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Studie

Österreichs IT-Markt mit Aufholbedarf

„Die Branche ist wie in anderen Ländern auch in Österreich stark gewachsen. Im internationalen Vergleich zeigt sich aber, dass ihr Potenzial nicht völlig ausgeschöpft wird“, erklärt Timo Leimbach vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI im Gespräch mit der futurezone. Laut Eurostat-Zahlen aus dem Jahr 2008 kommt Österreich beim Anteil an der privatwirtschaftlichen Gesamtbruttowertschöpfung gerade einmal auf 2,16 Prozent. Nachbarland Deutschland hält bei 3,55 Prozent, Länder wie Schweden (4,1%), Dänemark (3,72%), aber auch die Niederlande (3,67%) liegen deutlich vor Österreich.

Hemmschuh Venture Capital
Als Hemmschuh für eine noch bessere Entwicklung sehen die befragten IT-Unternehmen in Österreich vor allem die Schwierigkeit, geeignete Partner für Investitionen zu finden. Neben fehlendem Venture-Kapital spielt auch der Mangel an qualifiziertem Personal sowie umständliche Prozeduren bei Firmengründungen weiterhin eine Rolle. Positiv bewertet die Studie hingegen die Innovationsfähigkeit der österreichischen Unternehmen sowie der Anteil von breit aufgestellten Dienstleistern und spezialisierten Anbietern im Markt.

Chancen sieht Leimbach vor allem durch die Trends Mobility und Cloud. Letztere sei gerade im Business-Bereich prädestiniert für spezialisierte Anwendungen, mit dem man den Nischenmarkt besetzen könne. „Das nächste Google im Land zu erfinden, ist ein Anspruch, der sich nicht einmal in großen Ländern wie Großbritannien oder Deutschland einfach erfüllen lässt“, sagt Leimbach. Nischenmärkte und der wachsende Markt an mobilen Anwendungen biete hier vermutlich das bessere und realistischere Potenzial.

Apps für iOS, Android und Windows Phone im Trend
Das sehen offenbar auch die 120 befragten Unternehmen so. Aktuell entwickeln bereits 20 Prozent für die Apple-Plattform iOS, weitere 14 planen in naher Zukunft in die App-Entwicklung für iPhone und iPad einzusteigen. Knapp dahinter, aber mit starkem Aufwärtstrend finden sich Android (14 Prozent aktuell, 17 Prozent planen in die Android-Entwicklung einzusteigen) sowie Windows Phone (12%/12%). Letzteres deutet laut Leimbach darauf hin, dass viele österreichische Unternehmen eher im Geschäftsbereich als im Consumer-Segment unterwegs sind.

Finnland habe abgesehen von dem Vorteil durch den Weltkonzern Nokia mit Software-Entwicklern wie Rovio, die unter anderem für Angry Bird verantwortlich zeichnen, gezeigt, dass man mit einem spezialisierten Nischenprogramm global erfolgreich und enorme Wertschöpfung erzielen könne. „Der jahrelange Erfolg von Nokia oder Ericsson hat in Ländern wie Finnland oder Schweden sicher zum Florieren der Software- und IT-Branche im Schatten der Großen geführt. Dass diese Entwicklung nicht ganz unproblematisch ist, wenn es dem Aushängeschild nicht mehr so gut geht, ist die Kehrseite, die sich jetzt auch in Finnland langsam bemerkbar macht“, gibt Leimbach zu bedenken.

Firmengründungen und Exportleistung positiv
Für Österreich sieht Leimbach dennoch kein Grund zur Sorge. Auch die Finanzkrise habe die positive Entwicklung der Branche nachhaltig gestört. Sowohl die Firmengründungen als auch die Exportleistung seien in den vergangenen Jahren positiv gewesen. Laut OECD beträgt die Exportquote der Softwareindustrie derzeit 1,6 Prozent am Gesamtexport. Zum Vergleich: Während Länder wie Schweden (3,5%) und Finnland (6,5%) immer noch von den dort angesiedelten Konzernen profitieren, liegt die Exportquote von Deutschland (1,3%), aber auch den USA (1,0%) unter der Österreichs. Absoluter Spitzenreiter aufgrund der dort angesiedelten Unternehmen wie etwa Google besitzt Irland mit 15,9 Prozent.

Für die von der Computerwelt und Con.ect in Auftrag gegebene Studie wertete Fraunhofer vorhandenes Datenmaterial (Eurostat, OECD) aus sowie führte eine Befragung von 120 österreichischen Unternehmen unterschiedlicher Größe durch.

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