Armed Black Hawk
Flügel zum Nachrüsten machen Black Hawk zum schwer bewaffneten Kampfhubschrauber
Der UH-60 Black Hawk gehört zu den bekanntesten Militärhubschraubern. Nicht nur wegen dem Film „Black Hawk Down“, sondern weil er weit verbreitet ist. Seit seinem Erstflug im Jahr 1974 wurden über 5.000 Stück gebaut. Auch beim Bundesheer kommt er zum Einsatz.
Der beliebte Transporthubschrauber könnte jetzt neue Aufgaben übernehmen. Denn der Hersteller Sikorsky, der mittlerweile zu Lockheed Martin gehört, stellt das „Armed Black Hawk Kit“ vor.
Flügel für Waffen
Das Kit wurde schon im Sommer 2024 getestet und gezeigt. Zudem war es bei Rüstungsmessen zu sehen. Jetzt kann es laut Sikorsky offiziell bestellt werden, auch von internationalen Kunden.
Das Kit enthält 2 Flügel, die über den Schiebetüren angebracht werden. Diese Flügel dienen nicht dem Auftrieb, sondern sind Waffenträger. Damit bekommt der Black Hawk Waffenstationen, ähnlich wie der Kampfhubschrauber AH-64 Apache.
AH-64 Apache: Links und rechts unter den Flügeln befinden sich je 2 Hardpoints zur Montage von Waffen
© US Army
Das Konzept der bewaffneten Black Hawks ist allerdings nicht neu. Es gibt bereits einige Umbauten, die ihm Flügel für Waffen geben. Bekannt geworden sind die etwa durch das 160th SOAR. Die „Nightstalkers“ setzen diese Hubschrauber zur Unterstützung der US-Spezialkräfte ein.
160th SOAR Black Hawk mit Bewaffnung
© US Army
Der Armed Black Hawk soll keine Speziallösung sein, sondern es Kunden möglichst einfach machen, ihre Black Hawks zu Kampfhubschraubern zu konvertieren. Deshalb wird Sikorsky zum Start 2 Kits anbieten, die vorkonfiguriert sind. Die Ausstattung der Kits wurde nicht genannt. Auf der Website zum Hubschrauber ist aber eine Konfiguration im Detail zu sehen, weshalb man davon ausgehen kann, dass das eines der Kits ist.
Das Kit sieht 6 Waffen vor. Links außen ist eine Aufhängung für 4 Hellfire-Raketen. Die lasergelenkte Luft-Boden-Rakete hat eine Reichweite von bis zu 11 km und ist zur Bekämpfung von Panzern gedacht. Das optisch-elektronische Modul zum Finden des Ziels und zum Markieren per Laser wird an der Nasenspitze des Armed Black Hawk angebracht.
Rechts außen ist ein Startbehälter für 19 APKWS-Raketen. Die lasergelenkten Raketen haben eine Reichweite von bis zu 5 km. Sie haben weniger Durchschlagskraft als die Hellfire, können aber trotzdem gegen Fahrzeuge und leicht gepanzerte Ziele eingesetzt werden. Zudem lassen sich damit Kamikaze-Drohnen bekämpfen, etwa solche in der bekannten Shahed-136-Bauweise.
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4 Miniguns
Die inneren Montagepunkte an den Flügeln sind für Gunpods des Typs GP-19 vorgesehen. Das ist eine 3-läufige Gatling-Gun im Kaliber .50 BMG mit einer Magazingröße von 600 Schuss. Die effektive Reichweite liegt bei etwa 2 km. Die Feuerrate beträgt bis zu 1.300 Schuss pro Minute. Da beide Gunpods gleichzeitig abgefeuert werden, sind das über 40 Schuss pro Sekunde.
Werden keine Doorgunner benötigt, also Soldaten, die seitlich montierte Maschinengewehre bedienen, können mit dem Kit 2 nach vorne ausgerichtete M134 genutzt werden. Die 6-läufige Gatling Gun hat das Kaliber 7,62x51 mm, das etwa auch bei Sturmgewehren, wie dem Stg58 und G3, genutzt wird. Vom Hubschrauber aus beträgt die Reichweite etwa 1.000 m.
Die Feuerrate von bis zu 6.000 Schuss pro Minute ist meistens auf 4.000 beschränkt, um Munition zu sparen. Feuert der Armed Black Hawk mit beiden gleichzeitig, sind das trotzdem 133 Schuss pro Sekunde.
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Weitere Waffen möglich
Sikorsky betont, dass das Kit modular ist. Die 4 Hardpoints, je 2 pro Flügel, können also auch mit anderen Waffen bestückt werden, wie etwa Raketen, Drohnen oder Loitering Munition. Bei einer Veranstaltung wurde der Armed Black Hawk mit der AGM-179 JAGM gezeigt. Die Luft-Boden-Rakete ist die Nachfolgerin der Hellfire.
Armed Black Hawk bei einer Veranstaltung mit AGM-179 und Spike-NLOS
© Sikorsky
Außerdem war der ausgestellte Hubschrauber mit Spike-NLOS bewaffnet. Diese Panzerabwehrrakete hat, je nach Ausführung, eine Reichweite von bis zu 50 km.
In weniger als 3 Stunden installiert
Die Kits sollen problemlos auf bestehende Black Hawks in der Ausführung UH-60M installiert werden können. Der Um- bzw. Abbau dauert weniger als 3 Stunden, wodurch der Black Hawk auch nur im Bedarfsfall zum Kampfhubschrauber werden kann und sonst weiterhin als Transporthubschrauber nutzbar bleibt.
Selbst mit dem Kit kann der Armed Black Hawk noch bis zu 11 Soldaten unterbringen und unter dem Hubschrauber montierte Fracht transportieren. Die Traglast ist aber geringer, je nachdem welche Waffen montiert werden.
Grafische Darstellung des Armed Black Hawk
© Sikorsky
Black-Hawk-Nachfolger in den Startlöchern
Dass Sikorsky gerade jetzt das Kit vorstellt, dürfte nicht ganz zufällig sein. Erst diese Woche hat die US Army dem Tiltrotorflugzeug MV-75 seinen offiziellen Namen gegeben: Cheyenne II. Damit rückt die Abkehr vom Black Hawk näher.
Die US Army plant, die Hälfte ihrer etwa 2.200 Black Hawks durch den MV-75 zu ersetzen. Später könnte der Rest folgen. Es ist denkbar, dass andere Nationen, vor allem NATO-Länder, den USA nacheifern und ebenfalls ihre Black Hawk ersetzen. Für Sikorsky ist das nicht gut, da der Cheyenne II vom Konkurrenten Bell gebaut wird. Dementsprechend wird der dann die lukrativen Service- und Ersatzteilverträge zur Erhaltung der Hubschrauber bekommen.
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Es gibt zwar auch Pläne den MV-75 zu bewaffnen, die sind aber noch nicht so weit fortgeschritten. Sikorsky gibt also mit dem Kit bestehenden Black-Hawk-Kunden einen zusätzlichen Anreiz, länger den Hubschrauber einzusetzen. Zudem könnte das Kit für Armeen interessant sein, die zwar Black Hawks besitzen, aber keine vollwertigen Kampfhubschrauber, wie etwa Österreich, Schweden oder Portugal.
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