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Digital Life
01/04/2019

Ausgespielt: Aus Trommeln werden Lautsprecher-Tische

Ein 25-jähriger Tüftler hat aus seiner Idee ein Geschäft gemacht. Er baut alte Musikinstrumente zu Möbeln um.

von Barbara Wimmer

Eine Schlagzeugtrommel, die zum Bluetooth-Lautsprecher mit Schubladen wird. Eine Stehlampe aus einem Tenorhorn. Eine Garderobe aus Blasmusikinstrumenten. Ein Lampenschirm aus einem alten Kinderchello. Ein Schnapsgläserhalter aus einer alten Geige. Der 25-jährige Samuel Karl aus Buchkirchen in Oberösterreich macht aus alten, ausgespielten Musikinstrumenten Neues. Sie werden zu handgemachten Design-Möbelstücken.

Ausprobiert und dran geblieben

„Ich habe selbst Schlagzeug gespielt und hatte für ein Schulprojekt die Idee, aus einem alten Schlagzeug Schubladen zu machen. Ich wollte unbedingt rausfinden, ob mein Konzept auch technisch umsetzbar ist und habe dann eine alte Trommel von mir hergenommen, um sie umzubauen“, erklärt Karl seine ersten Versuche.

„Bei der ersten Trommel bin ich gescheitert. Nach einem halben Jahr habe ich es noch einmal versucht mit einer besseren Technik für Ladenauszüge. Das hat dann von der Qualität her gepasst. Während dem Bauen bin ich auf neue Ideen gekommen und bin dran geblieben“, erklärt der Jungunternehmer, der nun bereits mehr als 100 Musikinstrumente recycled und in Möbel verwandelt hat, im Gespräch mit der futurezone.

Auf ausgespielt.at bietet er eine Auswahl aus seinen bisherigen Designer-Möbeln an, oder aber die Möglichkeit für Kunden, mit ihren alten Musikinstrumenten oder ihren Ideen zu ihm zu kommen und gemeinsam etwas auszuarbeiten, um die Instrumente zu recyclen.

Verrückte Ideen für Unikate

„Kunden kommen teilweise mit eigenen Musikinstrumenten zu mir, auf denen etwa der Opa gespielt hat und die nicht wollen, dass das Instrument, das sich nicht mehr spielen lässt, einfach verstaubt“, sagt Karl. „Ein Musikverein hat seinem Obmann etwa eine Stehlampe aus einem Tenorhorn zum 50. Geburtstag geschenkt. Oder derzeit arbeite ich an einem Lampenschirm aus einer E-Gitarre“, so der Tüftler. „Viele alte Musikinstrumente finde ich auch auf Flohmärkten. Manchmal rufen auch Musikhäuser an, die wissen, dass ich das brauche.“

Für Karl muss jedes neue Möbelstück auch einen Sinn haben. „Es geht mir nicht darum Kunst zu bauen, sondern Gebrauchsgegenstände. Möbelstücke, die eine Funktion haben. Meine Philosophie dabei ist, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Ich gebe alten Musikinstrumenten eine zweite Chance, die gekennzeichnet sind von einem langem Leben davor.“

Trommel als Lautsprecher und Tisch

Sein neuestes Produkt, das er Ende November zum ersten Mal bei der Möbelmesse trend.Premium im Looshaus präsentiert hat, ist ein Tisch mit Schubladen aus einer Schlagzeugtrommel, in dem auch noch qualitativ hochwertige Bluetooth-Lautsprecher eingebaut sind. „Die Trommel kann als Beistelltisch und Stauraum plus als Radio und Lautsprecher verwendet werden“, erzählt Karl. „Dazu habe ich mich mit einem Soundtechniker beraten und am Design getüftelt, sodass der Stauraum vorhanden bleibt, aber auch der Sound perfekt ist.“

Die Trommel-Lautsprecher verfügen auch über einen Klinkeneingang und es ist möglich, seine eigene Anlage dranzuhängen. Oder aber man verbindet sich mit den Lautsprechern via Bluetooth. Ansteuern lässt sich das Ganze auch mit einer eigenen App.

Bisher sind die exklusiven Designer-Möbel neben dem Online-Shop auch in einzelnen Fachmöbelhäusern erhältlich. Die Lieferzeit für fertige Stücke, wie etwa die Trommeln, die es in verschiedenen Farben gibt, beträgt rund zwei Wochen. „Bei Einzelanfertigungen hängt vieles vom Budget und den Wünschen des Kunden ab“, erklärt Karl.

Vorsichtiges Vorgehen

Derzeit baut Karl alle alten Musikinstrumente selbst um. „Bei jedem Umbau ist es wichtig, dass die Gebrauchsspuren erhalten bleiben und dass die Instrumente nicht kaputt werden. Da muss man wirklich vorsichtig sein beim Reinschneiden und Arbeiten. Alte Instrumente sind oft nicht mehr so stabil“, sagt Karl. „Bei jedem Stück gehe ich daher mit Respekt vor.“ Karls Vision ist es, mit seiner Firma zu expandieren. „Ich bin dafür gerüstet. Mir ist es hier auch wichtig, dass die ganze Firma dafür steht, eine zweite Chance zu geben.“