Digital Life
01.04.2015

Aus welchen Speicher-Wracks man noch Daten retten kann

Datenträger können Flugzeugabstürze überleben. Sind Festplatten oder Flash-Speicher aber erst einmal zerbrochen, so sind die Daten darauf nicht mehr zu retten.

Aus den Wrackteilen der in Frankreich abgestürzten Germanwings-Maschine wurde angeblich ein Gerät geborgen, mit dem ein Video aufgenommen wurde, das die letzten Sekunden vor dem Aufprall zeigt. Personen aus dem Ermittlerkreis sollen es weitergegeben haben. Die französische Staatsanwaltschaft bestreitet den Fund und zweifelt an der Echtheit des Videos.

Wie zerstört können Datenspeicher aber eigentlich sein, um dennoch Daten darauf zu rekonstruieren? Die futurezone hat mit Markus Häfele, einem Datenrettungs-Spezialist bei Attingo, darüber gesprochen.

Hoffnung auf weitere Daten

"Wie man auf Bildern gesehen hat, ist der Voice Recorder des abgestürzten Airbus schon ziemlich deformiert. Es ist fraglich, ob Speichermedien da noch als Ganzes da sind", meint Häfele. Sollte sich das gefundene Video als real herausstellen, dann könne man jedoch davon ausgehen, dass noch weitere Daten von Geräten an Bord rekonstruiert werden können.

Auch die kurze Zeit, die offenbar dafür notwendig war, um ein komplettes Video zu rekonstruieren, deute auf einen relativ geringen Schaden hin. Bei groben Schäden sei man schon bis zu vier Wochen lang beschäftigt, um Daten aus einem Speicher zu retten.

Mindestvoraussetzungen

Um einen Datenspeicher überhaupt auslesen zu können, seien bestimmte Mindestvoraussetzungen Pflicht, meint Häfele. "Bei einer Laptop-Festplatte müssen etwa die Magnetscheiben ganz sein. Wenn sie zerbrochen sind, wird die Rekonstruktion schwierig bis unmöglich." Bei Smartphone- oder Kamera-Speichern verhalte es sich ähnlich. Diese Geräte verwenden Flash-Speicher. "Wenn Flash-Zellen gebrochen sind, oder auch nur Haarrisse aufweisen, ist die Sache unmöglich." Sind Speichermedien gebrochen, die Flash-Zellen aber noch intakt, dann werde die Datenrekonstruktion zum Puzzlespiel.

Bei Laptop-Festplatten könne man die Magnetscheiben aus dem Gehäuse entfernen und in ein intaktes Gehäuse "transplantieren", erklärt Häfele: "Dabei muss aber ein baugleiches Gehäuse verwendet werden." Festplattengehäuse seien relativ robust. Bei mechanischer Belastung werde oftmals nur die Festplatten-Hülle verbogen. Die Magnetplatten blieben dagegen oft heil.

Starke Hitze vertragen die meisten Datenträger nur sehr kurz. Wenn Speicherkarten längere Zeit Hitze ausgesetzt sind, beginnt die Plastikhülle zu schmelzen. Um den darin verborgenen Flash-Speicher ist es dann eher schlecht bestellt. Bei Festplatten würden durch Hitze zunächst die elektronischen Steuerelemente zerstört. Die Magnetscheiben seien zusätzlich abgesichert. Auch ein Laptop-Gehäuse könne laut Häfele als Hitzeschutz dienen, allerdings nur bis zu einem gewissen Grad.

Daten können Abstürze überstehen

Im Falle eines Flugzeugabsturzes würden häufig rekonstruierbare Datenspeicher gefunden, meint Häfele. Nach dem Absturz des Afriqiyah-Airways-Fluges 771 im Jahr 2010 seien etwa einige Datenträger bei Attingo gelandet, um Daten darauf zu retten. In 80 Prozent der Fälle konnten Datenträger rekonstruiert und Daten darauf gerettet werden.

Hat man bei einem Datenträger Erfolg, bedeute dies aber nicht, das wirklich alle Daten darauf gerettet werden können, meint Häfele. "Manchmal kann man nur einen gewissen Teil der Dateien wiederherstellen. Auch bei einer oberflächlich intakten Festplatte können einzelne Sektoren defekt sein."

Nicht nur physische Hürden

Kunden, die ihre Datenspeicher einem Datenrettungs-Spezialisten übergeben, wollen meist wichtige Dokumente, Bilder oder Videos wiedererhalten. Teilweise arbeiten Datenretter auch mit Gerichten oder der Staatsanwaltschaft zusammen, um Beweise zu sichern. Eine große Hürde stellt dabei oft nicht einmal das Auslesen von Speicherwerten dar. Viele Daten seien verschlüsselt oder in proprietären Dateiformaten gespeichert, die nur der Hersteller eines Geräts verwerten könne.