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INiTS
04/16/2011

"Wien braucht einen Gründercampus"

Der Geschäftsführer vom Universitären Gründerservice INiTS Michael Rauhofer träumt von einem eigenen Gründercampus für Wien. Die Vernetzung der Jung-Unternehmer würde dem Standort einen Aufschwung bescheren. Was der CEO jungen Technologie-Unternehmen mit auf den Weg geben möchte, hat er der futurezone verraten.

von Barbara Wimmer

In der Wiener Phorusgasse, die vom Unternehmen Frequentis ins Leben gerufen wurde, gibt es seit 2001 ein Gründerzentrum für Start-Ups mit Technologie-Schwerpunkt. Dort sind derzeit acht junge Unternehmen beheimatet, die vom Universitären Gründerservice INiTS unterstützt werden.

futurezone: Was bedeutet der Standort Phorusgasse für die INiTS?

Rauhofer: Wir sind heilfroh, dass es die Phorusgasse gibt, es ist ein wunderbarer Beginn. Ich würde mir allerdings wünschen, es gäbe mehr Phorusgassen in Wien - oder eine riesige, wo 100 Start-Ups auf einem Fleck angesiedelt sind. Ein paar tausend Quadratmeter Gründercampus könnte Wien schon verkraften. Denn internationale Beispiele zeigen, dass viel durch die Kommunikation und durch die Nähe zu anderen Unternehmen passiert.

Das heißt, Start-Ups unterstützen sich gegenseitig.

Ja. Es findet sehr viel Informationsaustausch von Start-up zu Start-up statt. Das kann man in kein Weiterbildungsprogramm oder Trainingscamp hineinpacken, denn es passiert zufällig in der Kantine, oder wenn es am Freitag Pizza für alle gibt. Dieses informelle Element ist gewaltig. Diesen Schatz kann man allerdings nur dann heben, wenn man Infrastruktur bereitstellt, die leistbar ist und in der es auch Meeting- und Kreativräume gibt, so dass man auch atmosphärische Wechsel hat. Jeder kennt seinen Desktop, aber oft hilft ein Szenenwechel, um wieder neue Ideen zu generieren.

Sie wünschen sich für Wien einen eigenen Start-Up-Campus?

Wenn wir es für Wien schaffen würden, eine Infrastruktur dieser Art im großen Stil aufzubauen, würde der Standort nochmals einen deutlichen Aufschwung erleben. Das wäre ein Ziel der INiTS, denn ein toller Campus bringt es - und das gilt nicht nur fürs Silicon Valley, für Cambridge, das gilt auch für Wien.

Finden Sie Österreich als Standort für Start-Ups aus dem Technologiesektor ideal?

Das Wort ideal legt die Latte schon sehr hoch. Wir haben auf jeden Fall exzellente Ausbildungen an unseren Universitäten und ein engmaschiges Fördersystem auf Bundesebene. Technologiegeschichten sind aber sehr kapitalintensiv. Dieses Kapital hat der 20- oder 30-jährige Gründer nicht auf der Seite. Die Förderungen helfen zumindest dabei, Prototypen zu entwickeln,  die man am Markt zeigen kann, um Referenzen einzuholen, ob das, was man vor hat, wirklich nachgefragt wird oder nicht.

Soweit sogut. Doch reicht dies, um ein Unternehmen zu starten?

Wenn der Markteintritt bevorsteht, wird es schwieriger. Mit Business Angles und Venture Capital-Firmen sieht es in Österreich düster aus und es wird zunehmend schlechter. Damit gibt es schon einmal einen deutlichen Abstrich für eine Ideal-Situation. Man versucht mit den Förderinstrumenten soviel wie möglich im Entwicklungssektor abzupuffern. Damit verschiebt sich der finanzielle Engpass zwar ein Stück nach hinten, aber es ist keinesfalls ein Ersatz für Privatkapital.

Was empfehlen Sie jungen Unternehmen in einer solchen Situation?

Wir adressieren bei den Start-Ups, die wir unterstützen, das Thema Eigen- und Fremdkapital frühzeitig. Sich mit dem Gedanken anzufreunden, Finanzpartner ins Unternehmen reinzuholen, ist emotional gar nicht so einfach. Wenn man diese Hürde genommen hat, fehlt einem oftmals noch das Handwerkszeug, wie man mit Investoren redet und das Verständnis dafür, was einem diese bringen. Denn Geld alleine ist zu wenig. Unsere Start-Ups sind beispielsweise im Forschungsbereich gut vernetzt, aber im Markt fehlen die Kontakte. Hier könnten Investoren unterstützend eingreifen.

Was ist aus Ihrer Sicht noch wichtig?

Man sollte bei der Planung auch die Zeitachse nicht aus dem Auge verlieren, denn Brücken muss man bauen, bevor man sie betreten möchte - und so eine Brücke zum Kapitalmarkt zu bauen kann auch ein Jahr dauern.

Das Ziel von INiTS ist es, Unternehmen mit wirtschaftlicher Perspektive in Österreich aufzubauen?

Selbsverständlich. Man darf jetzt Österreich allerdings nicht als Markt verstehen, das ist zu klein gedacht. Auch eine Frequentis ist Weltmarktführer und hat hier ihr Headquarter. Österreich ist ein interessanter regionaler Markt, um ein Geschäftsmodell zu testen. Aufgrund der hohen Lohn-Nebenkosten ist es aber nicht so einfach, hier auch Produktionstätten aufzubauen.

Wie viele Unternehmen fördert INiTS derzeit?

Per Ende September, das ist unser Geschäftsjahresende, wird es 108 INiTS-Projekte geben. Diese haben etwa 550 neue Arbeitsplätze geschaffen. Was damit einhergeht, sind, 115 Millionen Kapital. Ein Großteil davon ist Privatkapital. Es zeigt sich hier immer wieder, wie groß das Potential von Wien ist. Ich erwarte mir, dass die Headquarters von unseren geförderten Projekten auch tatsächlich hier bleiben. Alles andere wie Produktion oder Vertrieb muss natürlich da passieren, wo der Markt ist.

Bei welcher Technologie sehen Sie die größten Wachstumschancen?

Die großen Trendthemen sind Alterung, Gesundheit, Nahrungsmittel, Trinkwasser. Das sind das die Problemfelder auf der globalen Seite und dafür braucht es Lösungen.  In welchem Technologiesegment sich diese Lösungen bewegen, möchte ich nicht definieren. Wir haben als Österreicher außerdem gelernt, uns in Nischen zu bewegen und uns darin auch sehr gut zu behaupten.

Frequentis fördert das Universitäre Gründerservice INiTS, das sich um alle acht in der Phorusgasse beheimateten Start-Ups kümmert. INiTS hilft den Unternehmen bei und nach der Gründung. Die Start-Ups teilen sich nicht nur die Ressourcen, sondern sind auch untereinander vernetzt.