B2B
03.06.2014

Siemens bläst Verkauf von Frachtlogistiksparte ab

Die Rückintegration erinnert Beobachter an Joe Kaesers Umgang mit der Hörgerätesparte.

Siemens verzichtet überraschend auf den Verkauf seiner Frachtlogistiktechnik. Die Technik für Gepäck- und Postsortieranlagen bleibe im Konzern, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. "Ich habe immer wieder deutlich gemacht, dass wir Geschäfte auch wieder selbst in Ordnung bringen müssen. Bei der Postautomatisierung und Flughafenlogistik werden wir das tun", erklärte Vorstandschef Joe Kaeser.

Die Sparte werde als eigenständige Firma unter dem Konzerndach von Siemens fortgeführt und mit entsprechendem Kapital ausgestattet. "Wir werden das Unternehmen so aufstellen, dass es in seinem mittelständisch geprägten Wettbewerberumfeld besser und flexibler agieren kann", fügte Kaeser hinzu.

Siemens hatte zuletzt mit dem US-Finanzinvestor Wilbur Ross verhandelt. Die Gespräche waren bereits weit fortgeschritten, dann entzweiten sich die beiden Parteien auf der Zielgeraden doch noch. Die Sparte, die Großkonzerne wie die US-Post oder die Deutsche Post zu ihren Kunden zählt, setzt im Jahr rund 800 Mio. Euro um.

Erinnerungen an Hörgerätesparte

Der Geschäftsbereich warf eigentlich nach dem Geschmack von Siemens zu wenig Rendite ab. Zudem will sich der Münchener Konzern künftig stärker auf die Felder Energietechnik und Industrieausrüstung konzentrieren und deshalb Randbereiche abstoßen. Neuer Chef des auch LAS genannten Geschäftsfelds wird Michael Reichle. Der 44-Jährige führt bisher den Lokomotivenbau von Siemens.

Die Rückintegration erinnert an Kaesers Umgang mit der Hörgerätesparte. Vor Jahren wollte er das Geschäftsfeld loswerden, die Gebote fielen ihm dann allerdings zu niedrig aus. Als Folge verzichtete Siemens auf eine Trennung und möbelte seine Audiologische Technik in Eigenregie auf. Mittlerweile ist die Braut hübsch genug für den Kapitalmarkt. Nun soll die Tochter an die Börse gehen.