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Österreich
04/02/2012

Musikmarkt schrumpft trotz Online-Wachstum

2011 sind insgesamt 174 Mio. Euro umgesetzt worden, was einem Minus von 6,5 Prozent (2010: 186 Mio. Euro) entspricht. Der Umsatz am Handy- und Internetmarkt wuchs indes um 14 Prozent. Die Umsätze per Streaming sind noch bescheiden, die CD ist insgesamt weiterhin die Nummer 1.

Sony-Music-Chef Edgar Berger sieht die Krise des Musikmarktes überwunden, der internationale Verband der Musikwirtschaft IFPI erkennt Anzeichen von „echtem Optimismus“ - und dennoch ist der heimische Musikmarkt auch im vergangenen Jahr wieder einmal geschrumpft. Wie IFPI Austria mitteilt, konnten 2011 insgesamt 174 Mio. Euro umgesetzt werden, was einem Minus von 6,5 Prozent (2010: 186 Mio. Euro) entspricht. Gleichzeitig ist aber wie im Jahr zuvor der Absatz leicht gestiegen (plus 3,5 Prozent).

Als Fels in der Brandung zeigt sich zunehmend das Onlinegeschäft. Dieses befindet sich beinahe schon traditionell weiter auf Wachstumskurs: 2011 erreichte der Umsatz am Handy- und Internetmarkt bereits 24 Mio. Euro, eine Steigerung um 14 Prozent. Die Verteilung auf einzelne Songs und ganze Alben ist dabei mit 9 respektive 10 Mio. Euro annähernd gleich.

Streaming plus 32 Prozent
Dass sich Musik auf Smartphones zunehmender Beliebtheit erfreut, belegen nicht nur etliche ihre Geräte auf Belastbarkeit prüfende Hörer in öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern auch 1,5 Mio. Euro Umsatz in diesem Bereich - ebenso viel, wie für Handyklingeltöne 2011 ausgegeben wurden. Noch etwas dahinter rangiert derzeit das vielerorts als Rettung des dahinsiechenden Marktes gepriesene Streaminggeschäft: Spotify, Deezer und Co lukrierten in Österreich im vergangenen Jahr rund 1 Mio. Euro (plus 32 Prozent).

Wie schon 2010 hat die IFPI Austria auch für die vorjährige Bilanz die Einnahmen der Verwertungsgesellschaft LSG zu den Gesamtzahlen addiert. Auch hier ist Stagnation die große Maxime, rund 22 Mio. Euro wurden aus Lizenzeinnahmen bezüglich der öffentlichen Sendung und Wiedergabe von Musikstücken (Radio, Fernsehen, Discos, etc.) lukriert.

Cashcow Nummer 1 ist und bleibt aber die CD: Insgesamt 124 Mio. Euro entfallen auf physische Tonträger, die Compact Disc war mit 113 Mio. Euro Umsatz (2010: 125 Mio. Euro) der Platzhirsch, während Musik-DVDs mit 10 Mio. Euro einen markanten Rückgang von knapp 4 Mio. Euro erleiden mussten. Die unter Liebhabern geschätzte Vinylschallplatte bestätigt zwar ihren Aufwärtstrend (plus 10 Prozent), bleibt mit rund 1 Mio. Euro aber Nischenprodukt.

Keine Stabilisierung
Für Hannes Eder, Präsident von IFPI Austria und „Universal“-Chef, belegt das Wachstum im Onlinebereich, „dass die Richtung stimmt“. Vizepräsident Philip Ginthör wiederum betonte die Notwendigkeit, dass „das Urheberrecht genau da ankommen muss, wo die Musikbranche schon ist: im digitalen Zeitalter“.

Schließlich sei „geistiges Eigentum auch im Internet nicht umsonst“. Bis es so weit ist, ist wohl nicht von einer Stabilisierung des heimischen Musikmarktes auszugehen - trotz zunehmend neuer Geschäftsmodelle, die den Gratischarakter der Musikverwertung im Internet immer erfolgreicher unterlaufen und aushöhlen.

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