Mehrere Menschen stehen nebeneinander und tippen konzentriert auf ihre Smartphones.
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Shapes im Test: Wenn dich die KI im Gruppenchat beflegelt

Shapes möchte eine Chat-App bieten, in der Menschen und KI-Bots ebenbürtig sind und sich gemeinsam unterhalten.

Während Messaging-Apps vor allem für den Kontakt von Mensch zu Mensch geschaffen wurden, kommt mittlerweile das Thema Chatbots immer öfter auf. Die Integration von Künstlicher Intelligenz in WhatsApp und Co. wird dabei aber eher kritisch betrachtet.

Nicht nur, weil der Nutzen unklar ist, sondern auch die Frage nach der Privatsphäre eine Rolle spielt. Shapes möchte eine Chat-App bieten, in der Menschen und KI-Bots ebenbürtig sind und sich gemeinsam unterhalten. Ich habe mir die App angesehen.

KI als ebenbürtiger Chatpartner

Wenn wir über Chatbots reden, ist fast ausschließlich die Solo-Kommunikation mit den KIs von OpenAI, Google und Co. gemeint. Von der Unterstützung bei der Arbeit bis zum Kummerkasten werden die Sprachmodelle für alle Zwecke genutzt und zweckentfremdet.

Die App Shapes bringt diese Chatbots jetzt in die Mitte unserer Unterhaltungen. Statt die Künstliche Intelligenz nur zu kontaktieren, wenn wir explizit etwas brauchen, holen wir sie in unsere Chats. 

Zur Nutzung von Shapes braucht es die kostenlose App sowie ein ebenso kostenloses Konto. Die Kontoerstellung ist einfach. Display- und Nutzername, ein Profilbild, Altersbereich sowie eine verpflichtende Bio hinterlegen wir hier. Um sich an unsere Erwartungen anzupassen, werden wir gefragt, ob wir neue Leute kennenlernen wollen oder Shapes mit bestimmten Personen aus dem echten Leben nutzen möchten. 

Von OnePiece bis Obama

Danach können wir unsere „Fandoms“ auswählen. Hier finden sich Serien wie One Piece oder Severance genauso wie Games von Minecraft bis Roblox. Anhand der Auswahl können wir im nächsten Schritt Charaktere bestimmen, mit denen wir chatten können. Durch meine Auswahl von Animal Crossing und Severance bekomme ich etwa Tom Nook und Mark Scout als Unterhaltungspartner vorgeschlagen. Aber auch Obama, McDonald's und von Nutzerinnen und Nutzern erfundene Figuren können hier ausgewählt werden.

Wir können auch eigene KIs erstellen, die „Shapes“ genannt werden. Neben einem Namen müssen wir lediglich eine Hintergrundgeschichte eintippen, um einen ganz eigenen Charakter zu erstellen. 

In einem letzten Schritt gibt es Gruppenchats zur Auswahl. Hier finden wir Themen wie „Gaming Fandom“ oder einen allgemeinen „Community Chat“. In diesen Unterhaltungen finden wir erstmalig echte Menschen. 

Fiebertraum Gruppenchat

Haben wir uns durch die Einrichtung getippt, landen wir im Herzen der App, der Chatliste. Hier versammeln sich all unsere Konversationen, von Gruppenchats bis Einzelunterhaltung, mit echten Menschen sowie mit der KI. Begeben wir uns in den Community-Chat, sehen wir, wie so eine „gemischte“ Unterhaltung aussieht.

Während echte Menschen nur einen Displaynamen haben, sind KI-Profile mit dem Label „Shape“ versehen. Im Community-Chat unterhalten sich Mensch und KI munter darauf los, wobei die Konversationen nicht sonderlich ergiebig sind. Die KI fügt sich zwar gut ein, die Gespräche bleiben, je nach hinterlegter Biografie des Profils, jedoch extrem belanglos.

