienen ist. Britneys „Oops! … I Did It Again“ oder Gigi D‘Agostinos “The Riddle” muss ich also wohl doch streamen.

Manchmal muss man manuell nach Metadaten suchen.

Als Teenager habe ich dann keine Sampler, sondern ganze Alben gehört – gelegentlich sogar welche, die in meinem Bekanntenkreis entstanden. Mit genau so einem will ich testen, was dBPoweramp mit den Metadaten von CDs macht, die nicht von einem Label vertrieben werden. Wenig überraschend muss ich Titel, Album, Interpret, Veröffentlichungsjahr und so weiter händisch eintippen, doch auch das geht mit der Oberfläche von dBPoweramp recht zackig.

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Ein paar der CDs aus meiner Kindheit und Jugend

Meinen CD-Stapel von 25 Alben konnte ich mit dBPoweramp letztlich innerhalb einiger weniger Stunden auf meinen Computer übertragen. Dem Hören der Songs meiner Jugend abseits der Streaming-Dienste steht mir jetzt also nichts mehr im Wege. 

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Jana Wiese

interessiert sich besonders für die gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologie und Wissenschaft. Mag das offene Web, Podcasts und Kuchen, (food-)bloggt seit 2009.

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