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14.01.2018

Start-up will Zustimmung für Sex über Blockchain einholen

Ein niederländisches Start-up hat eine App entwickelt, über die Nutzer Zustimmung zum Geschlechtsverkehr abgeben können. Der "Vertrag" wird auf einer Blockchain gespeichert.

Das niederländische Start-up LegalThings hat am Mittwoch eine App namens „Legal Fling“ angekündigt, mit der zwei oder mehrere Personen eine rechtlich verbindliche Zustimmung zum Geschlechtsverkehr abgeben können. Die App schließt „Smart Contract“ ähnliche „Live Contracts“ ab, die auf einer Blockchain gespeichert werden. So sollen mögliche Folgen rechtlich abgesichert werden, beispielsweise wenn der Sexualpartner eine Geschlechtskrankheit verschweigt oder ohne Zustimmung Bilder und Videos vom Akt verbreitet.

Die App, die schon bald für Android und iOS verfügbar sein soll, erinnert an die „Black Mirror“-Episode „Hang the DJ“, in der per App die Zustimmung zum Sex gegeben wird. Der Nutzer wählt aus den eigenen Kontakten die gewünschte Person aus und schickt ihr auf Knopfdruck eine Anfrage.

"Nein heißt Nein"

Die Screenshots zeigen unter anderem die Einstellungen für einen „Live Contract“, in dem die Details festgelegt werden können. So kann angegeben werden, ob ein Kondom, „freizügige Sprache“ oder BDSM-Techniken verwendet werden sollen sowie ob Fotos und Videos angefertigt werden dürfen. Zudem kann der Sexualpartner angeben, ob er bzw. sie frei von Geschlechtskrankheiten ist.

Die Lösung sei sicher und würde sogar über die App das Verschicken von Unterlassungserklärungen ermöglichen, behauptet das Start-up. Zudem räumen die Niederländer ein, dass man auch bei einem abgeschlossenen „Live Contract“ jederzeit die Meinung ändern kann. „Nein heißt immer Nein. Wenn man bewusstlos ist, heißt das immer Nein. Das steht auch ausdrücklich in der Vereinbarung. Außerdem kann man auf Knopfdruck die Zustimmung in der App entziehen“, heißt es im FAQ.

Kritik an App-Idee

„Legal Fling“ ist nicht die erste App, die die Zustimmung zum Geschlechtsverkehr rechtlich bindend dokumentieren will - wohl aber die erste, die dazu auf Blockchain-Technologie setzt. Bereits Apps wie „We-Consent“ wurden kritisch beäugt. Neben dem Zustimmungsprozess - keine unabhängige dritte Person kontrolliert, ob der Vertrag tatsächlich freiwillig abgeschlossen wird - wird vor allem die Idee hinter den Apps kritisiert. So wird den App-Machern vor allem eine unnötige Vereinfachung der Zustimmung vorgeworfen. Wie Motherboard bereits bei einem Artikel zu „We-Consent“ anmerkte: „Zustimmung zum Sex ist kein Feld zum Ankreuzen, es ist eine laufende Unterhaltung darüber, ob jeder das möchte, was gerade passiert.“

„Legal Fling“ verweist auf seiner Website auf die Debatte über ein neues Sexualstrafrecht in Schweden. Dieses verlangt eine ausdrückliche Einwilligung vor dem Geschlechtsverkehr, wobei diese auch mündlich erfolgen kann. Kritiker wie die Feministin Jaclyn Friedman befürchten jedoch, dass derartige Apps die Debatte in eine falsche Richtung lenken könnten: „Diese Apps beleben eine falsche und gefährliche Debatte, nämlich dass Zustimmung einmal für immer erteilt wird und auf alle anderen Sexualakte zutrifft. Diese Idee voranzutreiben ist noch gefährlicher als gar nicht über Zustimmung zu diskutieren.“