B2B 22.12.2017

Was die UPC-Übernahme für den Markt bedeutet

Jetzt Komplettanbieter: T-Mobile © Bild: AP/Richard Drew

Nach dem Kauf von UPC durch T-Mobile gerät nicht nur A1, sondern auch Drei unter Druck. Von den Wettbewerbsbehörden wird es wohl Auflagen geben.

Seit Freitagmorgen ist es auch offiziell. T-Mobile Austria kauft für knapp zwei Milliarden Euro UPC Austria. Der neue integrierte Anbieter wird dem Platzhirschen A1 Telekom Austria mit gebündelten Angeboten aus Breitband, Mobil- und Festnetztelefonie und TV zusetzen. Aber auch Drei, das vor Kurzem den Festnetzanbieter Tele 2 Österreich übernahm, könnte unter Druck geraten, meinen Marktbeobachter.

Die geplante Übernahme sei ein „Meilenstein“ in der Strategie von T-Mobile Austria, Österreichs führender Breitband-Anbieter zu werden, heißt es seitens T-Mobile. T-Mobile-Kunden könnten künftig alle Dienste des digitalen Alltags aus einer Hand beziehen, so das Unternehmen. Solche Kombi-Angebote, die A1 bereits seit langem anbietet, versprechen Kunden Preisvorteile.

Vor allem im urbanen Bereich ist T-Mobile auf die Glasfaserinfrastruktur von UPC Austria angewiesen. Der Anbieter, der zunehmend auch auf den Markt für Heim-Internet schielt, braucht zur Ergänzung seiner mobilen Netze leistungsfähige Leitungen, um den vor allem durch Streaming zunehmenden Datenverkehr zu bewältigen.

Konsolidierung am Kabelmarkt

Die Übernahme ermögliche es T-Mobile effektiver mit A1 zu konkurrieren, sagt Jan Hein Bakkers, Telekom-Analyst bei IDC. In Österreich gebe es nun drei starke Player. Interessant werde sein, ob T-Mobile am Kabelmarkt nun weitere Zukäufe tätigen wird, um den Markt zu konsolidieren und Lücken in der Abdeckung zu schließen.

Auch Drei unter Druck

Mit dem Deal würde nicht nur A1, sondern auch der dritte heimische Mobilfunkanbieter Drei unter Druck geraten, sagt der Analyst Karim Taga von Arthur D. Little. Drei habe zwar Anfang November den alternativen Festnetzanbieter Tele2 Österreich übernommen, sich dabei vor allem im Geschäftskundenbereich gestärkt. Das Heim-Internet folge anderen Gesetzen, meint Analyst Taga.

Sollte Drei sich künftig auch als Festnetzanbieter für Zuhause positionieren wollen, könnte es für den Provider - eingequetscht zwischen A1 auf der einen und T-Mobile/UPC auf der anderen Seite - schwierig werden, sich Zugang zu entsprechender Infrastruktur zu verschaffen, sagt Taga: "Da könnte es regulatorischen Bedarf geben."

Regulatorische Auflagen

Taga rechnet damit, dass ein Zusammenschluss von T-Mobile und UPC Auflagen der Wettbewerbsbehörde mit sich bringen könnte. Je nachdem, wie diese ausfallen, könnte die Fusion auch noch scheitern, meint der Analyst.

In Malta sei dies vor Kurzem bei einem ähnlichen Fall geschehen. Anfang Dezember musste dort die Übernahme des maltesischen Festnetzanbieters Melita durch die örtliche Tochter des britischen Mobilfunkanbieters Vodafone abgeblasen werden, weil die Anforderungen der Wettbewerbsbehörden nicht erfüllt werden konnten.

Mit ihrem Zusammenschluss liegen T-Mobile und UPC im internationalen Trend. Quer durch Europa sind in den vergangenen Jahren Mobilfunkanbieter mit Festnetzbetreibern zusammengegangen und haben sich zum Komplettanbieter gewandelt. Für reine Mobilfunkanbieter werde es zunehmend eng, meint Taga. Pro Land werde sich in Europa höchstens einer behaupten können.

( futurezone ) Erstellt am 22.12.2017