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Mobile World Congress
02/24/2014

A1-Chef schließt weitere Tariferhöhungen nicht aus

Mit Zusatzgebühren und steigenden Tarifen hat vor allem Marktführer A1 zuletzt für Unmut gesorgt. A1-Generaldirektor Hannes Ametsreiter sieht die Frequenzauktion als Ursache.

Zusatzgebühren und steigende Tarife. Österreichische Mobilfunkkunden mussten im vergangenen Jahr einiges schlucken. Die Mobilfunkpreise sind um bis zu 101 Prozent gestiegen, A1 war dabei der Vorreiter, was die Kunden wenig erfreut hat. „Wir haben in Österreich nach wie vor die billigsten Tarife in Europa und liegen 40 Prozent unter dem Europa-Durchschnitt“, sagt A1-Generaldirektor Hannes Ametsreiter im futurezone-Interview.

Teure Frequenzauktion schuld

Grund für die Tarifanpassungen sei die Frequenzauktion im Oktober 2013 gewesen, bei der die höchsten Preise in Europa erzielt worden seien. „1 Milliarde Euro sind eine massive Belastung, und da haben wir erst die Lizenz und noch nicht einmal gebaut.“ Um die Investitionen tätigen zu können, habe man Schritte setzen müssen. Weitere Tariferhöhungen könne er nicht ausschließen, da er auch in Zukunft infrastrukturell ein hervorragendes Netz bieten wolle.

Allerdings hält Ametsreiter es auch für möglich, dass die Tarife im Laufe 2014 wieder sinken könnten, wenn die ersten Mobile Virtual Network Operator (MVNO) am Markt auftreten werden, 2014 werden nämlich neue Betreiber wie Mass Response, UPC oder auch „Ventocom“ auf den Markt kommen. Hinter Ventocom steht Ex-Orange-CEO und Rapid-Präsident Michael Krammer, dem in der Branche einiges zugetraut wird. „Es wird wieder mehr Wettbewerb geben“, ist Ametsreiter überzeugt.

"Alles ist möglich"

„Wie wir reagieren, wissen wir noch nicht. Es kann sein, dass wir wieder mit den Preisen runter gehen. Alles ist möglich“, so Ametsreiter. Dass sich Kunden gepflanzt fühlen und der Eindruck einer zwischenzeitlichen Abzocke entsteht, wenn Preise zuerst rauf und dann wieder runter gehen, glaubt Ametsreiter nicht. „In einem funktionierenden Markt ist eben alles möglich, da gibt es Tarifanpassungen.“ Er warte die Angebote ab, die ersten werden wohl erst im zweiten Halbjahr 2014 bekannt werden. Ametsreiter rechnet mit etwa einem halben Dutzend neuer Betreiber. Erfolge am Massenmarkt traut er den neuen nicht zu, aber „die Schlauen werden eine Nische finden“.

Die Frequenzauktion hat der Regierung mehr als zwei Milliarden Euro in die Kasse gespült und es gibt eine Zusage, wonach eine Milliarde zweckgewidmet wieder in den heimischen Netzausbau zurückfließe. Dass durch den Hypo-Skandal das Geld aus der Auktion zur Schuldentilgung verwendet würde, hofft Ametsreiter nicht. „Es gibt eine Zusage des Ministeriums. Da es die Verantwortlichen noch gibt, gehe ich davon aus, dass das hält. Wir fragen ständig nach.“ Vermutlich werden die Ergebnisse der Klagen abgewartet – T-Mobile und Drei haben gegen die Frequenzauktion berufen. Mit der Milliarde – der Verteilungsschlüssel müsse noch festgelegt werden – könne man den ländlichen Raum und strukturschwächere Regionen fördern. „In einer digitalen Gesellschaft gehört gute Infrastruktur dazu“, so Ametsreiter.

2014 ist das Jahr von LTE

Eines der großen Themen 2014 werde der Ausbau des LTE-Netzes sein - die notwendigen Mittel seien aufgestellt. 212 LTE-Stationen habe man im Spektrum LTE 800 MHz bereits aufgebaut, bis Ende 2014 werde man 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung mit LTE versorgt haben. „LTE ist der Sprung in die nächste Ära, wir haben heute die beste Frequenzausstattung in ganz Europa und damit den Grundstein für das beste Netz der nächsten 15 bis 20 Jahre“, so Ametsreiter, der den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz halten will - neben A1 bietet derzeit nur T-Mobile LTE an

Am Mobile World Congress in Barcelona, der heute begonnen hat, werde zwar bereits die LTE-Nachfolge-Technologie 5G präsentiert, die noch schneller als LTE ist, aber das sei derzeit noch kein Thema. „Aber freilich behalten wir auch diese Innovation im Auge.“ Schneller könnten die heimischen Netze in jedem Fall werden. „Wir könnten auch im Festnetz aufs Bandbreiten-Gas steigen, wenn der Regulator das genehmigen würde“, kritisiert Ametsreiter. „Wir reden da von bis zu 30 Mbit pro Sekunde, was viele Kunden als Spitzentempo empfänden.“

Breitband-Ausbau in ländlichen Regionen

A1 setzt auf eine Methode, die Vectoring genannt wird. Damit ist eine Technologie gemeint, mit der das Kupfernetz beschleunigt und das Tempo verdoppelt bis verdreifacht werden kann. „Wir haben es bereits aufgedreht und liefern schnelle Bandbreiten, dürfen das aber nicht in den Gebieten, wo Entbündler verbreitet sind.“ Diese Entbündler – u.a. Tele 2 oder UPC – seien gegen eine Bandbreitensteigerung, weil sie mehr Miete an A1 zahlen müssen.

Die Entbündelung macht es möglich, dass die Infrastruktur eines etablierten Anbieters von Konkurrenten gemietet werden kann. Diese Miete ist regulatorisch geregelt. Würde der Regulator Vectoring genehmigen und die Entbündler umsteigen, dann hätten alle Kunden höhere Bandbreiten. „In der Digitalen Agenda der EU steht ja, dass für die Kunden mehr Bandbreite geschaffen werden soll.“ Jeder sollte also an einem Ausbau Interesse haben.

Zukunftsmarkt M2M

Um in Zukunft zusätzliche Einnahmen zu lukrieren, setzt A1 seit geraumer Zeit auf M2M, Machine-to-Machine-Kommunikation, also Lösungen für das Internet der Dinge. „Bei M2M wachsen wir zweistellig, das wird ein lukratives neues Geschäftsfeld“, bestätigt Ametsreiter. A1 biete bereits Produkte im Industrie-Bereich an, etwa Smart Meter, Hochwasser-Sensoren, Schneepflüge, die per M2M mitteilen, wo der Schnee weggeschaufelt wurde, Telematik-Dienste etc. „M2M wird ein Massenmarkt, und da wir das früh erkannt haben, sind wir weit vorne im Vergleich.“ Ein neues M2M-Produkt wird demnächst vorgestellt – ein Fahrrad-Lokalisierungs-System, mit der Diebstähle verhindert bzw. gestohlene Räder gefunden werden können.