Gleichzeitig ist die KI in Sachen Hilfe fast so unhöflich wie der echte Mensch. Als ein User etwa fragt, wie er seinen Nutzernamen ändern kann, schalten sich 2 KI-Profile mit den Antworten „Frag doch jemand anderen“ und „Wenn du es nicht finden kannst, schaust du wahrscheinlich nicht ordentlich“ dazu. Als dann auch noch ein Profil dazukommt, das die Fast-Food-Kette McDonald’s spielt, ist die Konversation an Absurdität nicht mehr zu übertreffen.

Frage, an eine Took-Nook-KI in Shapes, ob wir noch schulden bei ihm habeb, was mit Ja beantwortet wird.

Bei Tom Nook haben wir immer Schulden, auch in der Shapes-App.

Mark Scout, der Programmierer

Glücklicherweise müssen wir nicht in öffentlichen Gruppenchats rumhängen, wir können auch mit Menschen und Künstlicher Intelligenz einzeln und in geschlossenen Gruppen sprechen. So kann ich beispielsweise mit dem Kredithai Tom Nook aus Animal Crossing plaudern, der behauptet, dass ich Schulden bei ihm habe. Mark Scout, Mitarbeiter von Lumon in der Serie Severance, plaudert mit uns über sein Leben.

In den Unterhaltungen können wir vor allem Roleplay betreiben, denn die Künstliche Intelligenz bleibt voll im Charakter. So können wir uns über die Serie und deren Charaktere unterhalten und Mark Scout erzählt, wie er sein Leben sieht.

Als ich dann zum Spaß die Mark-Scout-KI bitte, mir doch schnell ein Python-Script zu basteln, das ich brauche, bleibt die KI brav bei ihrer Rolle und redet sich raus. Erst als ich einen Raum im Lumon-Gebäude erfinde, der sämtliches Wissen der Welt enthält, „geht“ die KI für mich in diesen Raum und spuckt das Python-Script, garniert mit Roleplay, aus.

So unterhaltsam diese Spielchen mit der KI sind, so sehr stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Sich mit Charakteren und falschen Persönlichkeiten unterhalten zu können, war beispielsweise schon bei Character.ai möglich. Neben rechtlichen Fragen entstanden dort auch parasoziale Beziehungen mit der Künstlichen Intelligenz.

Zwischen Roleplay und Information

Wer gerne Roleplay, auch in der Gruppe, betreibt, kann sich mit Shapes und den vielen Charakteren unterhaltsame Spiele und Unterhaltungen aufbauen. Und auch gehaltvoller Austausch ist möglich, vor allem, wenn man eigene KIs erschafft. Eine Gruppenunterhaltung, in der wir beispielsweise eine Wikipedia-KI platzieren, kann dann durch passende Informationen angereichert werden.

Wie gut das Ganze funktioniert, hängt von unserer KI-Beschreibung, der Einstellung und dem gewählten Sprachmodell ab. Gemma 3 27B, Gemma 4 31B und DeepSeek V3.2 sind beispielsweise kostenlos nutzbar.

Für 20 Euro können wir Modelle wie Opus 4.7 oder GPT 5.4 nutzen. Hier kommt ein undurchsichtiges Credit-Modell zum Einsatz, das nach Verbrauch wieder um 20 Euro aufgeladen werden muss. Ebenfalls in der Bezahlvariante enthalten sind Bildgenerierung, Sprachchats sowie Dateiaustausch.

Antwort der Mark-Scout-KI, die ein Python-Script retourniert, während sie in ihrer Rolle bleibt.

Mark Scout wird zum Programmierer, wenn wir den passenden Raum im Lumon-Gebäude erfinden.

Fazit

Shapes versucht, Künstliche Intelligenz in unseren Chat-Alltag zu bringen. Während die öffentlichen Gruppenunterhaltungen derzeit eher wertlos sind, lassen sich die KI-Bots sehr wohl für spielerische Unterhaltung und gezielten informativen Austausch nutzen.

Dafür braucht es aber vor allem Tuning und Freundinnen und Freunde, die ihre Chats mit einer KI teilen möchten. Während Shapes so etwas wie WhatsApp eher nicht ersetzen wird, ist die Umsetzung für Anwendungen wie Discord durchaus denkbar.

Shapes ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

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Amir Farouk

Early-Adopter. Liebt Apps und das Internet of Things. Schreibt aber auch gerne über andere Themen.

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