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17.07.2016

Prisma: Russische Foto-App verwandelt Fotos in Kunstwerke

Die Filter-App Prisma erfährt momentan einen Hype. Beim Datenschutz räumen sich die Macher weitreichende Rechte ein. Die futurezone hat sich die App genauer angesehen.

Fotos ohne Bearbeitung, Filter oder besondere Effekte finden sich heutzutage nur noch selten in den sozialen Netzen. Die Möglichkeiten in Sachen Bearbeitung sind dabei nahezu unbegrenzt. Viele versuchen mit Apps wie Enlight, Photoshop oder den Onboard-Tools von Instagram, ihre Schnappschüsse in Kunstwerke zu verwandeln, bleiben jedoch oft enttäuscht zurück.

Die App Prisma verspricht seinen Nutzern im Handumdrehen mit dem Smartphone aufgenommen Bilder in Kunstwerke zu verwandeln. Die knapp 40 verschiedenen Filter orientieren sich dabei unter anderem an der Arbeit von Malern wie Roy Lichtenstein oder Edvard Munch.

Prisma in Bildern

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Prisma-App

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Maler mit künstlicher Intelligenz

Was Prisma von vielen anderen Foto-Filter Apps unterscheidet, ist die Technik, die im Hintergrund an der Bearbeitung der Bilder arbeitet. Im Gegensatz zu klassischen Filtern wie sie beispielsweise bei Instagram zu finden sind, erledigt Prisma seine Arbeit nicht am Smartphone, sondern lädt das zu transformierende Bild auf einen Server hoch.

Laut Alexey Moiseenkov, CEO und Mitbegründer des Unternehmens hinter Prisma, wird auf den Servern eine Kombination aus neuronalen Netzen und künstlicher Intelligenz genutzt, um den Fotos seiner Nutzer das perfekte Aussehen zu verleihen. Die App selber ist dabei relativ einfach gestaltet und erinnert mit ihrem Design an die ersten Gehversuche von Instagram oder Snapchat, deren Anwendungen damals auch nicht besonders viele Funktionen boten.

Beim ersten Start fragt Prisma die Zugriffserlaubnis für Kamera sowie die Galerie ab. Erlaubt man ersteres, können Fotos in der App geschossen und anschließend sofort bearbeitet werden. Wer dies nicht möchte, kann seine Bilder auch direkt aus der Galerie mit den künstlerischen Effekten von Prisma versehen.

Keine Sofort-Bearbeitung

Hat man ein Bild ausgewählt, das man bearbeiten möchte, bietet die App rund 40 Filter zur Auswahl an. Der Filter wird bei Prisma jedoch nicht direkt angewendet, sondern wird bei jedem Filter-Wechsel erneut hochgeladen bzw. zumindest von den Servern bearbeiten. Ein Instant-Effekt, wie er beispielsweise bei Instagram zu sehen ist, ist in diesem Fall also nicht möglich. Der Ladevorgang vom Wechsel des Filters bis zum bearbeiteten Bild dauert bis zu fünf Sekunden, kann bei sehr langsamer Internetverbindung aber auch etwas länger benötigen.

Wer sich bei seinen Bildern nicht entscheiden kann und alle Filter durchprobieren möchte, wird deshalb längere Zeit in der App verbringen. Gerade für ungeduldige Social-Networker könnte dies zur unmöglichen Geduldsprobe werden. Über eine Wischgeste nach rechts bzw. links lässt sich der Filter-Effekt verstärken oder abschwächen, falls die Bilder etwas zu gruselig wirken.

Neben den Filter-Effekten können Fotos in Prisma noch zugeschnitten und gedreht werden, weitere Features finden sich nicht. In den Einstellungen lassen sich lediglich noch das automatische Speichern der Bilder sowie die Einblendung eines Wasserzeichens ein- bzw. ausschalten.

Unter Putins Beobachtung?

Da Prisma jedes einzelne Foto erst auf die hauseigenen Server laden muss, um die Filter-Effekte liefern zu können, gibt es einige kritische Stimmen, was das Thema Datenschutz rund um die App betrifft.

Die Macher von Prisma räumen sich in den AGB auf der Webseite umfassende Nutzungsrechte an den Bildern, die Nutzer hochladen, ein. Da Prisma momentan kostenlos angeboten wird, wird mancherorts der Verkauf der eigenen Fotos befürchtet.

Zusätzlich kamen vermehrt Vermutungen auf, dass die russische App vom Geheimdienst im Land genutzt wird, um Personendaten zu sammeln. Zwar fällt die App aufgrund ihrer Herkunft unter russisches Recht, die Hochleistungsserver von Prisma befinden sich aber in den Niederlanden. Zusätzlich betonte Moiseenkov gegenüber Techcrunch, dass hochgeladene Bilder weder behalten, noch zusätzlich analysiert werden. Bis auf die eigentlichen Fotos verlangt Prisma auch keine zusätzlichen Daten. Auch den Zugriff auf Standortdaten oder Kontakte auf dem Smartphone verlangt die App nicht. Die einzige Lokalisierung könnte also lediglich über die IP-Adresse stattfinden.

Weiter Features geplant

In Zukunft möchten die Macher von Prisma den Umfang der App weiter ausbauen. Als nächste Features werden unter anderem Vorschläge für die passendsten Filter bei einem Foto sowie eine mögliche Video-Funktion.

Finanzieren möchten die Gründer von Prisma die App in Zukunft mit zusätzlichen Filtern, die sich dann beispielsweise per In-App-Kauf hinzufügen lassen.

Fazit

Prisma sticht mit seinen künstlerischen Effekten aus dem Wald an Filter-Apps heraus. Die Anwendung überrascht oft mit besonders tollen Kunstwerken, manchmal driften die Kreationen aber auch in Gruselbilder ab. Zwar gibt es beim Datenschutz aufgrund des zwingenden Uploads der Fotos kleinere Bedenken, für gezielte Spionage gibt es aber keinerlei Anhaltspunkte. Ob sich die App und vor allem die benötigten Hochleistungsserver auf Dauer finanzieren lassen, wird vor allem von neuen Features und zusätzlichen Funktionen abhängig sein.

Die App ist kostenlos im AppStore verfügbar. Ein Ableger für Android ist bereits in Arbeit.