B2B
07.05.2014

Smart Meter: "Kunden sollen Kontrolle über Daten bekommen"

Erst wenn Nutzer die Kontrolle über ihre Smart Meter-Daten bekämen, würden sie sich fürs Stromsparen interessieren, meint Ubitronix-Geschäftsführer Christoph Schaffer.

„Der intelligente Stromzähler ist auch nur ein Messgerät wie die Waage. Alleine wenn man sich draufstellt, verliert man noch kein Gewicht. Das ist bei einem Smart Meter nicht anders“, erklärt Schaffer bei einem Pressegespräch in Wien. Der Professor an der FH Hagenberg und Geschäftsführer der kürzlich von der S&T AG übernommenen Firma Ubitronix aus Oberösterreich hat seit Jahren eine Vision: Die Kontrolle über die Daten von Smart Metern, also intelligenten Stromzählern, den Kunden in die Hände zu legen, anstelle von Energieversorgern. Nur so seien auf Dauer Einsparungen beim Energieverbrauch möglich.

Kontrolle über Echtzeit-Daten

In den österreichischen Gesetzgebungsprozess ist diese Idee von Schaffer, obwohl er damit bereits vor fünf Jahren auf diversen Smart Meter-Messen hausieren gegangen ist, leider nicht eingeflossen. Stattdessen wurde festgelegt, dass die Daten von Smart Metern künftig einmal täglich und bei Zustimmung des Kunden in 15-Minuten-Intervallen vom Energieversorger erhoben werden und dem Kunden erst am nächsten Tag per Web-Portal zur Verfügung gestellt werden sollen.

„Bei diesem Modell fehlt die Nachhaltigkeit. Bei den Daten vom Vortag weiß man nicht mehr so genau, welche Geräte man wann eingeschalten hatte und kann sie keinem spezifischem Verbrauch mehr zuordnen“, kritisiert Schaffer die österreichische Lösung. Gänzlich abschreiben sollte man die Idee des Oberösterreichers, dem User die Kontrolle über seine Echtzeit-Daten zu geben, jedoch nicht.

Kundenschnittstelle

Technisch ist es noch immer möglich, sie in Österreich umzusetzen. Jeder intelligente Zähler muss nämlich neben einer Schnittstelle für Netzbetreiber, Spartenzähler und einer optischen Schnittstelle auch eine Kundenschnittstelle aufweisen. Das ist in einer Verordnung so festgelegt worden. Genau über diese Kundenschnittstelle könnte man nun laut Schaffer einen lokalen Datenspeicher aufbauen, über den Kunden die Kontrolle über ihre Daten bekämen. Via Powerline-Adapter könnten die Daten vom Kunden selbst abgegriffen werden. Die Darstellung der Daten könnte dann via Smartwatch, Fitnessband, Tablets, Android TV oder andere IT-Geräten, die es gerade am Markt gibt, erfolgen. Dazu wird dann ein Powerline-WLAN-Adapter benötigt. Schaffer spricht dabei von einem Einsparungspotential bis zu zwölf Prozent. Allerdings gilt auch hier das Motto: „Man muss sich Zeit nehmen, um Energiefresser zu identifizieren.“

Damit nicht nur Einmal-Effekte erzielt werden, sondern nachhaltig Energie eingespart wird, müsse man dann mit Zeit- oder Tarifschaltuhren arbeiten – vorausgesetzt es wird einmal unterschiedliche Stromtarife geben und diese werden lokal am Zähler gespeichert und nicht in der Zentrale des Energieversorgers. Außerdem ist die Aufrüstung des Haushalts mit entsprechenden Powerline-Adaptern nicht gerade billig. Für einen Drei-Personen-Haushalt muss man laut Schaffer mit Kosten um die 150 bis 200 Euro rechnen. „Nicht nur der Energieverbrauch darf etwas kosten, sondern auch eine Einsparung. Das sind wir unseren Nachfahren schuldig“, meint Schaffer.

Energiedaten in Kundenhänden

Von Seiten der Energieversorger besteht in Österreich derzeit allerdings kein großes Interesse, die Energiedaten in die Hände der Kunden zu legen. „Die Energieversorger sind derzeit mit der Planung des Roll Outs beschäftigt. Da spielt die Frage, wie man mit den neuen Zählern eigentlich Energie sparen soll, kaum eine Rolle, sondern es geht hauptsächlich um die Kostenfrage“, kritisiert Schaffer. Doch dies sei viel zu kurz gedacht – ohne Einsparungen von Energie hätten die neuen Zähler nämlich kaum einen Nutzen. „Nur zum Auslesen des Stromverbrauchs braucht man keine smarten Zähler. Das können die alten Ferraris-Zähler genauso“, sagt Schaffer.

Eine Vision des Professors für Mobile Computing an der FH Hagenberg lässt sich in Österreich wahrscheinlich nicht mehr so einfach umsetzen: Dass die Kunden ihre Energiedaten auch selbst besitzen – und entscheiden können, wer auf sie zugreifen darf. „Es wäre schön, wenn man von seinen Stromdaten sagen könnte: Das sind meine Daten. Ich kann kontrollieren, was damit passiert“, schildert Schaffer das Szenario.

Geld für die Daten

Nutzer könnte ihre Daten dann einerseits dem Energieversorger zur Verfügung stellen, um die Effizienz im Stromnetz zu erhöhen, oder aber auch an andere Unternehmen verkaufen. „Der Kunde könnte das selbst entscheiden, wem er seine Daten zur Verfügung stellen will und einen Preis dafür festlegen.“ Diese Überlegung, Daten wieder in die Hände der User zu legen, wird bereits vielerorts diskutiert. Ob die Energiebranche da den Anfang machen wird, bleibt fraglich. Auch ob es als Anreiz reicht, mehr Bewusstsein für den Stromverbrauch zu generieren, ist nicht praxiserprobt. In den EU-weiten Pilotprojekten, die Ubitronix mit Forschungsgeldern europaweit durchgeführt hat, ging es hauptsächlich darum zu testen, ob man mit Echtzeit-Daten Energie sparen kann. Dabei kam vor allem eines heraus: „Klar ist: Keiner will auf Komfort verzichten.“