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Test Spotify und Co: Tomahawk vereint Musik-Streamer in einer App.

Foto: /DaniloAndjus/iStockphoto
Musik-Streaming-Plattformen sprießen seit Jahren aus dem Boden. Tomahawk möchte den vielen Anbietern Herr werden und alle in einer App vereinen.

Spotify, Deezer, Amazon, Google und Tidal sind nur einige der mittlerweile zahllosen Unternehmen, die Musik-Streaming anbieten. Während die Dienste anfangs nur zögerlich angenommen wurden und die Musikindustrie sich noch immer kritisch äußert, schossen die Nutzerzahlen in den letzten Jahren in die Höhe. Obwohl die meisten Anbieter Kataloge mit mehreren Millionen Titel zur Verfügung stellen, finden sich immer wieder Songs, die nicht vertreten sind. Gerade im Bereich Remixes und abseits des Mainstreams klaffen oft noch beträchtliche Lücken.

Die App Tomahawk möchte die einzelnen Streaming-Dienste in einer Anwendung vereinigen und dem Nutzer damit das lästige Switchen zwischen verschiedenen Accounts ersparen. Die App-Stores dieser Welt beherbergen dabei nur wenig ähnliche Apps, was im Zuge des Testes auch schnell verständlich wird.

Klein und Groß vertreten

Tomahawk ist an sich kein Neuling auf dem Markt. Die Anwendung ist für Desktop-Systeme bereits seit 2011 verfügbar. Der rund 25 Megabyte große Download springt nach dem Start gleich zum wichtigsten Part. In einer Liste werden die verfügbaren Musik-Dienste angezeigt. Dazu zählen Spotify, Amazon Music, Google Play Music, aber auch Tidal, SoundCloud oder Deezer. Der Player wäre aber nicht universal, wenn er nicht auch die auf dem Gerät lokal gespeicherte Musiksammlung abspielen könnte.

Beim Aktivieren der einzelnen Dienste weißt Tomahawk darauf hin, dass die Services nur mit Premium-Accounts genutzt werden können. Nutzer der Gratis-Version von Deezer oder Spotify werden hier also ausgeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen ist die Nutzung von Youtube, welches in der App leider gar nicht vertreten ist. Die spätere Implementierung wird von Seiten der Entwickler aber nicht ausgeschlossen.

Um die Integration der verschiedenen Dienste zu realisieren, arbeitet Tomahawk mit einem Plugin-System. Wählt man einen Streamer aus, werde ich in den Playstore umgeleitet, um die entsprechende Erweiterung zu laden. Diese Herangehensweise wurde aus mehreren Gründen gewählt: Plugins machen die Integration von neuen Diensten möglich, ohne die App großartig bearbeiten zu müssen. Außerdem können diese von der Community gepflegt werden, was aufgrund der teils stark beschränkten APIs der Anbieter notwendig wird. Ebendiese APIs waren auch dafür verantwortlich, dass sich die Anmeldung am Anfang etwas zäh gestaltete und erst nach mehreren Minuten Probieren einen Login zustande brachte.

Übersichtliches Interface

Was die Bedienung angeht, gibt es bei Tomahawk nicht viel falsch zu machen. Die App bietet sechs einzelne Unterpunkte, die sich vor allem um das Suchen und Finden der gewünschten Songs kümmern. Unter dem Punkt "Charts" werden beispielsweise alle erdenklichen Rankings der einzelnen Musikanbieter gelistet. Diese lassen sich am Beispiel von Spotify und Deezer nach unterschiedlichen Themen und Ländern durchsuchen.

Der Punkt "Sammlung" kümmert sich ausschließlich um lokal gespeicherte Songs. Diese können nach Künstler, Alben oder Lieder sortiert werden. Je nachdem wie die ID3Tags gesetzt sind, werden die Titel dann sortiert oder sie sind komplett durcheinander, wie es bei ein paar meiner Titel der Fall war.

Um die Übersicht auch in solchen Fällen nicht zu verlieren, ist in Tomahawk eine eigene Suchfunktion integriert. Über diese können alle Dienste gemeinsam durchsucht werden. Filter oder die Möglichkeit, die Suche einzuschränken, sind leider nicht vorhanden. Problematisch wird die Suche auch dann, wenn es von einem Song mehrere Coverversionen gibt. Die Suche listet oft nur Originalinterpret und Songtitel auf, was in manchen Fällen zu einer langen Liste an gleichnamigen Files führt. Zumindest die Quelle wird aber neben jedem Stück angezeigt.

API Hürden en Masse

Im Laufe des Testes ist eine Sache besonders klar geworden: die beschränkten oder teilweise sehr oft modifizierten APIs der Anbieter führen dazu, dass die eine oder andere Funktion manchmal streikt oder den Zugriff komplett verweigert. Auch deswegen sind "zusammenfassende" Streaming-Apps wohl eher die Ausnahme. Die Funktionalität laufend zu gewährleisten scheint eine Sisyphos-Aufgabe zu sein. Gerade der Zugriff auf Stationen und gespeicherte Playlist will kaum funktionieren, was zum Ausweichen auf die in Tomahawk speicherbaren Listen zwingt.

Unter der Haube bietet Tomahawk nur kleine Stellschrauben. Neben einem integrierten Equalizer lässt sich noch die bevorzugte Audioqualität justieren. Auch das automatische Abspielen beim Anschließen eines Headsets kann auf Wunsch aktiviert werden. Ansonsten geizt die App mit Einstellungen, was aber in das recht einfache Gesamtkonzept passt.

Fazit

Tomahawk versucht die vielen einzelnen Musikdienste unter einen Hut zu bringen. Das gelingt aber nur an manchen Stellen. Gerade aufgrund unterschiedlicher API-Einschränkungen können viele Funktionen nur mit Mühe integriert werden.

Die Plugin-Methode ermöglicht aber zumindest eine theoretische Pflege durch die Community. Für den täglichen Gebrauch eignet sich die App daher nur bedingt, gerade bei Partys oder der spontanen Suche nach einem Titel erleichtert der universale Player das Durchforsten einzelner Dienste aber ungemein.

Tomahawk ist kostenlos für Android, Windows, macOS, Linux und einige andere Betriebssystem verfügbar.

(futurezone) Erstellt am 02.04.2017, 06:00

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